Zitat der Woche: 28. Mai 2018

Die politischen Irrtümer, die am leichtesten zu verhindern sind, werden am häufigsten begangen.

Nicolás Gómez Dávila

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Athanasisches Glaubensbekenntnis

Wer auch immer selig werden will, der muss vor allem den katholischen Glauben festhalten; wer diesen nicht vollständig und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel auf ewig verlorengehen. Dies aber ist der katholische Glaube, dass wir den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit verehren, weder vermengend die Personen noch trennend die Wesenheit. Eine andere nämlich ist die Person des Vaters, eine andere die des Sohnes, eine andere die des Heiligen Geistes. Aber Vater und Sohn und Heiliger Geist haben nur eine Gottheit, gleiche Herrlichkeit, gleich ewige Majestät. Wie der Vater, so der Sohn, so der Heilige Geist. Unerschaffen ist der Vater, unerschaffen der Sohn, unerschaffen der Heilige Geist. Unermesslich ist der Vater, unermesslich der Sohn, unermesslich der Heilige Geist. Ewig ist der Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist. Und doch sind es nicht drei Ewige, sondern ein Ewiger, wie auch nicht drei Unerschaffene und nicht drei Unermessliche, sondern ein Unerschaffener und ein Unermesslicher. Ebenso ist allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn, allmächtig der Heilige Geist, und doch sind es nicht drei Allmächtige, sondern ein Allmächtiger. So ist der Vater Gott, der Sohn Gott, der Heilige Geist Gott, und doch sind es nicht drei Götter, sondern nur ein Gott. So ist der Vater Herr, der Sohn Herr, der Heilige Geist Herr, und doch sind es nicht drei Herren, sondern es ist nur ein Herr. Denn wie wir durch die christliche Wahrheit gedrängt werden, jede einzelne Person als Gott und Herrn zu bekennen, so verbietet uns doch auch der katholische Glaube, drei Götter oder Herren anzunehmen. Der Vater ist von niemandem gemacht, noch geschaffen, noch gezeugt. Der Sohn ist vom Vater allein, nicht gemacht, noch geschaffen, sondern gezeugt. Der Heilige Geist ist vom Vater und vom Sohn, nicht gemacht, noch geschaffen, noch gezeugt, sondern hervorgehend. Es ist also ein Vater, nicht drei Väter, ein Sohn, nicht drei Söhne, ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister. Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher oder später, nichts größer oder kleiner, sondern alle Personen sind gleich ewig und gleich groß, so dass in allem, wie bereits gesagt wurde, sowohl die Einheit in der Dreifaltigkeit als auch die Dreifaltigkeit in der Einheit zu verehren ist. Wer daher selig werden will, muss dies von der heiligsten Dreifaltigkeit glauben.

Aber zum Heil ist es notwendig, treu auch an die Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus zu glauben. Das ist also der rechte Glaube, dass wir glauben und bekennen, dass unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gott und Mensch ist. Gott ist er aus der Wesenheit des Vaters von Ewigkeit gezeugt, und Mensch ist er aus der Wesenheit der Mutter in der Zeit geboren. Vollkommener Gott, vollkommener Mensch, bestehend aus einer vernünftigen Seele und einem menschlichen Leib. Dem Vater gleich der Gottheit nach, geringer als der Vater der Menschheit nach. Da er nun Gott ist und Mensch zugleich, so sind doch nicht zwei, sondern nur ein Christus. Einer aber, nicht als ob die Gottheit in Fleisch verwandelt worden wäre, sondern weil Gott die Menschheit angenommen hat. Einer ganz und gar, nicht durch Vermengung der Wesenheit, sondern durch die Einheit der Person. Denn wie die vernünftige Seele und der Leib nur einen Menschen ausmachen, so ist auch Gott und Mensch nur ein Christus, der gelitten hat um unseres Heils willen, abgestiegen ist zur Unterwelt, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, sitzet zur Rechten Gottes des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen zu richten die Lebendigen und die Toten. Bei seiner Ankunft werden alle Menschen in ihren Leibern auferstehen und Rechenschaft ablegen über ihre eigenen Handlungen. Und jene, die Gutes getan haben, werden eingehen zum ewigen Leben, die aber Böses getan haben, ins ewige Feuer. Dies ist der katholische Glaube. Wer ihn nicht treu und fest glaubt, kann nicht selig werden.

[Quelle: Diurnale Romanum; Thalwil 2011; S. S. 246T-249T]

Dom Guéranger zum Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit (3/3)

Zur Vesper.

Antiphon.

Ehre sei Dir, in Allem sich gleiche Dreifaltigkeit, Eine Gottheit, die Du warst vor allen Zeiten, bist und bleibst in alle Ewigkeit!

109. Psalm.

Es sprach der Herr.

[…]

Antiphon.

Lob und ewige Ehre Gott, dem Vater und dem Sohne und auch dem Heiligen Geiste, dem Tröster, nun und in alle Ewigkeit!

110. Psalm.

Lobsingen will ich Dir.

[…]

Antiphon.

Verherrlichung und Lob ertöne aus Aller Munde dem Vater und dem von Ihm gezeugten Sohne; ewiger Preis werde auch gesungen dem Heiligen Geiste!

111. Psalm.

Glückselig der Mann.

[…]

Antiphon.

Ehre sei Gott dem Vater und seinem Ihm gleichen Sohne! und Dir, o Heiliger Geist! singe unaufhörlich Lob unser Mund und die ganze Ewigkeit!

112. Psalm.

Lobet den Herrn.

[…]

Antiphon.

Von Ihm und durch Ihn und in Ihm ist Alles, Ihm sei Ehre in Ewigkeit!

113. Psalm.

Als Israel auszog.

[…]

Capitulum.

(Röm. 11.)

O Tiefe des Reichthums der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und wie unerforschlich seine Wege!

Hymnus.

