Dom Guéranger zum Aschermittwoch (2/2)

Zur Messe.

Die christliche Seele hat durch den Akt der Demüthigung, den sie so eben vollzogen, ihre Ruhe wieder gewonnen. Sie vertraut wieder fest der Barmherzigkeit Gottes und wagt sogar ihn an die Liebe zu erinnern, die er für den Menschen, sein Geschöpf, hegt, und an die Langmuth, womit er selbst deren Rückkehr zu ihm erwarten wollte. Dies der Gegenstand des Introitus, dessen Worte dem Buche der Weisheit entnommen sind.

Introitus.

Du erbarmest Dich Aller, o Herr, und hassest nichts, was Du gemacht hast; Du bist nachsichtig gegen die Sünden der Menschen um ihrer Buße willen, und schonest ihrer; denn Du bist der Herr, unser Gott.

Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner, denn auf Dich vertraut meine Seele. Ehre sei dem Vater. Du erbarmst Dich.

In der Collecte erfleht die Kirche für ihre Kinder die Gnade, daß sie sich der heilsamen Uebung des Fastens mit vollem Eifer hingeben mögen und in derselben zum Wohl ihrer Seelen beharren.

Collecte.

O Herr, stärke deine Gläubigen, daß sie die heilige Fastenzeit mit gebührender Andacht beginnen, und zu ihrem Heile vollenden mögen, durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Zweite Collecte.

Beschütze uns, wir bitten Dich, o Herr, vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, und schenke uns auf die Fürbitte der seligen und glorreichen, allzeit jungfräulichen Gottesgebärerin Maria, des heiligen Joseph, der heiligen Apostel Petrus und Paulus, des heiligen N. (Schutzpatron der Kirche) und aller Heiligen gnädig Heil und Frieden, auf daß deine Kirche nach Ueberwindung aller Hemmnisse und Irrthümer in ungestörter Freiheit Dir zu dienen vermöge.

Dritte Collecte.

Allmächtiger ewiger Gott, der Du über Lebendige wie über Abgestorbene herrschest und Dich Aller erbarmest, von denen Du vorher weißt, daß sie durch Glauben und Werke die Deinigen sein werden; wir bitten Dich demüthig, daß Alle, für welche wir uns zu beten vorgenommen haben und die entweder das gegenwärtige Leben, da sie noch im Fleische wandeln, zurück behält, oder das zukünftige Leben von des Leibes Hülle befreit aufgenommen hat, auf die Fürbitte aller deiner Heiligen, kraft der Milde deiner Vaterliebe, Nachlaß aller ihrer Sünden erlangen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Lection.

Lesung des Propheten Joel Cap. 2.

So spricht der Herr: Bekehret euch zu mir von euerem ganzen Herzen mit Fasten und Weinen und Klagen. Zerreißet euere Herzen und nicht nur euere Kleider, und bekehret euch zu dem Herrn euerem Gott; denn er ist gütig und von großer Erbarmung, und ist noch gnädiger, als groß ist die Bosheit. Vielleicht kehrt er um und verzeiht, und läßt so viel Segen zurück, daß ihr dem Herrn euerem Gott Speis- und Trankopfer darbringen könnet. Stoßet in die Posaune zu Sion, weihet ein Fasten, rufet zur Versammlung! Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde, bringt zusammen die Greise, versammelt die Kinder und Säuglinge! Der Bräutigam gehe aus seiner Kammer, die Braut aus ihrem Gemach! Zwischen Vorhalle und Altar sollen weinen die Priester, des Herrn Diener, und sagen: Schone, Herr, schone deines Volkes, und gib dein Eigenthum nicht der Schmach hin, so daß die Völker darüber herrschen würden. Warum soll man sagen unter den Völkern: Wo ist ihr Gott? Ja, es eifert der Herr für sein Land und schonet seines Volkes. Es antwortet der Herr und spricht zu seinem Volke: Siehe, ich will euch Korn und Wein und Oel senden, damit ihr euch davon sättiget, und will euch dem Gespötte der Heiden nicht mehr preisgeben. Dieses spricht der Herr, der Allmächtige.

