Katechismus: Lektion 1 (1/3)

EINLEITUNG

Es ist für uns ein großes Glück, daß wir Christen sind. Wir sind durch Gottes Gnade reich beschenkt und wissen, wozu wir auf Erden sind und welch herrliches Ziel auf uns wartet.

1. Vom Reichtum unsrer Berufung und von unsrer Aufgabe auf Erden

Vor der Taufe fragt der Priester den Täufling: „Was begehrst du von der Kirche Gottes?“ Der Täufling antwortet: „Den Glauben.“ Der Priester fragt: „Was gewährt dir der Glaube?“ Der Täufling antwortet: „Das ewige Leben.“ Der Priester ermahnt den Täufling: „Willst du also zum Leben eingehen, so halte die Gebote. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Gemüte und deinen Nächsten wie dich selbst.“

[Quelle: Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands. Ausgabe für das Bistum Aachen; Mönchengladbach 1955; S. 5]

Dom Guéranger zum ersten Fastensonntag (3/3)

Zur Vesper.

[…]

Capitulum.

Brüder! Wir ermahnen euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht fruchtlos empfanget. Denn er spricht: Zur gnadenreichen Zeit erhör’ ich dich und am Tage des Heiles helf’ ich dir.

Gott sei Dank.

[…]

Antiphon zum Magnificat.

Siehe, jetzt ist die gnadenreiche Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heiles! In diesen Tagen also lasset uns als Diener Gottes uns erweisen durch große Geduld im Fasten, in Nachtwachen mit ungeheuchelter Liebe.

Gebet.

Gott! der Du deine Kirche alljährlich mittelst der vierzigtägigen Fasten reinigen willst, verleihe deiner Gemeinde, daß sie Dasjenige, was sie durch leibliche Abtödtung von Dir zu erringen sucht, in guten Werken sichtbar werden lasse. Durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Es kann mehrfach vorkommen, daß im Laufe der Fastenzeit ein Fest dupplicis ordinis auf Montag fällt. In diesem Falle wird am Sonntage die zu diesem Feste gehörige erste Vesper gesungen und der eigentlichen Sonntagsvesper geschieht nur durch die Antiphon zum Magnificat und das obige Gebet Erwähnung.

[…]

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Fünfter Band: Die heilige Fastenzeit (Septuagesima); Mainz 1877; S. 152-153]

Dom Guéranger zum ersten Fastensonntag (2/3)

Zur Messe.

Die Station in Rom befindet sich in der Patriarchalbasilika des heiligen Johannes vom Lateran. Es war nicht mehr als billig, daß ein so feierlicher Tag in einer Kirche begangen werde, welche die Mutter und Lehrerin aller Kirchen nicht nur der heiligen Stadt, sondern der ganzen Welt ist. Dort wurden die öffentlichen Büßer wiederum am Gründonnerstage mit Gott versöhnt; dort im Baptisterium Constantins empfingen in der Osternacht die Katechumenen die heilige Taufe; keine andere Basilika war passender, um an diesem Tage alle Gläubigen in ihren Mauern versammelt zu sehen, als diese, worin so oftmals durch die Stimme der Leo’s und der Gregor’s das vierzigtägige Fasten verkündet wurde.

Der Introitus ist dem 90. Psalm entnommen, der überhaupt den Text zu allen Gesängen dieser Messe liefert. Wir haben bereits darüber gesprochen, wie die Kirche diesen schönen Canticus auf die Lage der Christen während der Fastenzeit anwendet. Alles athmet in demselben die Hoffnung, welche die christliche Seele auf die Hilfe des Herrn setzen muß, wenn sie einmal den Entschluß gefaßt hat, sich völlig dem Gebete und dem Kampfe gegen den Feind Gottes und ihrer selbst zu überlassen. Der Herr hat ihr die Verheißung gegeben, daß das Vertrauen, welches sie auf ihn setzt, kein eitles sein werde. Dies ist der Gedanke des Introitus.

Introitus.

Er ruft zu mit und ich erhöre ihn; ich reiße ihn heraus und mach ihn herrlich: will ihn mit langem Leben segnen.

Wer in des Höchsten Schutz geflohen, weilt unter dem Schirme Gottes im Himmel. Ehre sei dem Vater. Er ruft zu mir.