Schon weicht der Sonne Flammenstrahl;
O selige Dreieinigkeit,
Du Licht, das ewig uns erfreut,
Sei uns’re Sonn’ im dunklen Thal!

Dir singen wir des Morgens Preis
Und wann erscheint das Abendroth,
Laß gnädig uns nach unserm Tod
Dir singen in der Heil’gen Kreis.

Um diese Gnade flehen wir,
O Vater, Sohn und Heil’ger Geist,
Den Mensch und Engel ewig preist,
Mit Mund und Herz empor zu Dir!
Amen.

V. Gepriesen seist Du, o Herr, am Firmamente des Himmels.

R. Der Du lobwürdig und herrlich bist in Ewigkeit.

Antiphon zum Magnificat.

Dich Gott, den ungezeugten Vater, Dich, den eingebornen Sohn, Dich, den Heiligen Geist, den Tröster, die heilige und unzertheilte Dreifaltigkeit, preisen und bekennen wir aus ganezm Herzen und Munde; Dich loben und benedeien wir! Dir sei Ehre in Ewigkeit!

Gebet.

Allmächtiger und ewiger Gott! Der Du uns die Gnade ertheilt hast, daß wir im Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit erkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten vermochten! Laß uns nun die Festigkeit desselben Glaubens zum Schilde werden, der uns vor allen widrigen Anfällen schützt. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Commemoration des Sonntags.

Antiphon.

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welchem Urtheil ihr richtet, mit dem werdet ihr auch gerichtet werden.

Versikel.

V. Es steige auf, o Gott, mein Gebet,

R. Wie Weihrauch vor deinem Angesicht.

Gebet.

Gott! Der Du Aller, die auf Dich trauen, Macht und Stärke bist! Erhöre gnädig unser Flehen! und weil die Schwachheit der Sterblichen ohne Dich nichts vermag, so stütze uns durch deine helfende Gnade, damit wir in Erfüllung deiner Gebote durch unser Wollen und unser Thun Dir wohlgefällig werden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Das Mittelalter hat uns für das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit mehrere Sequenzen überliefert. Sie sind mit metaphysischen Ausdrücken überladen und im Ganzen von nur geringem poetischem Werth. Man hört daraus die Schulsprache hervor, die zudem eckig ist, so daß sie kaum dem Geschmack der heutigen Leser entspricht. Wir bringen nur eine von Adam von St. Victor herrührende; trotz ihrer scholastischen Form bewahrt sie immer noch jenen majestätischen Wohlklang, welcher allen Compositionen dieses großen geistlichen Dichters eigen ist.

Sequenz.

Lasset uns den Einen Gott preisen und zugleich die Dreifaltigkeit verehren; lasset uns drei göttliche Personen bekennen, welche nach den persönlichen Eigenthümlichkeiten sich unterscheiden.

Drei sind es den persönlichen Beziehungen nach, aber Eines sind sie der Natur nach, und es sind nicht drei Wesen. Obgleich es drei sind, so ist es doch nur Eine Natur, keine dreifache Wesenheit.

Einfach ist ihr Sein, einfach ihre Macht, einfach ihr Wollen, einfach ihre Weisheit, Alles in ihnen ist einfach. Die Macht Einer Person ist nicht kleiner als die Macht zweier oder dreier Personen.

Vater, Sohn und Heiliger Geist sind Ein Gott; aber diese drei Personen haben ihre Eigenthümlichkeiten; sie sind Eine Kraft, Eine Gottheit, Ein Glanz, Ein Licht, und was die eine Person ist, das ist auch die andere.

Der Sohn ist dem Vater gleich; aber dies hebt den persönlichen Unterschied Beider nicht auf. Dem Vater und dem Sohne ist der Heilige Geist gleich, der von Beiden ausgeht.

Die menschliche Vernunft kann nicht die göttlichen Personen, noch ihren Unterschied erfassen. Denn da ist keine Ordnung der Zeit nach, kein Rang, noch ein Raum, der sie umgebe.

Nichts ist in Gott außer Gott, kein Urheber außer Ihm, welcher die Ursache der erschaffenen Dinge ist. Gott ist die Ursache, die erschafft und bildet, er ist das Endziel, aber niemals ist er der Stoff des Erschaffenen.

Von den göttlichen Personen nach Gebühr zu reden, übersteigt die Kraft der Vernunft und überragt des Geschöpfes Geistesschärfe. Bekennen muß ich, daß ich es nicht erfasse, was es heiße, erzeugt werden und ausgehen; doch mein Glaube zweifelt nicht.

Wer da glaubt, sei nicht voreilig und weiche nicht hoffährtig ab von dem königlichen Pfade. Er bewahre den Glauben, regle die Sitten und neige nicht hin zu den Irrlehren, welche die Kirche verdammt.

Wir wollen uns allzeit im Glauben rühmen, und in der Beharrlichkeit des Glaubens einmüthig singen: Preis sei der Dreieinigkeit, Ehre der Dreifaltigkeit in Ewigkeit.

Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Zehnter Band: Die Zeit nach Pfingsten; Mainz 1881; S. 133-138]

Dom Guéranger zum Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit (2/3)

Zur Messe.

Das Meßopfer wird allezeit zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit dargebracht. Heute aber verherrlicht die Kirche in ihren Gesängen, Gebeten und Lesungen, ganz besonders dies große Geheimniß, auf welchem der christliche Glaube beruht. Man thut indessen auch des ersten Sonntags nach Pfingsten Erwähnung, um die liturgische Reihenfolge nicht zu unterbrechen. Die Kirche wendet heute die weiße Farbe an, sowohl als ein Zeichen der Freude, wie auch um die Einheit und Reinheit der göttlichen Natur anzudeuten.

Der Introitus ist nicht aus der heiligen Schrift entnommen. Er besteht vielmehr aus einer diesem Tage eigenthümlichen Verherrlichungsformel. Die heilige Dreifaltigkeit ist darin als die göttliche Quelle aller Barmherzigkeit, die den Menschen erwiesen worden ist, dargestellt.