Diese herrliche Stelle des Propheten zeigt uns, welche Wichtigkeit der Herr auf die Sühnung durch das Fasten legt. Wenn der über seine Sünden zerknirschte Mensch sein Fleisch züchtigt, dann läßt auch Gott sich erweichen. Dies hat schon das Beispiel Ninives bewiesen. Und wenn der Herr selbst einer ungläubigen Stadt verzieh, blos deßhalb, weil sie im Bußgewande sein Erbarmen anflehte, um wie viel mehr wird er nicht seinem Volke günstig sein, welches mit der leiblichen Buße auch das Opfer des Herzens verbindet? Wandeln wir also muthig auf dem Wege der Buße. Freilich wird unsere Zeit im Glauben und in der Furch Gottes schwach; und so scheint es, als wollten Einrichtungen, die so alt sind, als das Christenthum, ja die selbst zu den Grundlagen des Christenthums gehören, in Verfall kommen. Hüten wir uns, dieser Verweichlichung der Zeit irgend welche Rechnung zu tragen! Schon können wir eine furchtbare Folge dieser Verweichlichung in dem täglich mehr um sich greifenden Verfalle christlicher Sitten im Allgemeinen erkennen. Halten wir uns nur an die Frage, wie wir mit der göttlichen Gerechtigkeit stehen. Sie wird uns unsere Sünden und Sündenstrafen nur in dem Maße nachlassen, als wir in uns den Drang fühlen, ihr die Genugthuung zu leisten, auf welche sie ein Recht hat. Wir haben es eben gehört, unser Leib, dem wir schmeicheln, ist weiter nichts, als Staub und Asche, und nur zu häufig opfern wir ihm die Seele, die unvergänglich ist, der die ganze Ewigkeit angehört.

Im Graduale legt die Kirche das Gefühl festen Vertrauens auf den allgütigen Gott nieder; sie hofft, daß ihre Kinder die Mittel anwenden, welche sie ihnen zur Erlangung der göttlichen Hilfe gibt.

Der Traktus ist das schöne Gebet Davids, das die Kirche die ganze Fastenzeit hindurch dreimal wöchentlich betet, um in den Zeiten der Widerwärtigkeiten den göttlichen Zorn zu entwaffnen.

Graduale.

Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner; denn auf Dich vertraut meine Seele.

Er sendet vom Himmel und errettet mich, übergibt der Schmach meine Unterdrücker.

Traktus.

Herr, nach unseren Sünden die wir begangen, vergilt uns nicht, noch nach unseren Missethaten.

Herr, gedenke nicht unserer alten Missethaten; laß eilends uns zuvorkommen deine Barmherzigkeit; denn wir sind überaus arm geworden.

Hilf uns, Gott unser Heiland und um der Ehre deines Namens willen erlöse uns, Herr; und sei gnädig unseren Sünden um deines Namens willen.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Matthäus Cap. 6.

In derselben Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr fastet, so sollet ihr nicht trauern, wie die Heuchler; denn sie entstellen ihre Angesichter, damit die Menschen sehen, daß sie fasten. Wahrlich, sag’ Ich euch, sie haben ihren Lohn schon empfangen. Du aber, wenn Du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit es die Menschen nicht merken, daß du fastest, sondern nur dein Vater es sieht, der im Verborgenen ist; und dein Vater, dem im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten. Ihr sollet euch auf Erden keine Schätze sammeln, wo sie der Rost und die Motten verzehren und wo sie die Diebe ausgraben und stehlen; sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie weder Rost und Motten verzehren, und wo sie Diebe nicht ausgraben, noch stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Der Herr will nicht, daß wir die Ankündigung dieses Sühnefastens wie eine trübselige, niederschlagende Nachricht aufnehmen. Der Christ begreift vielmehr, daß es viel gefährlicher ist, mit der göttlichen Gerechtigkeit in Zwietracht zu leben, und er sieht darum die Fastenzeit voll Freude herankommen. Er weiß, wenn er den Vorschriften der Kirche treu ist, so wird die Last, die ihn jetzt drückt, hinweggenommen. Er versöhnt sich mit der göttlichen Gerechtigkeit, er bietet ihr Genugthuung dar, und zwar eine Genugthuung, welche wahrhaftig in Folge der Nachsicht der Kirche nicht schwer zu leisten ist. Aber diese Genugthuung wird Gott in Gemeinschaft mit der des Erlösers angeboten, und diese Gemeinschaft erst befruchtet dieselbe. Dazu kommt noch Alles, was Glieder der streitenden Kirche Verdienstliches getahn. Das ist ein gemeinsames Gut, ein ganzer Gnadenschatz der Kirche, und das Alles bietet sie der göttlichen Gerechtigkeit als Sühne für uns dar. So werden denn unsere Seelen rein und der Theilnahme an den herrlichen Osterfreuden würdig. Seien wir also durchaus nicht darüber betrübt, daß wir fasten, sondern nur darüber, daß wir Sünden begangen, in Folge deren das Fasten nothwendig geworden. Der Heiland gibt uns des Ferneren noch einen Rath, den die Kirche im Laufe der heiligen vierzig Tage häufig erneuert. Wir sollten mit dem leiblichen Abbruche auch Almosen verbinden. Das heißt Schätze sammeln, aber für den Himmel. Wir brauchen Fürbitter; suchen wir dieselben in den Armen.

Im Offertorium besingt die Kirche unsere Erlösung. Sie freut sich, daß sie unsere Seele von ihren Wunden genesen sieht. Denn sie zählt fest auf unsere Beharrlichkeit.

Offertorium.

