Traditionalistische Benediktiner in Artikel für LifeSiteNews (2/3)

Wie gestern erwähnt, hat LifeSiteNews, die bekannte und weltweit wohl wichtigste Internetseite mit Nachrichten zu Lebensschutz und Themen wie Familie und Sexualmoral, letzte Woche einen Artikel über die traditionalistischen Benediktinermönche von Silver City in New Mexico veröffentlicht. Autor des Beitrags ist Father Mark Hodges. Es folgt in einer ersten deutschen Übersetzung der zweite von drei Teilen des Artikels.

Die Brüder bieten Lebensschützern nun eine Gelegenheit für Spendenaktionen – in einem Apostolat mit dem Namen „Cafe4Life“.

Ein Priester beim Marsch hatte die Idee, einen „pro-life“-Kaffee zu machen, wobei Teile des Umsatzes der Unterstützung von Schwangerschaftszentren gewidmet werden könnten. Bruder Bernard teilte seinem Oberen diese Vision mit, und die Idee nahm Fahrt auf.

„Das Konzept ist einfach“, erklärt der Bruder. „Pfarreien im ganzen Land haben Millionen von Kaffeetrinkern. Jede Pfarrei kann nach der Messe Bestellungen für ‚Cafe4Life‘ entgegennehmen und ihn für einen angebrachten Profit für das eigene ‚pro-life‘-Apostolat verkaufen.“

„Da unser Kaffee außergewöhnlich gut ist, sind wir sicher, dass Stück für Stück die wöchentlichen Bestellungen der Pfarreien zunehmen werden“, ergänzt er. „Mit dem Zuwachs im Absatz wird auch die finanzielle Ausstattung für den Lebensschutz wachsen!“

Bruder Bernard sagt, der Kaffeemarkt sei riesig. „Nach meinen eigenen groben Berechnungen aufgrund von Statistiken, die ich im Internet recherchiert habe, geben Lebensschützer jedes Jahr elf Milliarden Dollar für Kaffee aus!“

Gegenwärtig gehört ein Großteil dieses Marktes Unternehmen, die Abtreibung unterstützen.

„Wenn wir annehmen, dass die Hälfte der Kaffeetrinker Lebensschützer sind, dann machen Unternehmen wie Starbucks – das allein im letzten Jahr 22 Milliarden Dollar verdient hat – einen großen Teil ihres Umsatzes mithilfe von Lebensschützern“, sagt er.

„Lassen Sie uns versuchen, einen Teil dieses Geldes wegzuleiten von Kaffeeunternehmen wie Starbucks, die gegen das Leben und gegen die Familie gerichtet sind, und lassen Sie uns das Geld dorthin geben, wo Leben gerettet und Mütter in Not ermuntert werden können, ihre kostbaren Schätze des Himmels zu behalten!“

Das Motto des „pro-life“-Kaffees „Cafe4Life“ des Klosters „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“ ist: „Retten Sie die Ungeborenen und helfen Sie Müttern in Not mit ihren Kaffee-Dollars!“

Als engagierter Lebensschützer arbeitete Bruder Bernard fünf Jahre lang als Berater in einem Schwangerschaftszentrum in New York. Bruder Bernard erinnert sich lebhaft, wie er als Gehsteigberater die Ehre hatte, Teil eines Teams von Beratern zu sein, die eine junge Mutter ermunterten, von einer anstehenden Entscheidung für eine Abtreibung Abstand zu nehmen.

„Es war das erste von vielen Kindern, die gerettet werden sollten“, freut sich der Bruder im Gespräch mit LifeSiteNews. „Ich war gesegnet, bei der ersten Geburtstagsfeier dieses kleinen Mädchens zu sein und die Schließung jenes Abtreibungszentrums zu erleben!“

[Link zum Original]

Traditionalistische Benediktiner in Artikel für LifeSiteNews (1/3)

Letzte Woche hat LifeSiteNews, die bekannte und weltweit wohl wichtigste Internetseite mit Nachrichten zu Lebensschutz und Themen wie Familie und Sexualmoral, einen Artikel über die traditionalistischen Benediktinermönche von Silver City in New Mexico (USA) veröffentlicht. Autor des Beitrags ist Father Mark Hodges. Durch ihren Kaffee sind die Mönche anscheinend auch jenseits traditionsverbundener Kreise bekannt. Das Kloster ist verbunden mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. Es folgt in einer ersten deutschen Übersetzung der erste von drei Teilen des Artikels.

In einer kleinen südwestlichen Bergbaustadt importieren, rösten, mahlen, verpacken und verkaufen Ordensbrüder, welche „pro-life-Mönche“ genannt werden, ausgewählten Premium-Kaffee, der so gut ist, dass er zum „offiziellen Kaffee“ des jährlichen „March for Life“ in Washington geworden ist.

Bruder Bernard Marino trat vor 24 Jahren in das Benediktinerkloster „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“ ein. Er ist sowohl der Gästebruder des Klosters als auch der „Kaffee-Dekan“, der für Qualitätskontrollen zuständig ist.

40 Mönche in Silver City – sowie viele junge Postulanten und 100 Männer auf einer Warteliste für einen Besuch – folgen der Spiritualität des heiligen Benedikt, die von Arbeit und Gebet geprägt ist. Um ihr Kloster finanziell über Wasser zu halten, machen sie Kaffee – köstlichen Arabica-Kaffee, als ganze Bohnen oder frisch gemahlen.