In der Collecte empfiehlt die Kirche alle ihre Kinder Gott und fleht ihn an, daß ihr Fasten nicht allein sie reinige, sondern ihnen auch jene mächtige Hilfe von oben erwirke, welche sie an guten Werken für ihr Heil fruchtbar machen wird.

Collecte.

Gott! der Du deine Kirche alljährlich, mittelst der vierzigtägigen Fasten, reinigen willst, verleihe deiner Gemeinde, daß sie Dasjenige, was sie durch leibliche Abtödtung von Dir zu erringen sucht, in guten Werken sichtbar werden lasse. Durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Die Kirche fügt dieser Collecte noch zwei andere Gebete für die allgemeinen Bedürfnisse des einzelnen Christen, wie der gesammten Christenheit bei.

Zweite Collecte.

Beschütze uns, wir bitten Dich, o Herr, vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, und schenke uns auf die Fürbitte der seligen und glorreichen, allzeit jungfräulichen Gottesgebärerin Maria, des heiligen Joseph, des heiligen N. (Schutzpatron der Kirche) und aller Heiligen gnädig Heil und Frieden, auf daß deine Kirche nach Ueberwindung aller Hemmnisse und Irrthümer in ungestörter Freiheit Dir zu dienen vermöge.

Dritte Collecte.

Allmächtiger ewiger Gott, der Du über Lebendige wie über Abgestorbene herrschest und Dich Aller erbarmest, von denen Du vorher weißt, daß sie durch Glauben und Werke die Deinigen sein werden; wir bitten Dich demüthig, daß Alle, für welche wir uns zu beten vorgenommen haben und die entweder das gegenwärtige Leben, da sie noch im Fleische wandeln, zurück behält, oder das zukünftige Leben, von des Leibes Hülle befreit, aufgenommen hat, auf die Fürbitte aller deiner Heiligen, kraft der Milde deiner Vaterliebe, Nachlaß aller ihrer Sünden erlangen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Epistel.

Lesung des zweiten Briefes des heiligen Apostels Paulus an die Corinther Cap. 6.

Brüder! wir ermahnen euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht fruchtlos empfangt. Denn er spricht: Zur gnadenreichen Zeit erhör’ ich dich, und am Tage des Heiles helf’ ich dir. Siehe! jetzt ist die gnadenreiche Zeit; siehe, jetzt ist der Tag des Heiles! Niemanden geben wir irgend einen Anstoß, damit unser Amt nicht gelästert werde, sondern in allen Dingen erweisen wir uns als Diener Gottes durch große Geduld in Trübsalen, in Nöthen, in Aengsten, bei Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen, in Nachtwachen, in Fasten durch Keuschheit, mit Weisheit, mit Langmuth, mit Freundlichkeit, mit der Gabe des Heiligen Geistes, mit ungeheuchelter Liebe, mit dem Worte der Wahrheit, mit der Wunderkraft Gottes, durch die Waffen eines gerechten Lebens zur Vertheidigung nach allen Seiten bei Ehre und Schmach, bei gutem Rufe und bösen Nachreden, als Verführer betrachtet und doch wahrhafte Apostel, als unbekannt und doch bekannt, wie sterbend, und siehe, wir leben, als gezüchtigt und doch nicht getödtet, wie betrübt, und doch immer freudig, wie arm, und doch Viele bereichernd, wie Nichts habend und doch Alles besitzend.

Diese Stelle aus dem Apostelbriefe zeigt uns das christliche Leben unter einem ganz anderen Bilde, wie wir es mit unseren verweichlichten Augen zu betrachten pflegen. Wir geben uns gerne einer Selbsttäuschung hin, indem wir solche Rathschläge für die ersten christlichen Zeiten ganz passend erachten. Damals, meinen wir, seien die Gläubigen unaufhörlich der Verfolgung und selbst dem Tode ausgesetzt gewesen und es hätte daher auch für sie eines ganz besonderen Grades der Selbstverläugnung und des Heldenmuthes bedurft; aber wenn man auch in Europa um seines Glaubens willen kaum mehr auf das Schaffot geschleppt wird – eine Zeit, welche übrigens durchaus noch nicht so lange vorüber ist, daß an deren Wiederkehr gar nicht zu denken wäre – so wäre es doch unter allen Umständen eine arge Täuschung, wenn man deßhalb annehmen wollte, es gäbe auch keine Kämpfe mehr. Es bleibt immer der Kampf gegen den Teufel, gegen die Welt, gegen das Fleisch und das Blut; und deßhalb schickt uns die Kirche in die Wüste zu Jesus Christus, damit wir dort zu kämpfen lernen. Bei Jesus Christus werden wir einsehen, daß das Menschenleben auf Erden ein Streit ist [Job 7, 1]; wenn wir daher nicht muthig und unaufhörlich kämpfen, wenn wir das Leben in behaglicher Ruhe verbringen wollen, dann wird es für uns mit einer schmählichen Niederlage enden. Um dies Unglück zu vermeiden, sagt uns heute die Kirche durch den Mund des Apostels: „Dies ist die gnadenreiche Zeit, dies ist der Tag des Heiles.“ Handeln wir in Allem „als Diener Gottes“ und halten wir fest bis an das Ende dieser heiligen Tage. Gott wacht ebenso über uns, wie er über seinen Sohn in der Wüste gewacht hat.