Introitus.

Gepriesen sei die heilige Dreifaltigkeit und unzertheilte Einheit; wir wollen sie preisen, weil sie an uns Barmherzigkeit gethan.

Herr, unser Herr, wie wunderbar ist dein Namen auf der ganzen Erde!

Ehre sei dem Vater etc.

Gepriesen sei etc.

In der Collecte erfleht die heilige Kirche für uns die Festigkeit im Glauben, durch welchen wir in Gott die Einheit und die Dreifaltigkeit bekennen. Es ist das die erste Bedingung des Heils, das erste Band mit Gott. Mit diesem Glauben werden wir unsere Feinde überwinden und über alle Hindernisse triumphiren.

Collecte.

Allmächtiger, ewiger Gott, welcher Du deinen Dienern im Bekenntniß des wahren Glaubens verliehen hast, die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen, und in der Macht und Majestät die Einheit anzubeten; wir bitten Dich, daß wir durch die Festigkeit eben dieses Glaubens stets vor allen Widerwärtigkeiten beschützt werden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Commemoration des ersten Sonntags nach Pfingsten.

O Gott, Du Stärke der auf Dich Hoffenden, erhöre huldreich unsere Gebete: und weil die menschliche Schwäche ohne Dich Nichts vermag, so gewähre uns den Beistand deiner Gnade, damit wir in der Vollziehung deiner Gebote Dir mit dem Willen und mit der That gefallen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Epistel.

Lesung des Briefes des heiligen Apostels Paulus an die Römer Cap. 11.

O Tiefe des Reichthumes der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Rathgeber gewesen? Oder wwer hat ihm zuerst Etwas gegeben, daß es wieder vergolten werde? Denn von ihm und durch ihn und in ihm ist Alles. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Wir können unsere Gedanken nicht auf die göttlichen Rathschlüsse richten, ohne eine Art Schwindel zu empfinden. Das Ewige und Unendliche blendet unsere schwache Vernunft, und diese Vernunft erkennt die göttlichen Rathschlüsse an und bekennt sie. Wenn nun schon die Rathschlüsse Gottes über seine Geschöpfe unsere Fassungskraft schwindeln machen, wie soll da erst die innerste Natur und Wesenheit Gottes erkannt werden? Und dennoch unterscheiden und verherrlichen wir in dieser unerschaffenen Wesenheit den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Das rührt daher, daß der Vater sich uns selbst offenbarte, indem er uns den Sohn, den Gegenstand seines ewigen Wohlgefallens, sendete; der Sohn offenbarte uns seine Persönlichkeit, indem er unser Fleisch annahm, was der Vater und der Heilige Geist mit ihm nicht angenommen haben. Es rührt ferner daher, daß der von dem Vater und dem Sohne gesendete Heilige Geist herabgekommen ist, um in uns die ihm von Beiden übertragene Sendung zu erfüllen. So taucht unser sterbliches Auge voll Ehrfurcht in die heiligen Tiefen, und unser Herz schlägt in zitternder Rührung bei dem Gedanken, daß wir die Erkenntniß Gottes seinen Wohlthaten verdanken, und die erste Wohlthat besteht darin, daß er uns den Begriff dessen, was er ist, beibrachte. Hüten wir diesen Glauben mit Liebe, erwarten wir vertrauensvoll den Augenblick, wo der Glaube schwindet, um der ewigen Anschauung dessen Platz zu machen, was wir hienieden geglaubt.

Das Graduale sammt dem Versikel „Alleluja“ athmen Freude und Bewunderung in Gegenwart jener erhabenen Majestät, welche sich gewürdigt hat, ihre Strahlen bis in den Schoß unserer Finsterniß herabzusenden.

Graduale.

Gepriesen bist Du, o Herr, der Du Abgründe durchschauest und auf Cherubinen sitzest.

Gepriesen bist Du, o Herr, am Himmelszelt und lobenswerth in Ewigkeit.

Alleluja, Alleluja.

Gepriesen bist Du, o Herr, Gott unserer Väter, und lobenswerth in Ewigkeit. Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Matthäus Cap. 28.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie Alles halten, was ich euch befohlen habe; und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an’s Ende der Welt.“

Das Geheimniß der allerheiligsten Dreifaltigkeit offenbart sich in der Sendung des Sohnes Gottes, der auf diese Welt kam, und in der Verheißung der demnächstigen Sendung des Heiligen Geistes. Den Menschen wurde das förmlich und unzweideutig in den feierlichen Worten mitgetheilt, welche Jesus sprach, bevor er in den Himmel auffuhr. Er sagte: „Wer da glaubt und sich taufen läßt, der wird selig werden [Mark. 16, 16].“ Dann aber fügte er bei, daß die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes gespendet werden solle. Der Mensch darf darum von jetzt an nicht mehr blos die Einheit Gottes bekennen, indem er der Vielgötterei abschwört, sondern er muß auch die Dreifaltigkeit der Personen in der Einheit der Wesenheit anbeten. Das große Geheimniß des Himmels ist jetzt eine Wahrheit geworden, welche über der ganzen Erde verbreitet wird.