„Da Unsere Liebe Frau von Guadalupe die Schutzpatronin der Ungeborenen ist“, erzählt Bruder Bernard LifeSiteNews, „sind wir geehrt, wenn unsere Kaffee-Kunden uns ‚pro-life-Mönche‘ nennen!“

Bruder Bernard erklärt, das Kloster bete inbrünstig dafür, dass die Welt die Heiligkeit des unschuldigen menschlichen Lebens respektiere. „In verborgenen Klöstern auf der ganzen Welt beten Ordensbrüder und -schwestern und opfern sich selbst auf zur Sühne für die Sünden der Abtreibung, die unaufhörlich zum Himmel nach Vergeltung rufen“, sagt er.

Zum Gebet der Brüder kommt das öffentliche Zeugnis.

„2009 habe ich meinen Oberen, Pater Cyprian, gefragt, ob er darüber nachdenken würde, einige unserer Brüder zum ‚March for Life‘ in Washington zu entsenden“, erinnert er sich. „Ich sagte, dass wir dabei helfen könnten, Messen für die vielen heldenhaften Pilger zu feiern, die jedes Jahr dem schlechten Wetter trotzen und angesichts der Grausamkeiten der Abtreibung Zeugnis geben.“

Die Erfahrung war so positiv für alle, dass Pater Cyprian entschied, jedes Jahr Brüder zum Marsch zu entsenden. Und natürlich konnten die Brüder nicht gehen, ohne ihren Kaffee mitzubringen. Sie sind unterdessen zum Kaffee-Lieferanten für alle offiziellen Veranstaltungen des „March for Life“ geworden, einschließlich des berühmten „Rose Dinner“.

[Link zum Original]

Uralte Karwochenliturgie (vor den pianischen Reformen) „ad experimentum“

Die Priesterbruderschaft St. Petrus in Los Angeles hat im Pfarrblatt des heutigen Sonntags angekündigt, dass man Ende März dieses Jahres die Karwochenliturgie nach dem uralten überlieferten Ritus feiern werde. Normalerweise müsste nach dem Messbuch von 1962, das gemäß Motuproprio „Summorum Pontificum“ als maßgeblich gilt, die Liturgie der Karwoche in der unter Papst Pius XII. reformierten Form von 1951 bzw. 1955 gefeiert werden, die in vielerlei Hinsicht als Vorläufer der nachkonziliaren Liturgiereform gesehen werden kann. Zahlreiche Neuerungen, die jahrhundertelangen liturgischen Traditionen zuwiderlaufen, wurden damals eingeführt.

Die Petrusbruderschaft schreibt in der kurzen Notiz: „Wir freuen uns, das Privileg zu haben, in diesem Jahr die uralte Karwoche zu feiern, wie sie vor 1951 gefeiert wurde, gemeinsam mit einer ausgewählten Handvoll anderer Apostolate der FSSP, die von Rom eine dreijährige Erlaubnis als Experiment bekommen haben. […] Dies ist eine sehr aufregende Möglichkeit, und sie beweist die Wichtigkeit des Apostolats von Los Angeles, da wir einer der wenigen ausgesuchten Orte für diese Erlaubnis sind!“

Es ist mir nicht bekannt, an welchen Orten dies noch der Fall sein wird. Was ist mit den deutschsprachigen Ländern? Wie wurden die Orte ausgewählt? Hat die Petrusbruderschaft in Rom um Erlaubnis gebeten, oder ist Rom an die Bruderschaft herangetreten? Sind andere Gemeinschaften, oder sogar einfache Pfarreien, von dieser Regelung betroffen? Wer genau hat die Erlaubnis gegeben? All dies sollte im Laufe der Fastenzeit bekannt werden. Jedenfalls handelt es sich um eine einzigartige Gelegenheit, die organisch entwickelte Liturgie auch in der Karwoche zu feiern, wie es viele Traditionalisten seit Jahrzehnten wünschten, aber zumindest im strengen Sinne des Gesetzes nicht durften.

Dom Guéranger zum zweiten Fastensonntag (3/3)

Zur Vesper.

[…]

Capitulum.

Brüder, wir bitten und ermahnen euch im Herrn Jesu, daß ihr so, wie ihr von uns unterrichtet worden seid, zu wandeln und Gott zu gefallen, auch wirklich wandelt, damit ihr immer vollkommener werdet.

[…]

Antiphon zum Magnificat.

Saget Niemanden dies Gesicht, bis der Sohn des Menschen von den Todten auferstanden sein wird.

Gebet.

Gott, Du siehest, wie kraftlos und ohnmächtig wir sind! Bewahre Du unser Inneres und Aeußeres, damit der Leib von allen Leiden frei und die Seele von allen bösen Gedanken rein werde. Durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Wir endigen den heutigen Tag mit dem schönen Gebete, welches wir in dem mozarabischen Brevier für diesen Sonntag finden.

Capitulum.