Das Graduale sichert uns den Schutz der heiligen Engel, der uns in der Einsamkeit bei Tage und bei Nacht nicht verlassen wird. Während der Fastenzeit verdoppeln sie ihre Anstrengungen gegen unsere Feinde und sie freuen sich, wenn sie sehen, daß der Sünder sich der rettenden Buße zukehrt.

Als Traktus wird der 90. Psalm gebetet, welchem auch, wie bereits bemerkt, die übrigen Psalmstellen der Messe entnommen sind. Unser Herz möge also ruhig sein; Alles redet uns von der Güte Gottes und der väterlichen Sorge für seine undankbaren Kinder, welche er zu seinen treuen Freunden und den Miterben seines himmlischen Reiches machen will.

Graduale.

Seinen Engeln hat er deinethalben befohlen, dich zu behüten auf allen deinen Wegen.

Auf den Händen werden sie dich tragen, daß dein Fuß nicht etwa an einem Stein sich stoße.

Traktus.

Wer in des Höchsten Schutz geflohen, weilt unter dem Schirme Gottes im Himmel.

Er wird zum Herrn sagen: Mein Helfer bist Du und meine Zuflucht; mein Gott, auf den ich hoffe.

Und er wird dich bewahren vor dem Fallstricke der Jäger, vor hartem Unfall.

Mit seinen Schultern wird er dich decken, unter seinen Flügeln wirst du sicher sein.

Mit einem Schilde umgibt dich seine Treue; du hast nicht zu zagen vor nächtlichem Schrecken.

Vor dem Pfeile, der am Tage fliegt, vor dem Dinge, das im Finstern schleicht, vor Angriff und dem bösen Geist am Mittag.

Fallen tausend dir zur Seite, zehntausend an deiner Rechten, zu dir wird’s nicht kommen.

Denn seinen Engeln hat er deinethalben befohlen, dich zu behüten auf allen deinen Wegen.

Auf den Händen werden sie dich tragen: daß dein Fuß nicht etwa an einen Stein sich stoße.

Ueber Nattern und Schlangen wirst du hingehen, und wirst zerteten Löw’ und Drache.

Weil er auf mich gehofft, so rette ihn: Ich bewahre ihn, weil er meinen Namen kennt.

Er ruft zu mir und ich erhöre ihn; bin bei ihm in der Trübsal.

Reiß’ ihn heraus und mache ihn herrlich, will ihn mit langem Leben segnen und ihm mein Herz zeigen.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Matthäus Cap. 4.

Zur selben Zeit ward Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, danach hungerte ihn. Und es trat der Versucher zu ihm und sprach: Bist Du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brod werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: nicht vom Brode allein lebt der Mensch, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt. Dann nahm ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist Du Gottes Sohn, so stürze Dich hinab; denn es steht geschrieben: er hat seinen Engeln deinetwegen befohlen und sie sollen Dich auf den Händen tragen, damit Du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stoßest. Jesus aber sprach zu ihm: Es steht wieder geschrieben: du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Abermal nahm ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Königreiche der Welt und ihre Herrlichkeit, und sprach zu ihm: Dies Alles will ich Dir geben, wenn Du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weiche, Satan! denn es steht geschrieben: den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. Alsdann verließ ihn der Teufel, und siehe, die Engel kamen hinzu und dienten ihm.