Wenn wir aber in aller Demuth Gott so erkennen, wie er in sich ist, dann müssen wir auch die Huldigung ewiger Dankbarkeit der glorreichen Dreifaltigkeit darbringen. Nicht nur hat sie sich gewürdigt, ihre göttlichen Züge unserer Seele aufzudrücken, die ja nach ihrem Vorbilde geschaffen ist, sondern in der übernatürlichen Ordnung hat sie sich unseres Wesens bemächtigt, und dasselbe zu einer unermeßlichen Größe erhoben. Der Vater hat uns in seinem menschgewordenen Sohne an Kindesstatt angenommen, das Wort erleuchtet unseren Verstand mit seinem Lichte, der Heilige Geist hat uns zu seiner Wohnung auserwählt. Das Alles liegt in der Form der heiligen Taufe. Durch jene Worte, welche bei der Ausgießung des Wassers über uns gesprochen werden, hat die ganze Dreifaltigkeit von ihrem Geschöpfe Besitz ergriffen. An dieses erhabene Wunder gedenken wir jedesmal, wenn wir beim heiligen Kreuzzeichen die drei göttlichen Personen anrufen. Wenn unsere sterblichen Ueberreste in das Haus Gottes gebracht werden, um da die letzten Segnungen und das Lebewohl der irdischen Kirche zu empfangen; dann wird der Priester den Herrn anflehen, nicht mit seinem Diener in’s Gericht zu gehen; und um auf diesen bereits in die Ewigkeit eingegangenen Christen das Auge der göttlichen Barmherzigkeit zu lenken, wird er dem höchsten Richter vorstellen, daß dieses Glied des Menschengeschlechts mit dem Siegel der heiligen Dreifaltigkeit bezeichnet war. Halten wir dieses erhabene Merkmal in Ehren; es wird ewig sein. Selbst die Verwerfung könnte es nicht austilgen. Es sei darum unsere Hoffnung, unser schönster Titel, und so mögen wir leben für die Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Im Offertorium leitet die Kirche das sich vorbereitende Opfer damit ein, daß sie bei Darbringung der Opfergaben die Namen der drei göttlichen Personen anruft und die göttliche Barmherzigkeit verkündet.

Offertorium.

Gepriesen sei Gott der Vater, und der eingeborene Sohn Gottes, und auch der Heilige Geist; denn er hat an uns seine Barmherzigkeit gethan.

Die heilige Kirche erfleht im Stillgebet, daß die Huldigung, welche wir in diesem Opfer der göttlichen Dreifaltigkeit darbringen, nicht auf heute beschränkt bleibe, sondern daß sie durch unsere Aufnahme in den Himmel, wo wir den einen Gott in drei Personen unverhüllt schauen werden, sich verewige.

Stillgebet.

Herr, unser Gott, wir bitten Dich, heilige durch die Anrufung deines heiligen Namens diese Opfergabe: und mache durch dieselbe aus uns selbst ein ewiges Opfer für Dich. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Commemoration des Sonntags.

O Herr, wir bitten Dich, nimm gnädig an das Dir geweihte Opfer: und laß es uns zum ewigen Schutzmittel gedeihen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

In der Antiphon zu Communion fährt die Kirche fort, die Barmherzigkeit Gottes zu erheben, der seine eigenen Wohlthaten dazu benutzte, um uns aufzuklären und über sein unerforschliches Wesen uns zu unterrichten.

Communion.

Wir preisen den Herrn des Himmels, und vor allen Lebendigen wollen wir ihn loben; denn er hat an uns seine Barmherzigkeit gethan.

Zwei Dinge sind uns nothwendig, um zu Gott zu gelangen: das Licht des Glaubens, wodurch unser Verstand ihn erkennt, und die göttliche Speise, die uns mit ihm vereint. Die heilige Kirche erfleht nun in der Postcommunion, daß das eine wie das andere uns zum glücklichen Ziele unserer Erschaffung hinleiten möge.

Postcommunion.

O Herr, unser Gott, der Empfang dieses Sakramentes gereiche uns zum Heil an Leib und Seele: und ebenso das Bekenntniß der ewigen und heiligen Dreifaltigkeit, die zugleich unzertheilte Einheit ist. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Commemoration des Sonntags.

O Herr, nachdem Du uns mit so hohen Gütern gesättigt hast, bitten wir Dich: daß wir die heilbringenden Gaben nicht blos empfangen, sondern auch in deinem Lobe nie lässig werden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Als letztes Evangelium wird heute nicht der Anfang des Evangeliums Johannis, sondern statt desselben das Evangelium des ersten Sonntags nach Pfingsten gelesen.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Lukas Cap. 6.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet werden; verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammet werden; vergebet, so wird euch vergeben werden. Gebet, so wird euch gegeben werden, ein gutes, ein eingedrücktes, gerütteltes und aufgehäuftes Maß wird man in euern Schoß geben; denn mit demselben Maße, womit ihr messet, wird euch wieder gemessen werden.“ Er sagte ihnen aber auch ein Gleichniß: „Kann wohl ein Blinder einen Blinden führen? Fallen sie nicht Beide in die Grube? Der Jünger ist nicht über den Meister; Jeder aber wird vollkommen sein, wenn er wie sein Meister ist. Warum siehst du den Splitter in deines Bruders Auge; des Balkens aber in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, laß mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, da du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Heuchler, zieh’ zuvor den Balken aus deinem eigenen Auge; dann magst du sehen, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.“

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Zehnter Band: Die Zeit nach Pfingsten; Mainz 1881; S. 123-131]

Dom Guéranger zum Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit (1/3)

Das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Am Pfingsttage haben wir die Ausgießung des Heiligen Geistes über die Apostel gesehen, und treu den Befehlen des Herrn, gingen sie bald darauf in die Welt, um alle Völker zu lehren und die Menschen im Namen der heiligen Dreifaltigkeit zu taufen [Matth. 28, 19]. Es schien daher passend, daß die Feier, welche dem einzigen Gott in drei Personen gewidmet werden muß, unmittelbar dem Pfingstfeste folgt, mit welchem es durch ein geheimnißvolles Band verkettet ist. Indeß verstrichen Jahrhunderte, bis dies Fest in den Kirchenkalender eingeschrieben wurde; denn derselbe ergänzt sich nur ganz allmählich, im Laufe langer Zeiten.