[…]

Christus, unser Gott, des Lichtes ewiger Ausgang, der Du gewollt hast, daß der siebente Tag vielmehr in der Heiligung, als in der Arbeit derer, die Dich bekennen, zugebracht werde; siehe, wir suchen dein Antlitz, aber die beständige Fisterniß unseres Gewissens hält uns zurück; wir versuchen, uns zu erheben, aber wir sinken in Traurigkeit zurück; darum verwerfe nicht die, welche Dich suchen, da Du Dich herabgelassen hast, denen zu erscheinen, die Dich nicht gesucht. Siehe, wir entrichten deinem heiligen Namen in der Wiederkehr dieser Zeit den Zehnten unserer Tage und haben jetzt den siebenten Tag dieses Zehnten vollendet; darum gib uns deinen Beistand auf dem Wege dieser mühseligen Reise, damit unser Dienst unentweiht Dir gewidmet sei; damit Du unsere Mühseligkeiten durch die Sehnsucht nach deiner Liebe erleichterst und unser träges Gemüth mit der Fülle eifriger Liebe zu Dir aufweckest; und auf daß mit deiner Hilfe unser Leben nicht von Sünden bedeckt sei, sondern unser Glaube seinen Lohn finde.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Fünfter Band: Die heilige Fastenzeit (Septuagesima); Mainz 1877; S. 218-220]

Frankreich, einst katholisch, wird zur „Nichte des Islam“

Marion Maréchal-Le Pen, die junge französische Dame mit dem berühmten Namen, hat sich mit einer fulminanten Rede auf der politischen Bühne zurückgemeldet. In einer kurzen Ansprache bei der bedeutenden tendenziell konservativen Veranstaltung CPAC (siehe unten) in den Vereinigten Staaten von Amerika erklärte Le Pen durchaus verständlich in englischer Sprache, aber doch mit deutlichem französischen Akzent, dass Frankreich seine katholische Identität verliere: „Nach 40 Jahren der Massenimmigration, der Islam-Lobby und der politischen Korrektheit ist Frankreich im Begriff, von der ältesten Tochter der katholischen Kirche zur kleinen Nichte des Islam zu werden.“ Terrorismus sei nur die Spitze des Eisbergs.

Die 28-jährige Enkelin des Gründers der Partei „Front National“, Jean-Marie Le Pen, sowie die Nichte der derzeitigen Parteivorsitzenden, Marine Le Pen, hatte sich 2017 aus dem politischen Leben zurückgezogen. Es war still geworden um den vielversprechenden neuen Stern am Himmel des „Front National“, der auch aus katholischer Sicht überaus interessant schien. Rund ein halbes Jahr war Le Pen nicht auf sozialen Netzwerken – Twitter, Instagram und Facebook – aktiv.

Am 22. Februar 2018 erwähnte sie im Rahmen ihrer Rede für CPAC auch das Naturrecht, das heuer – wenn überhaupt – fast nur noch von Katholiken befürwortet wird. Ohne Nation und ohne Familie verschwänden „die Grenzen des Gemeinwohls, des Naturrechts und der kollektiven Moral“, während die Herrschaft des Egoismus sich fortsetze.

„Heutzutage sind sogar Kinder zur Handelsware geworden. Wir hören in der öffentliche Debatte, dass wir ein Recht darauf haben, Kinder im Katalog zu bestellen, dass wir ein Recht haben, den Mutterleib einer Frau zu mieten, dass wir das Recht haben, ein Kind einer Mutter oder eines Vaters zu berauben. Nein, das haben wir nicht. Ein Kind ist kein Recht.“

Marion Maréchal-Le Pen wandte sich auch gegen diverse andere Manifestationen des Zeitgeistes. So sei die konservative Jugend heute bereit, für ihre Kinder gegen Eugenik und „das Delirium der Gendertheorie“ anzukämpfen. Es handle sich um eine Jugend, die ihre Eltern vor der Euthanasie schützen wolle.

Im Vorübergehen erwähnte Le Pen auch die Bewegung „La Manif Pour Tous“, die in Frankreich gegen die Einführung der „Ehe“ von Homosexuellen auf die Straßen ging und damit beispielsweise in Deutschland das Aktionsbündnis „Demo für Alle“ inspirierte. Ihre Rede schloss Le Pen mit einem Zitat des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“

Was ist nun das Problem mit CPAC? Wieso ist die Veranstaltung nur tendenziell konservativ? Auf der einen Seite werden homosexuelle Vereinigungen zugelassen und dürfen ihre Materialien auslegen, während anderseits bestimmte Gruppierungen, die gegen die Homosexualisierung der Gesellschaft ankämpfen, Schwierigkeit haben. In diesem Jahr musste die Organisation „MassResistance“ dies leidvoll erfahren. Wer des Englischen mächtig ist, kann auf der Internetseite der wichtigen Organisation mehr darüber lesen.

Dom Guéranger zum zweiten Fastensonntag (2/3)

Zur Messe.

Im Introitus will die Kirche unser Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes erwecken. Er will uns von unseren Feinden erlösen, wenn wir ihn recht von Herzen anrufen. Zwei Wohlthaten haben wir von ihm in der Fastenzeit zu erwarten: die Verzeihung für unsere Sünden und seinen Schutz, damit wir nicht wieder in dieselben fallen.

Introitus.

Gedenke, Herr, deiner Erbarmungen und deiner Gnaden, die von Anbeginne her sind. Laß fürder nicht unsere Feinde herrschen über uns; erlöse uns, Gott Israels, aus all’ unserer Drangsal.

Zu Dir, Herr, hab’ ich erhoben meine Seele; mein Gott, auf Dich vertraue ich, laß mich nicht zu Schanden werden. Ehre sei dem Vater. Gedenke.