Bewundern wir die unaussprechliche Güte des Sohnes Gottes, der sich nicht damit begnügte, durch seinen Tod am Kreuze unsere Sünden zu sühnen, sondern der sich auch noch, um uns zur Buße zu ermuthigen, ein Fasten von vierzig Tagen und vierzig Nächten auferlegte. Er wollte nicht, daß die Gerechtigkeit seines Vaters uns ein Opfer auferlegen könne, welches er nicht in strengerer Form, als es je an uns herantritt, dargebracht hatte. Was sind in der That unsere Bußwerke, Angesichts welcher unsere Weichlichkeit die Gerechtigkeit Gottes anzuklagen wagt, wenn wir sie mit der Fastenstrenge vergleichen, welche der Heiland auf dem Berge beobachtete? Wollen wir noch fürder suchen, uns auch noch von der leichten Genugthuung zu befreien, womit Gott sich befriedigt erklären wollte und welche so weit hinter der Größe unserer Sünden zurückbleibt? Statt uns über eine leichte Unzuträglichkeit, über eine vorübergehende Anstrengung zu beklagen, sollten wir lieber blutige Thränen über die wirkliche Hungerqual weinen, welcher der unschuldige Erlöser um unserer Sünden willen während jener langen Tage und Nächte in der Wüste sich unterwarf.

Das Gebet, die Liebe zu uns, der Gedanke an die Gerechtigkeit seines Vaters halten ihn aufrecht, wenn er schwach wird. Aber am Ende dieser vierzig Tage ist auch die menschliche Natur an der äußersten Grenze angekommen. Da naht sich ihm die Versuchung, um ihn zu bestricken. Er überwindet dieselbe mit einer Ruhe und einer Festigkeit, welche uns zum Beispiel dienen soll. Welche Kühnheit Satans, daß er sich dem vorzugsweise Gerechten zu nahen wagt, und andererseits welche Geduld Jesu, daß er das Ungeheuer des Abgrundes Hand an sich legen läßt, daß er es gestattet, wenn Satan ihn durch die Lüfte von einem Ort zum anderen hinführt. Auch die christliche Seele ist häufig grausamen Anfällen des bösen Geistes ausgesetzt; ja sie fühlt sich manchmal versucht, Gott diese Angriffe zu klagen. Möge sie dann an Jesus denken, den Heiligen der Heiligen, der geradezu dem Geiste des Bösen wie eine Beute hingeworfen war. Er ist deßhalb nicht weniger der Sohn Gottes, der Ueberwinder der Hölle; und Satan konnte sich nichts bei ihm holen, als eine schmähliche Niederlage. So auch nicht minder die christliche Seele; ob sie auch als eine Beute dem Versucher erscheint, wenn sie der Versuchung widersteht, bleibt sie doch ein Gegenstand des Wohlgefallens für Gott und der ewigen Schmach und Züchtigung für den Teufel. Schließen wir uns den treuen Engeln an, welche nach der Flucht des Fürsten der Finsterniß herbeieilten und dem Erlöser Nahrung brachten, um seine erschöpften Kräfte zu stärken. Wie Vieles litten sie, als sie ihn leiden sahen; wie suchten sie durch ihre Anbetung die Schmach wieder gut zu machen, welche Satan dem höchsten Herrn der Schöpfung gegenüber verschuldete. Wie priesen sie bewundernd die Liebe Gottes, der aus Liebe zu den Menschen fast seine Würde vergaß, um einzig an das Unglück und die Noth der Kinder Adams zu denken!

Im Offertorium entlehnt die Kirche wiederum ihre Worte David, welcher uns den Herrn zeigt, wie er die gläubige Herede in seinen besonderen Schutz nimmt und sie gegen alle Angriffe des Feindes mit dem unüberwindlichen Schilde des Glaubens bewaffnet [Ephes. 6, 16].

Offertorium.

Mit seinen Schultern wird dich der Herr decken und unter seinen Flügeln wirst du sicher sein; mit einem Schilde umgibt dich seine Treue.

Das Fasten besteht nicht blos in dem Abbruch an Speise. Wir werden durch denselben keine Umwandlung in unserer Seele anbahnen können, wenn wir damit nicht eine andere Uebung verbinden; wir müssen zugleich auch alle gefährlichen Gelegenheiten fliehen; denn es könnte sonst in einem Augenblicke das Werk der göttlichen Gnade wieder vernichtet werden. Daß uns nun auch hierzu die göttliche Hilfe nicht fehle, dies ist der Gegenstand des Stillgebetes in der heutigen Messe.

Stillgebet.