Alle Huldigungen, welche in der Liturgie Gott gezollt werden, haben die göttliche Dreifaltigkeit zum Gegenstande. Ihr gehört die Zeit wie die Ewigkeit; sie ist das letzte Ziel unserer ganzen Religion. Jeder Tag, jede Stunde gehört ihr. Alle Feste zum Gedächtniß unserer Heilsgeheimnisse zielen stets auf sie. Die Feste der allerseligsten Jungfrau und der Heiligen sind ebenso viele Wege, um uns zur Verherrlichung des seiner Wesenheit Einen und in den Personen dreifaltigen Herrn hinzuleiten. Insbesondere der Gottesdienst für den Sonntag bringt allwöchentlich eine besondere Formel, die der Anbetung und der Unterwerfng unter dies Geheimniß Ausdruck verleiht. Ist dasselbe ja doch ein Fundamentalgeheimniß unseres Glaubens und die Quelle aller und jeder Gnade.

Man begreift nach dem Gesagten, wie es kam, daß die Kirche so lange zögerte, bevor sie ein besonderes Fest zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit einsetzte. Der gewöhnliche Grund der Einsetzung eines Festes fehlte hier gänzlich. Ein Fest ist ja doch das Gedächtniß einer Thatsache, die sich in der Zeit ereignet hat, und deren Erinnerung und Einfluß gerade dadurch dauernd erhalten werden soll. Doch die ganze Ewigkeit hindurch, vor aller Schöpfung, lebt und regiert Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Da war kein besonderes Ereigniß zu feiern, das sich abgrenzen ließ, und es konnte die Einführung dieses Festes nur die Bedeutung haben, daß die Christen an einem Tage im Jahre in der gewissermaßen unmittelbar ausgesprochenen Absicht sich vereinten, um das Geheimniß der Einheit und Dreifaltigkeit in derselben göttlichen Natur feierlich zu verherrlichen.

Der erste Gedanke daran tauchte in einigen frommen Seelen auf. Oft haben solche Seelen von oben eine Vorahnung jener Dinge, welche der Heilige Geist künftig in der Kirche wirken wird. Im Beginn des achten Jahrhunderts glaubte der gelehrte Mönch Alcuin, von dem Geiste der heiligen Liturgie erfüllt, wie seine Schriften bezeugen, den Augenblick gekommen, eine Votivmesse zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit zu verfassen. Es scheint sogar, daß er damit einem Verlangen des berühmten Apostels von Deutschland, des heiligen Bonifacius, nachgekommen sei. Diese einfache Votivmesse diente damals nur der Privatfrömmigkeit, und nichts ließ ahnen, daß aus derselben später ein Fest sich entwickeln werde. Indessen fand die Messe allmählich Anklang, sie drang aus einer Diöcese in die andere, und im Jahre 1022 sehen wir dieselbe durch das Concil von Seligenstadt für ganz Deutschland angenommen.

Um diese Zeit wurde auch schon ein eigentliches Fest der heiligsten Dreifaltigkeit in einer belgischen Diöcese eingeführt; und zwar war dies dieselbe Diöcese, welche durch die Gnade Gottes vorher bestimmt war, mit einem weiteren glänzenden Feste das Kirchenjahr zu bereichern. Der Bischof von Lüttich, Stephan, setzte in seiner Kirche um’s Jahr 920 feierlich das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit ein und ließ ein vollständiges Officium zu Ehren dieses Geheimnisses anfertigen. Die Bestimmung des gemeinen Rechtes, welche heute dem apostolischen Stuhle die Einführung neuer Feste vorbehält, bestand damals noch nicht, und der Nachfolger Stephans auf dem Stuhle von Lüttich, Riquier, behielt das Fest seines Vorgängers bei.

Allmählich breitete sich dasselbe aus, und es scheint, daß namentlich die Klöster für die Ausbreitung wirksam waren; denn schon in den ersten Jahren des elften Jahrhunderts beschäftigte sich der Abt Bernon von Reichenau eifrig mit seiner Verbreitung. Auch in Cluny wurde das Fest schon im Anfang desselben Jahrhunderts eingeführt. Denn das aus dem Jahre 1091 stammende Ordinarium dieses berühmten Klosters erwähnt das Fest als eine lang hergebrachte Einrichtung.

Unter dem Pontifikate Alexanders II., der von 1061 bis 1073 den römischen Stuhl inne hatte, wurde bezüglich der Einführung in die römische Kirche eine Entscheidung getroffen. Bekanntlich hat diese Kirche ja häufig das sanctionirt und allgemein eingeführt, was schon früher in einzelnen Kirchen bräuchlich war. In einem Decretale hat nun der Papst, nachdem er die bereits große Verbreitung des Festes constatirt hatte, erklärt, daß die römische Kirche dasselbe nicht angenommen hat, weil schon ohnedies täglich durch die oft wiederholten Worte: Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto, sowie durch eine große Zahl anderer Gebete, die anbetungswürdige Dreifaltigkeit angerufen wurde [De feriis. Cap. Quoniam. Dies Decretale wird irrthümlich Alexander III. zugeschrieben].

Indessen fuhr das Fest gleichwohl fort, sich auszubreiten, wie dies das Mikrologium bezeugt. In der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts ließ sich bereits der gelehrte Abt Rupert, den man mit guten Grunde einen Fürsten der liturgischen Wissenschaft nennen kann, über das Wohlangebrachte dieser Einrichtung aus, und er bedient sich dabei folgender sehr bemerkenswerther Ausdrucksweise: „Alsbald, nachdem wir die Ankunft des Heiligen Geistes gefeiert, besingen wir die Herrlichkeit der heiligen Dreifaltigkeit in dem folgenden Sonntagsofficium. Und diese Anordnung ist eine wohlbegründete. Denn alsbald nach der Herabkunft dieses göttlichen Geistes begannen die Predigt und der Glaube, und in der Taufe der Glaube und das Bekenntniß des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes [De divinis Officiis. Lib. I. Cap. I].“