In der Collecte flehen wir Gott an, uns Alles zu geben, dessen wir innerlich und äußerlich bedürftig sind. Gott wird uns das Eine und das Andere in hinreichendem Maße gewähren, vorausgesetzt, daß unser Gebet demüthig und aufrichtig ist; er wird über unsere leiblichen Bedürfnisse wachen, wie auch unsere Seelen gegen die Schlingen des bösen Feindes schützen, welcher, wenn er ncihts Anderes vermag, wenigstens in Gedanken uns zu verunreinigen suchen wird.

Collecte.

Gott! Du siehst, wie kraftlos und ohnmächtig wir sind! Behüte Du unser Inneres und Aeußeres, damit der Leib von allen Leiden frei und die Seele von allen bösen Gedanken rein werde. Durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Die zweite und dritte Collecte wolle man […] beim ersten Fastensonntag […] ersehen.

Epistel.

Lesung des ersten Briefes des seligen Apostels Paulus an die Thessalonicher Cap. 4.

Brüder! Wir bitten und ermahnen euch im Herrn Jesu, daß ihr so, wie ihr von uns unterrichtet worden seid, zu wandeln und Gott zu gefallen, auch wirklich wandelt, damit ihr immer vollkommener werdet. Denn ihr wisset, welche Vorschriften ich euch gegeben habe im Auftrage des Herrn Jesu. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr heilig lebet, daß ihr euch enthaltet von der Unzucht, daß ein Jeder von euch seinen Körper heilig und bei Ehren zu erhalten wisse, nicht in leidenschaftlicher Lust wie auch die Heiden, die Gott nicht kennen; daß Keiner übervortheile und seinen Bruder im Geschäfte nicht überliste; denn der Herr ist Rächer von allem diesem, wie wir euch schon mündlich gesagt und bezeugt haben. Denn nicht hat uns Gott berufen zur Unlauterkeit, sondern zur Heiligung in Christo Jesu unserem Herrn.

In dieser Epistelstelle besteht der Apostel auf der Heiligkeit der Sitten, welche das ganze christliche Leben durchleuchten soll. Die Kirche, welche uns heute diese Worte vorstellt, gibt damit den Gläubigen einen Wink, daß sie aus der gegenwärtigen Zeit Nutzen ziehen; sie sollen das Gottesbild, welches die Taufgnade in ihnen hervorgebracht, in seiner vollen Reinheit wieder herstellen. Der Christ ist gleichsam ein Ehrengefäß, welches die Hand Gottes bereitet und verschönert hat. Er muß sich also vor jedem Schmutze, vor jedem Makel, der dies Gefäß verunreinigen oder entstellen würde, hüten. Denn er würde sonst verdienen, zerbrochen und mit anderem Unrath zum Dünger geworfen zu werden. Darin besteht eben der Ruhm des Christenthums, den Menschen so hoch erhoben zu haben, daß sein Leib der Heiligkeit der Seele theilhaftig wird; aber es lehrt uns auf der anderen Seite auch, daß die Heiligkeit der Seele durch den Schmutz des Leibes getrübt und befleckt wird. Wir müssen also unseren ganzen Menschen in dieser vierzigtägigen Gnadenzeit zu erheben trachten. Reinigen wir daher unsere Seelen durch das Bekenntniß unserer Sünden, durch die Zerknirschung des Herzens und die Liebe Gottes, des Barmherzigen; die Reinigkeit unseres Leibes stellen wir dadurch her, daß wir ihn das Joch der Sühne tragen lassen, so daß er inskünftige der Knecht und das folgsame Werkzeug der Seele sei, bis zu dem Tage, wo die letztere im Besitze eines Glückes ohne Ende und ohne Grenze mit der Ueberfülle ihrer Wonne auch den Leib verklären wird.

Im Graduale schreit der Mensch beim Anblick der ihm drohenden Gefahren zu dem Herrn, der allein ihn retten und ihm den Sieg über den inneren Feind geben kann; nur zu oft fällt der Mensch dessen Angriffen zur Beute.

Im Traktus ist das Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit ausgedrückt; zugleich liegt darin eine Bitte der Kirche zu Gunsten des ungläubigen Volkes an ihren Bräutigam, er möge dasselbe heimsuchen und bei dem bevorstehenden großen Feste erlösen. Dies Fest ist allerdings noch entfernt; aber dennoch nähern wir uns ihm von Tag zu Tag.

Graduale.

Die Trübsale meines Herzens sind vielfältig geworden; aus meinen Nöthen errette mich, o Herr!

Siehe an meine Demüthigung und meine Beschwerden und vergib alle meine Sünden.

Traktus.

Lobet den Herrn, denn er ist gut; denn in Ewigkeit währet seine Barmherzigkeit.

Wer kann aussprechen die Großthaten des Herrn, verkünden all’ sein Lob?

Glückselig sind, die in Acht haben das Gericht und Recht thun zu aller Zeit.

Gedenke unser, o Herr, im Wohlgefallen an deinem Volke; such’ uns heim mit deinem Heile.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Matthäus Cap. 17.