Wir bringen Dir, o Herr, beim Beginne der Fastenzeit feierlich das Opfer dar und bitten Dich, daß wir bei der Einschränkung der Fleischspeisen uns auch von sündigen Lüsten enthalten. Durch Jesus Christum, unseren Herrn. Amen.

Zweites Stillgebet.

Erhöre uns, o Gott! unser Heil, schütze uns durch die Kraft dieses Sakramentes vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, gewähre uns in diesem Leben deine Gnade und im künftigen deine Herrlichkeit.

Drittes Stillgebet.

O Gott! dem allein die Zahl der für die ewige Seligkeit Auserwählten bekannt ist, verleihe auf die Fürbitte aller deiner Heiligen, daß die Namen aller Jener, für welche wir zu beten gewagt, sowie die Namen aller Gläubigen im Buche der ewigen Seligkeit verzeichnet stehen, durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Um das Vertrauen in unsere Seelen noch tiefer einzuprägen, wiederholt die Kirche in der Antiphon zur Communion die hoffnungsreichen Worte, deren sie sich bereits beim Offertorium bediente; das eben dargebrachte Opfer ist uns ein neues Unterpfand der göttlichen Güte.

Communion.

Mit seinen Schultern wird der Herr dich decken; unter seinen Flügeln wirst du sicher sein. Mit einem Schilde umgibt dich seine Treue.

In der Postcommunio lehrt uns die Kirche, die heilige Eucharistie als das große Mittel betrachten, wodurch wir unsere Kräfte stärken, indem wir unsere Seele von dem ihr anhaftenden Schmutze reinigen. Möge also der Sünder nicht zögern, seinen Frieden mit Gott zu schließen; möge er darum nicht das Osterfest abwarten, bis er das göttliche Manna zu sich nimmt, welches uns vor der Gerechtigkeit schützt, indem es den Urheber alles Heiles mit uns vereinigt.

Postcommunio.

Deines Opfers heiliger Genuß erneuere uns, o Herr; er reinige uns von der alten Sündhaftigkeit und lasse uns an dem Geheimnisse des Heiles Theil nehmen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Zweite Postcommunio.

Die Darbringung dieses göttlichen Sakramentes reinige und schütze uns, wir bitten Dich, o Herr, und auf die Fürbitte der allezeit jungfräulichen Gottesgebärerin Maria, des heiligen Joseph, deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus, des heiligen N. (folgt hier der Name des Kirchenpatrons) und aller Heiligen, gereiche sie uns zur Austilgung unserer Sünden und zur Erlösung von aller Widerwärtigkeit.

Dritte Postcommunio.

Wir bitten Dich, allmächtiger und barmherziger Gott, daß die heiligen Geheimnisse, die wir empfangen, uns reinigen; und auf die Fürbitte aller deiner Heiligen verleihe, daß dieses heilige Sakrament nicht sei eine Anklage zur Strafe, sondern eine heilsame Fürbitte zur Vergebung, daß es sei eine Reinigung Missethaten, eine Stärkung der Schwachen, ein Schutz gegen alle Gefahren der Welt und daß es gereiche zur Nachlassung aller Sünden für Lebendige und Abgestorbene. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Fünfter Band: Die heilige Fastenzeit; Mainz 1877; S. 140-152]

Dom Guéranger zum ersten Fastensonntag (1/3)

Der erste Fastensonntag.

Dieser Sonntag, der erste dieser heiligen vierzigtägigen Zeit, gilt als einer der wichtigsten Feiertage des Jahres. Gleich dem Passionssonntag und dem Palmsonntag, weicht er keinem anderen Feste; nicht einmal dem des Kirchenpatrons, des Titularheiligen der Kirche oder der Kirchweihe. In den alten Kalendern heißt er „Invocabit,“ nach dem ersten Worte des Introitus der Messe. Im Mittelalter nannte man ihn Feuersonntag, weil die jungen Leute, welche sich allzu sehr dem Carneval hingegeben hatten, an diesem Tage mit einer Fackel in der Hand in der Kirche erscheinen mußten, um für ihre Ausschreitungen öffentlich Genugthuung zu leisten.

Heute erscheinen denn auch die Fasten in ihrem vollen feierlichen Ernste. Bekanntlich wurden die vier vorhergehenden Tage seit dem heiligen Gregor beigesetzt, um so die vierzig Tage des Fastens voll zu machen und auf Aschermittwoch sind die Gläubigen nicht gehalten, die heilige Messe zu hören. Nun aber sieht die heilige Kirche ihre Kinder versammelt; sie richtet daher in der Matutin an dieselben das Wort und sie bedient sich hierzu der beredten und würdevollen Sprache des heiligen Leo des Großen.