In England wurde das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit von dem heiligen Thomas von Canterbury, dem glorreichen Martyrer, eingeführt. Im Jahre 1162 wurde es zum ersten Male in seiner Kirche feierlich begangen. Es diente gleichzeitig als Gedächtnißtag seiner bischöflichen Consecration, die am ersten Sonntag nach Pfingsten stattgefunden. In Frankreich finden wir es im Jahre 1260. Ein Concil in Arles unter dem Vorsitze des Erzbischofs Florentinus führte das Fest in seinem sechsten Canon feierlich ein, und verband mit demselben eine Octave. Schon vom Jahre 1230 an hatte der in ganz Europa verbreitete Cistercienser-Orden es in allen seinen Häusern eingeführt. Aus dem Rationale des Durand von Mende läßt sich schließen, daß die meisten lateinischen Kirchen im Laufe des dreizehnten Jahrhunderts es feierlich begingen. Einige derselben feierten es nicht am ersten, sondern am letzten Sonntage nach Pfingsten; andere begingen es doppelt: einmal am ersten Sonntag nach Pfingsten und einmal am Sonntage vor Beginn des Advents. Letzteres war namentlich der Fall bei den Kirchen von Mans, von Narbonne und von Auxerre.

Angesichts dieser Umstände war es nicht schwer vorauszusehen, daß schließlich der heilige Stuhl eine Einrichtung sanctioniren würde, deren allgemeine Einführung offenbar die ganze Christenheit herbei sehnte. Johannes XXII., der den Stuhl Petri bis zum Jahre 1334 inne hatte, kam denn auch diesem Wunsche durch ein Dekret nach, in welchem die römische Kirche das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit annahm und auf alle Kirchen ausdehnte.

Sucht man nun nach dem Grunde, warum die in allen Dingen vom Heiligen Geiste geleitete Kirche einen besonderen Tag im Jahre bezeichnete, um der göttlichen Dreifaltigkeit eine feierliche Huldigung zu zollen, während doch all’ unsere Anbetung, all’ unsere Danksagungen, all’ unsere Gebete jederzeit ihr gelten, so findet man diesen Grund in einer allmählichen Veränderung, welche sich im Kirchenkalender vollzog. Bis gegen das Jahr 1000 waren allgemeine Heiligenfeste sehr selten. Aber mit der Zeit wuchs ihre Zahl, und nach dem genannten Zeitpunkte wurden dieselben um Vieles häufiger. Das konnte auch nie anders werden; alte Feste wurden nicht abgeschafft und neue kamen stets dazu. So mußte einmal eine Zeit eintreten, wo der Sonntagsgottesdienst, der ganz besonders der heiligsten Dreifaltigkeit gewidmet ist, häufig den Heiligenfesten im Laufe des Jahres die Stelle räumen mußte. Das war denn doch eine Unzuträglichkeit, bezüglich deren ein Ausweg gefunden werden mußte. Man fand ihn in der That darin, daß man einen Sonntag im Jahre voll und ganz der Anbetung dieses Geheimnisses widmete, und wurde dadurch, wenn man sich so ausdrücken darf, freier in der Verehrung der Diener Gottes an den übrigen Sonntagen, welche eigentlich der höchsten Majestät ausschließlich galten. An diesem Einen Sonntage aber beten wir Gott ganz besonders in seiner unaussprechlichen Einheit und seiner ewigen Dreipersönlichkeit an.

Die Erkenntniß und Anbetung des Einen Gottes in drei Personen ist dem christlichen Glauben ganz wesentlich. Aus diesem Geheimnisse fließen alle anderen; es ist das vorzüglichste Nährmittel unseres Glaubens, bis die ewige Anschauung uns unendlich selig macht. Darum hat es dem höchsten Herrn gefallen, so weit dies unserer beschränkten Vernunft möglich ist, uns dies Geheimniß zu bestätigen, während er dabei fortfährt, in seinem unzugänglichen Lichte zu wohnen [1. Tim. 6, 16]. Die menschliche Vernunft kann das Dasein Gottes, als des Schöpfers aller Wesen, erkennen; sie kann aus der Betrachtung seiner Werke einen Schluß auf seine Vollkommenheit ziehen; aber die Kenntniß des innersten Wesens Gottes konnte nur durch die Offenbarungen zu uns gelangen, die er selbst uns zu machen sich würdigte.

Der Herr wollte uns in seiner Barmherzigkeit sein Wesen offenbaren, damit wir uns desto enger mit ihm vereinigen könnten; er wollte uns so gewissermaßen auf die Anschauung vorbereiten, die er uns in der Ewigkeit von Angesicht zu Angesicht gewährt. Darum hat er uns allmählich von Licht zu Licht geführt, bis wir hinreichend erleuchtet waren, um die Einheit in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit zu erkennen und anzubeten. In den Jahrhunderten, welche der Menschwerdung des ewigen Wortes vorangingen, scheint Gott hauptsächlich darauf bedacht, den Menschen die Idee seiner Einheit zu erhalten; denn die Vielgötterei wurde nach und nach das eigentliche Uebel des Menschengeschlechtes, und sogar die Kenntniß der geistigen und einzigen Ursache aller Dinge wäre auf Erden erloschen, wenn Gott nicht beständig für ihre Erhaltung wirksam gewesen wäre.

Damit soll indessen keineswegs behauptet werden, daß die Bücher des alten Bundes über die drei göttlichen Personen, deren unaussprechlichen Beziehungen ja in Gott von Ewigkeit her sind, gänzlich stumm geblieben wären. Aber diese heiligen Bücher waren der Masse des Volkes unzugänglich, während bei uns jedes Kind von sieben Jahren, wenn es gefragt wird, antwortet, daß in Gott drei göttliche Personen in derselben Natur in derselben Gottheit sind. In der Genesis spricht Gott in der Mehrzahl: „Lasset uns den Menschen machen nach unserem Ebenbild und Gleichniß [Gen. 1, 26].“ Der Isarelit beugt sich und glaubt, ohne zu verstehen; der Christ, im Besitze der vollkommenen Offenbarung, unterscheidet in der Anbetung die drei Personen, die bei der Schaffung des Menschen wirksam waren. Wenn dann das Licht des Glaubens seine Gedanken erleuchtet, so erkennt er sogar ohne besondere Mühe das Gleichniß in sich selbst: Macht, Einsicht, Willen sind in ihm, alle drei verschieden, und doch ist es nur ein einziges Wesen.