Zu jener Zeit nahm Jesus den Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie beiseits auf einen hohen Berg. Da ward er vor ihnen verklärt: und sein Angesicht glänzte wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie der Schnee. Und siehe, es erschien ihnen Moses und Elias: die redeten mit ihm. Petrus aber nahm das Wort und sprach zu Jesu: Herr, hier ist gut sein für uns! Willst Du, so wollen wir hier drei Hütten machen, Dir eine, dem Moses eine und dem Elias eine. Als er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich mein Wohlgefallen habe: diesen sollt ihr hören. Da die Jünger dieses hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat hinzu, berührte sie und sprach zu ihnen: Stehet auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie Niemand, als Jesum allein. Und da sie von dem Berge herabstiegen, befahl ihnen Jesus und sprach: Saget Niemanden dies Gesicht, bis der Sohn des Menschen von den Todten auferstanden sein wird.

So kam also der Heiland seinen Aposteln unmittelbar am Tage vor der Prüfung zu Hilfe, und suchte sein glorreiches Bild tief in das Auge ihres Geistes für den Tag zu prägen, da ihr leibliches Auge nichts an ihm erblicken würde, als Schwachheit und Schmach. O Vorsehung der göttlichen Gnade, welche dem Menschen nie mangelt und stets die Güte und Gerechtigkeit Gottes rechtfertigt! Wie die Apostel, haben auch wir gesündigt; wie sie, haben wir die Hilfe vernachlässigt, die uns vom Himmel geschickt worden ist; wir haben freiwillig die Augen vor dem Lichte verschlossen, wir haben seinen Glanz, der uns anfangs zur Begeisterung hinriß, vergessen; und so sind wir gefallen. Wir sind nicht über unsere Kräfte versucht worden [1. Corinth. 10, 13], und unsere Sünden werden daher mit Recht uns angerechnet. Die drei Apostel waren an dem Tage, da ihr Meister seine ganze Größe verloren zu haben schien, einer überaus heftigen Versuchung ausgesetzt; allein sie brauchten sich auch nur jenes herrliche Ereigniß, dessen Zeuge sie kürzlich gewesen, vor’s Auge zu halten, so würde ihnen diese Vorstellung die nöthige Kraft gegeben haben. Doch weit entfernt davon, lassen sie sich niederschlagen; sie denken nicht einmal daran, neue Kraft im Gebete zu sammeln und die glücklichen Zeugen auf dem Berge Tabor benehmen sich am Oelberge feig und treulos. Es blieb ihnen nichts Anderes mehr übrig, als die Gnade ihres Herrn anzurufen, nachdem er über seine verächtlichen Feinde den Sieg davongetragen, und sein großes Herz gewährte ihnen die erbetene Verzeihung.

Nun sind wir es, die seine grenzenlose Barmherzigkeit anflehen. Wir haben die göttliche Gnade mißbraucht; wir haben sie durch unsere Treulosigkeit fruchtbar gemacht; aber die Quelle dieser Gnade, welche aus dem Blute, dem Tode des Erlösers hervorsprudelt, ist für uns, so lange wir noch in dieser Welt leben, nicht versiegt; bereiten wir uns also, aus ihr von Neuem zu schöpfen. Sie ist schon da; sie ist es ja, welche uns zur Besserung unseres Lebens antreibt. Sie strömt während dieser heiligen Zeit in und durch die Uebungen derselben in überreichlichem Maße auf uns herab. Steigen wir auf den Berg zu Jesus; bis auf diese Höhen dringt nicht der Lärm der Erde; dort bei Elias und Moses wollen wir für vierzig Tage unser Zelt aufschlagen, bei ihnen, welche wie wir und vor uns diese Zahl durch ihr Fasten geheiligt haben. Wenn dann der Menschensohn von den Todten auferstanden sein wird, dann werden auch die Gnaden kund werden, welche er uns auf dem Tabor gewährt hat.

Im Offertorium ermahnt uns die Kirche, die göttlichen Vorschriften zu betrachten. Möchten wir sie doch lieben, wie sie der königliche Prophet geliebt hat, dessen Worte wir hier wiederholen.

Offertorium.

Ich will betrachten in deinen Geboten, die ich liebe, und aufheben meine Hände zu deinen Geboten, die ich liebe.

Schöpfen wir dadurch, daß wir dem heiligen Meßopfer beiwohnen, jene Hingebung, welchem dasselbe entspringt. Die Kirche erfleht es für uns im Stillgebet. Diese Hostie, welche sich alsbald zum Opfer darbietet, ist gleichzeitig das Unterpfand und das Lösegeld unseres Heils; durch sie werden unsere wohlvorbereiteten Herzen Alles empfangen, dessen sie noch zu ihrer Versöhnung mit dem Herrn bedürfen.

Stillgebet.

Schaue, o Herr, wir bitten Dich, gnädig auf das gegenwärtige Opfer, damit es uns zur Vermehrung der Andacht und zum Heil gereiche. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Das zweite und dritte Stillgebet wolle man […] am ersten Fastensonntag […] ersehen.

Angesichts ihres Heilandes und Richters, welcher in diesem unaussprechlichen Geheimnisse zugegen ist, ruft die reuige Seele zu ihm voll Gluth und Vertrauen. Dies ist der Sinn des Wortes des Psalmisten, welche die Antiphon der Communion bilden.

Communion.

Merke auf mein Geschrei, hab’ Acht auf die Stimme meines Gebetes, mein König und mein Gott; denn zu Dir will ich beten, o Herr.