„Da ich im Begriffe stehe, euch, Geliebteste!“ so heißt es dort, „das heiligste und größte Fasten zu verkündigen, mit welchem passenderen Eingang könnte ich beginnen, als mit dem Ausspruche des Apostels, aus welchem Christus redete, und daß ich euch wiederhole, was soeben vorgelesen worden: „Siehe! jetzt ist die gnadenreiche Zeit, siehe! jetzt ist der Tag des Heiles.“ Obgleich uns aber zu jeder Zeit die göttliche Gnade in reichlicher Fülle angeboten wird und uns stets der Zutritt zur Barmherzigkeit Gottes, vermöge seiner unendlichen Liebe zu uns gestattet ist, so müssen doch die Gemüther aller Christen mit größerem Eifer zu geistlichen Fortschritten aufgelegt und mit höherer Zuversicht erfüllt werden, wenn die Wiederkehr jenes Tages, an dem wir erlöst wurden, zu allen Uebungen der Gottseligkeit uns einladet, damit wir das über Alles herrliche Geheimniß des Leidens unseres Herrn mit unbeflecktem Herzen und reinem Leibe feiern können.

„Es gebührte zwar diesen erhabenen Ereignissen eine solche unaufhörliche Andacht und stets fortwährende Ehrfurcht, daß wir vor dem Angesichte Gottes immer so verharrten und erscheinen, wie es sich ziemt, daß wir am Osterfeste erfunden werden. Weil aber solche standhafte Ausharrung die Sache der Wenigsten ist und die strengere Beobachtung durch die Gebrechlichkeit des Fleisches nachläßt und geschwächt wird und durch die mannigfachen Geschäfte dieses Lebens der Eifer erkaltet, endlich auch fromme Herzen von dem Staube der Welt befleckt werden müssen: so wurde durch die göttliche Einsetzung die heilsame Vorkehrung getroffen, daß eine vierzigtägige Uebung an der Erneuerung der ersten Reinheit unserer Seelen arbeiten solle, auf daß die Schuld der übrigen Tage durch die guten Werke und das reinigende Fasten versöhnt würde.

„Geliebteste! da wir nun diese geheimnißvollen Tage antreten, welche die heilsame Absicht haben, unseren Leib und unsere Seele zu reinigen, so seien wir besorgt, den Vorschriften des Apostels nachzukommen, indem wir uns von allen Befleckungen des Geistes und Leibes reinigen, auf daß, nachdem wir den Streit, welcher sich zwischen diesen beiden Theilen unseres Wesens stets erhebt, beschwichtig haben, unser Geist, der ein nach Gottes Anordnung gebildeter Führer seines Körpers sein soll, die Würde seiner Oberherrschaft erlange und behaupte, und wir sohin „Niemand irgend einen Anstoß geben,“ und wir uns nicht dem Tadel der Verläumder aussetzen. Denn mit Recht müßten wir den Tadel der Ungläubigen entgegennehmen, und durch unsere Schuld müßten sich die Zungen der Gottlosen zur Herabwürdigung der Religion waffnen, wenn die Sitten der Fastenden mit der Lauterkeit der vollkommenen Enthaltsamkeit im Widerspruche ständen. Denn unser Fasten enthält nicht seinen einzigen Werth von der Entziehung der Nahrung, ja ohne heilsame Wirkung versagten wir unserem Leibe die Speise, wenn der Geist nicht von der Bosheit abgewöhnt würde.“

Jeder Fastensonntag bringt eine Lesung aus den heiligen Evangelien, worin die Kirche die sie an diesem Tage beseelenden Gefühle offenbart. Heute nun stellt sie unserer Betrachtung die Versuchung Jesu Christi in der Wüste vor. Und in der That, es kann nichts Geeigneteres geben, um uns gleich im Anfange der Fastenzeit über deren Bedeutung zu belehren und in deren Beobachtung uns zu stärken.