In den Sprüchen Salomons, im Buche der Weisheit, im Ecclesiasticus ist in großartiger Weise von der ewigen Weisheit die Rede. Ihre göttliche Wesenseinheit und persönliche Verschiedenheit treten da häufig und erhaben zu Tage; aber wer soll den Schleier lüften? Isaias hörte die Stimme der Seraphin um den Thron Gottes, und sie riefen mit ewigem Jubel einander zu: „Heilig, Heilig, Heilig ist der Herr [Is. 6, 3]!“ Wer soll den Menschen das dreifache „Heilig“ dieses Lobgesangs erklären, dessen Wiederhall bis in die irdischen Regionen herabklingt? In den Psalmen, in den Schriften der Propheten zuckt es häufig wie ein Blitz vom Himmel; ein dreifacher Glanz blendet den Blick des Menschen; aber bald ist es wieder dunkel, und im Grund der Seele bleibt ihm nur das Gefühl der göttlichen Einheit mit dem Gefühle, daß er das höchste Wesen nicht begreifen könne.

Die Fülle der Zeiten mußte erst gekommen sein; dann wird Gott seinen einzigen Sohn, den er von Ewigkeit gezeugt, senden. Diese Absicht seiner göttlichen Gnade hat er erfüllt; „das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt [Joh. 1, 14].“ Indem wir seine Herrlichkeit sehen, als die des eingeborenen Sohnes vom Vater [Ebend.], haben wir erkannt, daß in Gott Vater und Sohn ist. Die Sendung des Sohnes auf die Erde lehrte uns, indem er selbst den Vater offenbarte, daß Gott von Ewigkeit her Vater ist; denn Alles, was in Gott ist, ist ewig. Ohne diese barmherzige Offenbarung, die uns schon im Voraus über das Licht bringt, was wir erst nach diesem Leben schauen sollen, würde unsere Kenntniß Gottes allzu unvollkommen geblieben sein. Es mußte doch zwischen dem Lichte des Glaubens und der uns vorbehaltenen Anschauung eine engere Beziehung stattfinden; und darum genügte es fürder nicht mehr, wenn der Mensch nur die Einheit Gottes weiß.

Jetzt kennen wir den Vater, von welchem nach den Worten des Apostels alle Vaterschaft selbst auf Erden herkommt [Eph. 3, 15]. Uns ist der Vater nicht mehr eine bloße schöpferische Kraft, die alle Wesen außer ihm hervorbringt; unser ehrfürchtiges Auge dringt, vom Glauben geleitet, in das Innerste der göttlichen Wesenheit. Wir sehen den Vater den ihm wesensgleichen Sohn erzeugen. Um uns das zu lehren, ist der Sohn bis zu uns herabgestiegen. Er sagt uns ausdrücklich: „Niemand kennt den Vater, als der Sohn, und der, dem es der Sohn offenbaren will [Matth. 11, 27].“ Ehre sei dem Sohne, der sich gewürdigt hat, uns den Vater zu offenbaren, Ehre sei dem Vateer, der den Sohn uns offenbart hat!

So ist uns also die tiefere Kenntniß Gottes durch den Sohn zugekommen, welchen der Vater in seiner Liebe uns gegeben hat [Joh. 3, 16]. Und damit unsere Gedanken sich bis zu seiner göttlichen Natur aufschwingen könnten, hat sich dieser Sohn Gottes in der Menschwerdung mit unserer menschlichen Natur umkleidet und uns gelehrt, daß er und der Vater Eins sind, daß sie verschieden in den Personen, aber einer und derselben Wesenheit sind. Der Eine erzeugt, der Andere wird erzeugt. Der Eine ist Macht, der Andere Weisheit, Einsicht. In dem unendlich vollkommenen Wesen kann es keine Weisheit geben, ohne Macht und keine Macht, ohne Weisheit; aber Beide weisen noch auf ein Drittes hin.

Der von dem Vater gesendete Sohn ist mit seiner menschlichen Natur, welche auf ewig mti seiner göttlichen vereint ist, in den Himmel aufgefahren; Vater und Sohn senden nun den Menschen den Geist, der von Beiden ausgeht. Durch dieses neue Geschenk gelangt der Mensch zu der Erkenntniß, daß Gott, der Herr, dreipersönlich ist. Der Geist, das ewige Band zwischen den beiden Ersten, ist der Wille, die Liebe in der göttlichen Wesenheit. In Gott ist also die Fülle des Seins, ohne Anfang, ohne Aufeinanderfolge, ohne Fortschritt; denn Nichts mangelt ihm.

Die heilige Liturgie hat die Verherrlichung Gottes und die Erinnerung an seine Werke zum Gegenstande. Sie folgt alljährlich den erhabenen Phasen, in welchen der Allerhöchste sein ganzes Wesen einfachen Sterblichen erklärt hat. In den düsteren Adventsfarben haben wir die Zeit der Erwartung durchschritten, während welcher die glänzende Dreiheit nur wenige Strahlen durch das Gewölke dringen ließ. Die Welt erflehte einen Befreier, einen Messias, und der eigene Sohn Gottes sollte dieser Befreier, dieser Messias sein. Damit wir die Vorhersagungen, die ihn ankündigten, vollständig verstanden, mußte er auch thatsächlich kommen. „Ein Kind ist uns geboren worden [Is. 9, 6],“ und wir hatten den Schlüssel der Prophezeiungen. Indem wir den Sohn anbeten, haben wir auch den Vater angebetet, der uns denselben im Fleische sandte und der ihm wesensgleich ist. Das Wort des Lebens, das wir in seiner Menschheit gesehen, das wir gehört, das wir mit Händen betastet haben, hat uns überzeugt, daß es in Wahrheit eine Person und von dem Vater verschieden ist; denn der Eine sendet, der Andere ist gesandt. In dieser zweiten göttlichen Person sind wir dem Mittler begegnet, der die Schöpfung mit ihrem Schöpfer vereinigt hat, dem Erlöser unserer Sünden, dem Lichte unserer Seelen, dem Bräutigam, nach welchem alle Seelen sich sehnen.