In der Postcommunio empfiehlt die Kirche diejenigen ihrer Kinder, welche an dem eben dargebrachten Opfer Theil genommen, ganz besonders die Gnade Gottes. Jesus hat sie mit seinem eigenen Fleische genährt; es ist daher billig, daß sie ihn durch Erneuerung ihres Lebens ehren.

Postcommunio.

Wir bitten Dich demüthig, allmächtiger Gott, verleihe uns, daß wir, welche Du mit deinen Sakramenten stärkest, Dir auch mit wohlgefälligen Sitten dienen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Die zweite und dritte Postcommunio wie […] am ersten Fastensonntag […].

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Fünfter Band: Die heilige Fastenzeit (Septuagesima); Mainz 1877; S. 210-218]

Dom Guéranger zum zweiten Fastensonntag (1/3)

Der zweite Fastensonntag.

Heute unterbreitet die heilige Kirche unserer Betrachtung einen für die gegenwärtige Zeit höchst wichtigen Gegenstand. Die Lehre, welche der Heiland eines Tages dreien seiner Apostel gegeben, gibt sie heute an diesem zweiten Fastensonntage uns selbst. Bestreben wir uns, dieselbe besser zu beherzigen, als dies im Anfange die drei Jünger unseres Evangeliums thaten.

Jesus schickte sich an, aus Galiläa nach Judäa zu gehen. Er wollte zur bevorstehenden Osterfeier in Jerusalem sein; er mußte sich dort befinden; denn es war die letzte Ostern, welche mit der Opferung des vorbildlichen Lammes beginnen und mit dem Opfer des Gotteslammes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt, enden sollte. Jesus durfte daher nicht länger seinen Jüngern unbekannt bleiben; allerdings waren schon manche Dinge vorhergegangen, welche sie ahnen lassen konnten, daß Christus mehr als ein Mensch, mehr selbst als der größte Prophet sei. Seine Werke hatten selbst in den Augen der Fremden Zeugniß von ihm abgelegt, seine Worte trugen das Gepräge einer höheren Autorität und dabei war seine Güte so hinreißend, seine Geduld mit der menschlichen Unbeholfenheit so ausdauernd, daß die Männer, welche er sich auserwählt, sich mit unzertrennlichen Banden an ihn gefesselt fühlten. Ihre Treue, ihre Hingebung mußte wohl dauern bis an den Tod. Endlich hatten sie gehört, wie Petrus, einer der Ihrigen, auf göttlichen Antrieb zu seinem Herrn und Meister gesagt hatte: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes [Matth. 16, 16]. Für den gewöhnlichen Verlauf des Lebens wäre dies genug und selbst übergenug gewesen; allein es sollte hier kein gewöhnlicher Verlauf eintreten, Christus sollte nicht ruhig weiter lehren und nach dem natürlichen Ablaufe der Zeit sterben; was eintrat, war für die doch immer mit menschlicher Schwachheit behafteten Männer eine so furchtbare Prüfung, daß Jesus es für gut fand, ehe er sie derselben unterzog, sie durch eine besondere göttliche Hilfe gegen die Versuchung zu stählen.

Leider war es nicht blos die Synagoge, welcher das Kreuz zum Gegenstand des Aergernisses werden konnte [1. Cor. 1, 23]; beim letzten Abendmahle sagte Jesus seinen sämmtlichen um ihn versammelten Aposteln: „In dieser Nacht werdet ihr Alle euch an mir ärgern [Matth. 26, 31].“ Und in der That, welch’ harte Prüfung war es für Menschen von Fleisch und Blut, daß sie sehen mußten, wie er von Soldatenfäusten, mit Ketten beladen, von einem Tribunal zum anderen geschleppt wurde, ohne daß er auch nur Miene machte, sich zu vertheidigen; sie mußten sehen, wie die Verschwörung der Hohenpriester und Pharisäer, welche Jesus so oft durch die Weisheit seiner Worte und den Glanz seiner Wunder beschämt hatte, von Erfolg begleitet war; sie mußten sehen, daß das Volk, welches eben noch Hosannah rief, in leidenschaftlicher Wuth seinen Tod verlangte. Und nachdem sie dies Alles mit ihren eigenen Augen geschaut, sollten sie ihn am Kreuze sterben sehen, festgenagelt am Holze der Schmach zwischen zwei Räubern, ein Siegeszeichen für den Haß seiner Feinde!

Und doch sollten diese Männer, die jetzt seit drei Jahren seinen Schritten folgten, nicht muthlos werden bei dem Anblicke all’ dieser Demüthigungen und Leiden? Sie sollten sich alles dessen erinnern, was sie gesehen und gehört? Ihre Seelen sollten nicht in Schrecken und Zagen erstarren, wenn sie dies Alles in Erfüllung gehen sahen, obwohl Jesus es ihnen vorhergesagt? Das wäre ihnen zu viel zugemuthet und darum thut Jesus an dreien von ihnen, die ihm am theuersten sind, noch ein Weiteres: Petrus, auf welchen er seine künftige Kirche bauen will und welchem er die Schlüssel des Himmelreiches verheißen hat; Jakobus, der Sohn des Donners, welcher unter den Aposteln zuerst sein Blut hingeben wird, und Johannes, sein Bruder, der Liebesjünger; diese drei werden von ihm auserwählt; er führt sie abseits, um ihnen auf einige Augenblicke nur den Glanz der Herrlichkeit zu zeigen, den er den Augen der Sterblichen bis zum Tage der Offenbarung verschleiert.