Wir bekennen, daß wir Sünder sind; wir wollen ja gerade die von uns begangenen Sünden sühnen; aber wie sind wir in die Sünde gefallen? Der Teufel hat uns eben versucht und wir haben die Versuchung nicht zurückgewiesen. Wir sind in die Schlingen des bösen Feindes gefallen und so haben wir Böses begangen. Das ist in zwei Worten unsere ganze Geschichte der Vergangenheit, und die Zukunft wird genau ebenso verlaufen, wenn wir nicht aus der Lehre, die uns heute der Erlöser gibt, Nutzen ziehen.

Es ist nicht ohne Grund, wenn der Apostel uns die unaussprechliche Barmherzigkeit des göttlichen Trösters der Menschen auseinander setzt, und er weist darauf hin, daß er in allen Stücken uns ähnlich sein wollte, ja daß er sogar wie wir versucht wurde [Hebr. 4, 15]. Er hat uns damit ein Zeichen seiner grenzenlosen Hingebung gegeben und es ist zugleich ein für uns höchst belehrendes Beispiel, das er uns gibt. Der Heiligste der Heiligen sträubt sich nicht dagegen, daß der elende Feind alles Guten ihm nahet, nur zu dem Zwecke, um uns zu lehren, wie man ihn überwindet.

Satan hatte voll Besorgniß die in Jesus glänzende unvergleichliche Heiligkeit bemerkt. Die Wunder, welche seine Geburt begleiteten, die Engel, welche die Hirten zu seiner Krippe riefen, die Weisen, welche ein Stern aus dem Morgenlande herbeiführte, der auffallende Schutz, welcher das Kind vor dem Mörderschwerte des Herodes bewahrte, das Zeugniß, welches Johannes der Täufer von dem neuen Propheten ablegte und noch manches Andere stand in einem auffallenden Gegensatze zu der Niedrigkeit und Dunkelheit der Geburt, welche in den ersten Jahren das nazarenische Kind zu bedecken schien. Das beunruhigte den Fürsten der Finsterniß; er wußte, daß die Zeit gekommen; aber das unaussprechliche Geheimniß der Menschwerdung war, ohne daß seine gottesschänderische Blicke dasselbe entweiht, eine Thatsache geworden; die Jungfräulichkeit Marias ist ihm ein Geheimniß und er weiß daher auch nicht, daß sie die von Isaias vorhergekündigte Jungfrau sei, welche den Emmanuel gebären sollte [Isaias 7, 14]; auf der anderen Seite aber weiß er, daß die letzte Woche Daniels begonnen hat; er weiß, daß selbst die heidnische Welt aus Judäa einen Erlöser erwartet. In seiner Verwirrung wagt er sich an Jesus heranzutreten. Er hoffte, seinem Munde wenigstens eine Aeußerung zu entlocken, aus welcher er einen Schluß ziehen könnte, ob Jener der Sohn Gottes ist oder nicht; er suchte ihn zum Mindesten auf einer Schwäche zu ertappen, die ihm sagen könnte, daß dieser Gegenstand des Schreckens aus nichts weiter sei, als ein sterblicher und sündiger Mensch.

Der Feind Gottes und der Menschen sollte in seiner Erwartung sich getäuscht finden; er nähert sich allerding dem Erlöser, aber die Antworten, die er von ihm erhält, können seine Verwirrung nur vermehren. Mit der Einfachheit und Majestät des Gerechten weist Jesus alle Angriffe Satans ab; aber er spricht kein Wort, aus welchem der böse Geist die himmlische Abkunft desselben vermuthen könnte. Der Engel des Abgrundes zieht sich zurück, ohne berechtigt zu sein, Jesus für etwas Anderes, als einen dem Herrn getreuen Propheten zu halten. Bald sieht er auch noch, wie er verachtet und geschmäht wird, er sieht die Verfolgung, welche ringsum das Haupt des Menschensohnes bedroht. Seine Anstrengungen, ihn zu verderben, scheinen von dem besten Erfolge zu sein und so verblendet er sich in seinem Hochmuthe immer mehr und mehr; erst wenn der Augenblick gekommen, da Jesus, überhäuft mit Schmach und Leiden, am Kreuze sein Leben verhauchen wird, erst dann wird er fühlen, daß das Opfer nicht ein Mensch, sondern ein Gott ist und daß alle Wuth, die er gegen den Gerechten heraufbeschworen, nur dazu gedient hat, die göttliche Barmherzigkeit, die den Menschen rettet, und die göttliche Gerechtigkeit, welche die Macht der Hölle zerschmettert, in das hellste Licht zu setzen.