Nachdem die Reihe der ihm eigenthümlichen Geheimnisse vorüber, haben wir die Ankunft des Geistes, des Heiligmachers, gefeiert, welcher angekündigt war, um das Werk des Sohnes Gottes zu vollenden. Wir haben ihn angebetet und als verschieden von Vater und Sohn erkannt, welche uns denselben mit dem Auftrage sendeten, bei uns zu bleiben [Joh. 14, 16]. Er hat sich in dem ihm eigenthümlichen göttlichen Wirken offenbart. Denn dies Wirken ist eben der Grund seiner Herabkunft. Er ist die Seele der heiligen Kirche, er erhält sie in der Wahrheit, welche der Sohn gelehrt hat. Er ist die Quelle der Heiligung in unseren Seelen, woselbst er seine Wohnung aufschlagen will. Kurz, das Geheimniß der allerheiligsten Dreifaltigkeit ist für uns nicht nur ein unseren Gedanken vertrauter, durch die Offenbarung kundgewordener Glaubenssatz, sondern eine jener Wahrheiten, die wir durch die unerhörte Gnadenfülle Gottes an uns selbst praktisch werden fühlen: wir sind von dem Vater an Kindesstatt angenommen, Brüder und Miterben des Sohnes, innerlich bewegt und bewohnt vom Heiligen Geiste.

[…]

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Zehnter Band: Die Zeit nach Pfingsten; Mainz 1881; S. 107-118]

Katechismus: Lektion 5 (3/3)

Überlege: Wie nennen wir Gott, weil er immer der gleiche bleibt?

8. Warum sagen wir: Gott ist wahrhaftig?

Wir sagen: Gott ist wahrhaftig, weil er immer die Wahrheit sagt; er kann nicht irren und nicht lügen.

9. Warum sagen wir: Gott ist getreu?

Wir sagen: Gott ist getreu, weil er hält, was er verspricht.

10. Warum sagen wir: Gott ist ewig?

Wir sagen: Gott ist ewig, weil er immer war und immer sein wird; Gott hat keinen Anfang und kein Ende.

Für mein Leben: Ich will immer die Wahrheit sagen und mein Versprechen halten, weil Gott, mein himmlischer Vater, wahrhaftig und getreu ist.

Wort Gottes: „Beim Herrn ist ein Tag wie tausend Jahre, und tausend Jahre sind wie ein Tag“ (2 Petr. 3, 8). – „Bei Gott ist kein Wechsel und kein Schatten von Veränderlichkeit“ (Jak. 1, 17).

Aus der Lehre der Heiligen: „Bedenke wohl, wie schnell die Menschen sich ändern und wie wenig man sich auf sie verlassen kann. Darum halte dich fest an Gott, der unveränderlich ist“ (Theresia von Avila).

Aufgaben: 1. Suche in der Bibel Beispiele dafür: a) daß Gott etwas verspricht und daß er sein Versprechen hält, b) daß er etwas androht und daß er seine Drohung ausführt! 2. In welchen Gebeten der heiligen Messe ist von dem ewigen Gott die Rede?

Wie Du warst vor aller Zeit, so bleibst Du in Ewigkeit.

[Quelle: Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands. Ausgabe für das Bistum Aachen; Mönchengladbach 1955; S. 13]

Katechismus: Lektion 5 (2/3)

Gott sagt immer die Wahrheit. Menschen können sich irren und andere belügen. Gott aber kann nicht irren und nicht lügen. „Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis“ (1 Joh. 1, 5). Gott ist wahrhaftig.

Gott hält, was er verspricht. Er hat den Erlöser gesandt, den er im Alten Bunde versprochen hatte. Er wird auch halten, was er uns versprochen hat. Gott ist getreu.

Gott führt aus, was er androht, wenn die Menschen nicht auf ihn hören wollen. Er hatte die Sündflut, die ägyptischen Plagen und andere Strafen angedroht und ließ sie über die Menschen hereinbrechen, als sie sich nicht bekehrten. Er wird auch uns bestrafen, wenn wir sündigen und nicht Buße tun. „Gott läßt seiner nicht spotten“ (Gal. 6, 7).

Die Welt und die Menschen waren einmal nicht. Gott aber ist immer. Er ist immer gewesen und wird immer sein. Er hat keinen Anfang und kein Ende; für ihn gibt es kein Gestern und kein Morgen. Gott ist ewig. „Ehe die Berge geboren wurden, hervorgebracht Erde und Welt, von Ewigkeit her zu Ewigkeit hin, o Gott, bist Du“ (Ps. 89, 2).

Die Welt und die Menschen wandeln sich. Gott aber bleibt immer der gleiche: er altert nicht und wandelt sich nicht. Gott ist unwandelbar. „Himmel und Erde vergehn, Du aber bleibst, und wie ein Kleid muß alles veralten. Wie ein Gewand, so wechselst Du sie, und sie wandeln sich, Du aber bist der gleiche, und Deine Jahre enden nicht“ (Ps. 101, 27-28).

[Quelle: Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands. Ausgabe für das Bistum Aachen; Mönchengladbach 1955; S. 12-13]