Er läßt demzufolge die übrigen Jünger in der Ebene bei Nazareth; er selbst mit seinen drei bevorzugten Jüngern steigt auf einen hohen Berg, den Tabor, eine Höhe der Libanonkette, von welcher der Psalmist singt: daß sie im Namen des Herrn jubeln sollte [Psalm 88, 13]. Kaum ist Jesus auf dem Gipfel dieses Berges, als plötzlich vor den Augen der drei erstaunten Apostel sein gewöhnliches Aussehen sich vollständig umwandelte. Sein Gesicht strahlte wie die Sonne, seine so bescheidenen Kleidungsstücke glänzen wie blendender Schnee. Die Apostel sehen zwei Personen, deren Anwesenheit ihnen vollständig unerwartet kam, die sich mit ihrem Herrn und Meister über die bevorstehenden Leiden Jerusalems besprechen. Es ist Moses, der Gesetzgeber, mit dem strahlenumglänzten Haupte, und Elias, der auf einem feurigen Wagen zum Himmel fuhr, ohne den Tod gesehen zu haben. Und diese beiden großen Träger der mosaischen Religion, das Gesetz und die Propheten, huldigen, demüthig sich neigend, Jesus dem Nazarener. Aber nicht nur die Augen der drei Apostel sind von dem Glanze getroffen, der von ihrem Herrn ausstrahlt und ihn einhüllt, auch ihr Herz ist von einem Gefühle des Glückes ergriffen, das sie vollständig der Erde entrückt. Petrus will von dem Berge nicht mehr hinab. Mit Jesus, Moses und Elias will er hier oben wohnen bleiben. Und damit nichts diesem Schauspiele unendlicher Erhabenheit fehle, in welchem die Größe der Menschheit Jesu den Aposteln offenbar wurde, so erschallt die Stimme des himmlischen Vaters aus einer leuchtenden Wolke, die Tabors Gipfel bedeckt und sie hören Jehova verkünden, daß Jesus sein ewiger Sohn ist.

Der Augenblick der Herrlichkeit des Menschensohnes dauerte nur kurz. Sein Beruf, zu leiden und erniedrigt zu werden, rief ihn nach Jerusalem; er zog also den Glanz, der ihn umgab, wiederum in sich zurück, und als er seine Apostel, welche bei der Donnerstimme Gottes wie versteinert wurden, wieder zu sich selbst brachte, bemerkten sie weiter nichts mehr, als ihren Meister, wie er täglich mit ihnen verkehrte. Die leuchtende Wolke, aus welcher die Stimme Gottes drang, war verschwunden, mit ihr auch Moses und Elias; aber werden sich diese durch eine so hohe Gunst geehrten Männer wenigstens dessen erinnern, was sie gesehen und gehört? Wird die Gottheit Jesu ihrem Geiste nunmehr unauslöschlich eingeprägt sein? Werden sie nicht an seiner göttlichen Sendung verzweifeln, wenn die Stunde der Prüfung kommt? Werden sie sich nicht an seiner von ihm selbst gewollten Erniedrigung ärgern? Ueber all’ diese Dinge werden uns die Evangelien Auskunft geben.

Kurz darauf, nachdem er mit ihnen das letzte Abendmahl gehalten, führte Jesus seine Jünger abermals an einen Berg, an den östlich von Jerusalem gelegenen Oelberg. Wiederum läßt er die größere Zahl derselben zurück und mit sich nimmt er die Zeugen seiner Verherrlichung auf dem Tabor: Petrus, Jakobus und Johannes. Er ging mit ihnen tiefer in die Einsamkeit. „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod,“ sagte er ihnen, „bleibet hier und wachet mit mir [Matth. 26, 38];“ und er ging dann noch etwas weiter weg, um zu seinem Vater zu beten. Wir wissen, welch’ entsetzlicher Schmerz das Herz des Erlösers in diesem Augenblicke zusammenschnürte; als er wiederum zu seinen Jüngern zurückkehrte, hatte er eine furchtbare Todesangst ausgestanden, so zwar, daß ihm das Blut aus allen Poren gedrungen, seine Kleider durchnäßt und den Boden getränkt hatte. Und in diesem so furchtbaren Augenblick wachten denn da wenigstens seine Apostel mit ihm in glühendem Gebete? Nein, sie waren eingeschlafen; denn ihre Augen waren beschwert [Matth. 26, 43]. Wenige Minuten später und sie Alle suchten ihr Heil in feiger Flucht; und als noch etwas später Petrus beschämt zurückkehrte, um wenigstens zu sehen, was mit dem Heilande vorging, als man ihn da als Galiläer erkannte, da verschwor er, der Festeste von Allen, sich hoch und theuer, daß er von diesem Menschen nichts wisse.