Ich will Dich erheben, o Herr, denn Du hast mich aufgenommen; Du hast meine Feinde sich nicht freuen lassen über mich. Herr, mein Gott, zu Dir hab’ ich gerufen und Du hast mich geheilet.

Stillgebet.

Wir bitten Dich, o Herr, mache uns gänzlich würdig zur Darbringung dieser Gaben, womit wir den Beginn des hochwürdigen heiligen Geheimnisses feiern. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Zweites Stillgebet.

Erhöre uns, o Gott, unser Heil, schütze uns durch die Kraft dieses Sakramentes vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, gewähre uns in diesem Leben deine Gnade und im künftigen deine Herrlichkeit.

Drittes Stillgebet.

O Gott, dem allein die Zahl der für die ewige Seligkeit Auserwählten bekannt ist, verleihe auf die Fürbitte aller deiner Heiligen, daß die Namen aller Jener, für welche wir zu beten gewagt, sowie die Namen aller Gläubigen im Buche der ewigen Seligkeit verzeichnet stehen, durch Jesus Christum, unseren Herrn. Amen.

Bei der Danksagung bedient sich die Kirche von heute an der Fastenpräfation.

Präfation.

Wahrhaftig würdig ist es und gerecht, billig und heilsam, daß immer und überall wir Dir danken, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott; der der Du durch leibliches Fasten Laster zähmest, das Gemüth aufrichtest, Tugend spendest und Lohn durchChristus, unseren Herrn; durch welchen deine Majestät loben die Engel, anbeten die Gewaltigen, die Mächtigen zittern, die Himmel und die Kräfte der Himmel und die seligen Seraphim mit einstimmiger Freude sie feiern: darob flehen wir, lasse mit ihnen auch unsere Stimme hinaufgelangen, die wir in demüthigem Bekenntnisse rufen:

Schließet euch dem Priester an, der sich selbst den seligen Geistern anschließt, um die göttliche Majestät zu ehren, und sprechet mit ihm:

Heilig, heilig, heilig der Herr Gott Sabaoth!

Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit!

Hosanna in der Höhe!

Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Hosanna in der Höhe!

In der Antiphon der Communion gibt uns die Kirche einen höchst beherzigenswerthen Rath. Während unseres langen Lebenslaufes bedürfen wir einer Stütze, die unseren Muth aufrecht erhält. Dazu leistet uns die Betrachtung über das Gesetz des Herrn und seine Geheimnisse ganz vorzügliche Dienste. Wenn wir näher in das Wort Gottes eindringen, das die Kirche uns täglich vorsetzt, dann wird in unseren Herzen Erleuchtung und Liebe wachsen, und wenn erst der Heiland aus dem Schatten des Grabes hervorgehen wird, dann leuchten wir im Widerscheine seines Glanzes.

Communion.

Wer im Gesetze betrachtet Tag und Nacht, der wird seine Frucht bringen zu seiner Zeit.

Postcommunio.

Laß uns, o Herr, die genossenen Sakramente zur Hilfe gereichen, daß unsere Fasten Dir angenehm und uns ein nützliches Heilmittel sind, durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Zweite Postcommunio.

Die Darbringung dieses göttlichen Sacramentes reinige und schütze uns, wir bitten Dich, o Herr, und auf die Fürbitte der allezeit jungfräulichen Gottesgebärerin Maria, des heiligen Joseph, deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus, des heiligen N. (folgt hier der Name des Kirchenpatrons) und aller Heiligen, gereiche sie uns zur Austilgung unserer Sünden und zur Erlösung von aller Widerwärtigkeit.

Dritte Postcommunio.

Wir bitten Dich, allmächtiger und barmherziger Gott, daß die heiligen Geheimnisse, die wir empfingen, uns reinigen; und auf die Fürbitte aller deiner Heiligen verleihe, daß dieses dein heiliges Sakrament nicht sei eine Anklage zur Strafe, sondern eine heilsame Fürbitte zur Vergebung, daß es sei eine Reinigung von Missethaten, eine Stärkung der Schwachen, ein Schutz gegen alle Gefahren der Welt, und daß es gereiche zur Nachlassung aller Sünden für Lebendige und Abgestorbene. Durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen.

An jedem Tage während der Fastenzeit, ausgenommen die Sonntage, spricht der Priester, ehe er die Versammlung der Gläubigen entläßt, über dieselbe ein besonderes Gebet, welches stets durch die feierliche Mahnung eingeleitet wird:

Neiget euere Häupter vor Gott.

Gebet.

Herr, sieh’ gnädig herab auf Jene, welche vor deiner Majestät sich niederbeugen, auf daß Jene durch himmlische Gnaden allezeit genährt werden, welche durch die göttliche Gabe deines Fleisches und Blutes erquickt worden sind. Durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Vierter Band: Die heilige Vorfastenzeit (Septuagesima); Mainz 1876; S. 230-240]

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