Später allerdings bereuten die drei Apostel, die auch Zeugen der Auferstehung des Herrn waren, aufrichtig ihre damalige schmähliche Handlungsweise und sie erkannten die voraussehende Güte, mit welcher der Heiland sie gegen die Versuchung rüsten wollte, da er sie wenige Tage vor seinem Leiden einen Blick in seine Herrlichkeit thun ließ. Wir Christen sind in einer ungleich günstigeren Lage, als die Apostel; wir haben allerdings nicht die Verherrlichung auf Tabor mit unseren Augen gesehen; aber die Apostel haben sie uns berichtet; wir gehen dem Jahresgedächtnisse seines Todes entgegen, wir werden ihn von seinen Feinden erniedrigt und unter der Hand Gottes wie ausgetilgt sehen; aber dies Schauspiel kann uns nicht gleich den Aposteln wankend machen; denn was sie damals noch nicht wußten oder noch nicht begriffen, das wissen und begreifen wir, und für uns knüpft sich an den Gedanken des Todes am Kreuze unzertrennbar der Gedanke an die Auferstehung. Für jetzt aber sehen wir an Jesus, wie sich buchstäblich die Prophezeiungen erfüllten. Er ist nach David der Wurm, den man mit Füßen tritt; der Leute Spott und die Verachtung des Volkes [Psalm 21, 7]. Er ist nach Isaias der Aussätzige, der Mindeste der Menschen, der Mann der Schmerzen [Isaias 53, 4]. Da gedenken wir denn des Glanzes auf Tabor, der Huldigungen des Moses und Elias, der leuchtenden Wolke, der Stimme seines unsterblichen Vaters. Jemehr Jesus sich vor unseren Augen erniedrigt, um so mehr müssen wir ihn preisen; wir müssen einstimmen in die Chöre der Engel und den Ruf der vier Aeltesten, welche der heilige Johannes, einer der Zeugen auf Tabor, im Himmel gehört hat: „Würdig ist das Lamm, das getödtet worden ist, zu empfangen Macht und Gottheit und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob [Offenb. 5, 12]!“

Der zweite Fastensonntag heißt „Reminiscere,“ vom ersten Worte des Introitus der Messe; manchmal nennt man ihn auch den Sonntag der Verklärung, von dem Evangelium.

Die Station ist in Rom in der Kirche Sancta Maria in Domnica, auch Sancta Maria in Navicella genannt, auf dem Mons Cölius. Eine Ueberlieferung sagt uns, daß diese Kirche eine alte Diakonei sei, welcher ehedem der heilige Laurentius vorstand und worin dieser todesmuthige Martyrer die kirchlichen Almosen an die Armen vertheilt habe.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Fünfter Band: Die heilige Fastenzeit (Septuagesima); Mainz 1877; S. 204-210]

Katechismus: Lektion 1 (3/3)

Überlege: 1. Wer hat uns empfangen, als wir zur Taufe gebracht wurden? 2. Welche Schätze sind uns durch die Taufe aufgetan worden? 3. Was haben die Paten bei der Taufe an unserer Stelle getan?

1. Wozu sind wir auf Erden?

Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und einst ewig bei ihm zu leben.

Für mein Leben: Ich will Gott stets dafür dankbar sein, daß ich ein Christ bin. – Ich will mich oft fragen: „Was will Gott von mir?“

Wort Gottes: „Ihr seid hinzugetreten zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem; zu den zahllosen Engelscharen; zur festlichen Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind; zu Gott, dem Richter aller; zu den Seelen der vollendeten Gerechten und zu Jesus, dem Mittler des Neuen Bundes“ (Hebr. 12, 22-24). – „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens und ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen bist“ (1 Tim. 6, 12). – „Es steht geschrieben: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen“ (Matth. 4, 10).

Aus der Lehre der Heiligen: „Der Mensch ist geschaffen, um Gott, seinen Herrn, zu loben, ihn zu ehren und ihm zu dienen und dadurch seine Seele zu retten“ (Ignatius von Loyola).

Aufgaben: 1. Bei welchen Gelegenheiten wird das Taufgelübde erneuert? 2. Mit welchen Worten kannst du Gott für das Geschenk des Glaubens danken?

Kein Reichtum ist herrlicher, keine Ehren, keine Güter dieser Welt sind größer als der katholische Glaube. (Augustinus)

[Quelle: Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands. Ausgabe für das Bistum Aachen; Mönchengladbach 1955; S. 6]

Katechismus: Lektion 1 (2/3)

Als wir zur Taufe gebracht wurden, empfing uns der Priester im Namen der Kirche Gottes. Durch den Priester hieß uns willkommen die ganze Gemeinschaft der Gläubigen, die unzählbare Schar der Heiligen sowie Jesus Christus, unser Erlöser und Herr, der uns durch den Heiligen Geist zum Vater heimführen will.

Durch die Taufe wurden uns die reichen Schätze der Kirche Gottes aufgetan: der Glaube, den Christus uns gebracht hat; die Sakramente, durch die er uns göttliches Leben spendet; die Gebote und sein heiliges Beispiel, durch die er uns den Weg zum Himmel zeigt.

Bei der Taufe haben wir durch unsere Paten den Glauben bekannt, dem Teufel und der Sünde widersagt und versprochen, als Kinder Gottes zu leben.

Nun sollen wir als Kinder Gottes unsere Aufgabe auf Erden erfüllen: Gott erkennen und immer besser kennenlernen, ihn aus ganzem Herzen lieben, ihn anbeten und ihm mit allen Kräften dienen.

Wenn wir auf Erden Kinder Gottes sind und seinen Willen erfüllen, werden wir einst ewig bei ihm leben.

[Quelle: Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands. Ausgabe für das Bistum Aachen; Mönchengladbach 1955; S. 5]