Das war der Plan der Vorsehung, als sie es zuließ, daß der Geist des Bösen durch seine Gegenwart die stille Zurückgezogenheit des Gottmenschen beschmutzte, daß er an ihn das Wort richten und seine gottlosen Hände ihn berühren durften; betrachten wir darum alle Umstände dieser dreifachen Versuchung näher; denn Jesus hat dieselbe nur über sich ergehen lassen, um uns zu belehren und zu ermuthigen.

Wir haben dreierlei Feinde zu bekämpfen und unsere Seele ist auf drei Seiten verwundbar; darum sagt der Liebesjünger: „Alles, was in der Welt ist, das ist die Begierlichkeit des Fleisches, die Begierlichkeit der Augen und die Hoffart des Lebens. [1. Joh. 2, 16].“ Unter der Begierlichkeit des Fleisches muß man alle Art Sinnenlust verstehen, Alles, was dem Fleische schmeichelt und den Geist bestrickt. Die Begierlichkeit der Augen bedeutet die Liebe zu den Gütern dieser Welt, zu Reichthümern u. s. w., kurz zu Allem, was uns, wie man ja im Volke sehr charakteristisch es bezeichnet, in das Auge sticht, ehe es unser Herz verführt. Die Hoffart des Lebens endlich ist jenes Selbstvertrauen, welches uns eitel und aufgeblasen macht und vergessen läßt, daß Alles, was wir sind und haben, ein Geschenk Gottes ist.

Es gibt keine Sünde, welche nicht aus einer dieser drei Quellen entspränge; es gibt keine Versuchung, welche nicht auf die Befriedigung der Begierlichkeit des Fleisches oder der Begierlichkeit der Augen oder der Hoffart des Lebens hinausliefe. Der Heiland, der ja in allen Dingen unser Vorbild sein wollte, hat sich denn auch diesen dreierlei Prüfungen unterworfen.

Zuerst versucht ihn Satan mit dem Fleische; er legt ihm den Gedanken nahe, seine übernatürliche Gewalt dazu anzuwenden, daß er sich ohne Verzug die Qual des ihn belästigenden Hungers erleichtere. Sage, daß diese Steine Brod werden, so räth der Teufel dem Sohne Gottes und will dabei sehen, ob Jesus es wirklich so eilig hat, seinem leiblichen Bedürfnisse abzuhelfen; das würde ihm selbstverständlich einen schwachen und begehrlichen Menschen verrathen haben. Wenn der Teufel sich an uns, die wir traurige Erben der Begierlichkeit Adams sind, wendet, dann haben wohl soche verfänglichen Rathschläge vielfachen Erfolg. Es fällt dem Teufel häufig nicht schwer, die Seele durch den Leib zu beflecken; aber die höchste Heiligkeit des fleischgewordenen Wortes verlangte, daß Satan nicht über den Anfang des Versuches hinauskomme, wenn er Gott verlocken wollte, wie er die Menschen verlockt. Ohne daß sich daher Jesus auf irgend Etwas einläßt, weißt er ihn mit einer Lehre über die Mäßigkeit ab. Diese Lehre gilt eigentlich mehr uns, als dem Teufel; die Mäßigkeit ist die Grundlage der Reinigkeit und ein unmäßiger Mensch wird sehr bald dahin kommen, daß er seine empörten Sinne nicht mehr zu bändigen vermag.

Die zweite Versuchung war die der Hoffart. „Stürze dich hier hinab; denn die Engel werden dich auf ihren Händen tragen.“ Der böse Feind, der in Jesus immer nur einen Propheten erblickt, will sehen, ob die Gunst des Himmels in der Seele Jesu nicht eine Ueberhebung hervorgebracht; es ist dies bei den Menschen eine sehr leicht eintretende Folge. In undankbarem Selbstvertrauen will das Geschöpf sich selbst zuschreiben, was es Gott verdankt; es vergißt seinen Wohlthäter, um sein eigenes Ich auf den Thron zu setzen. Abermalige Täuschung; die Hoffart des rebellischen Engels ergreift Entsetzen vor der Demuth des Erlösers.

Aber er macht noch eine letzte Anstrengung. Vielleicht, so denkt er, wird das Haschen nach Reichthum ihm, der sich seither so mäßig und demüthig bewiesen hat, zum Falle gereichen. „Siehe da alle Reiche der Welt in ihrem Glanze und ihrer Herrlickeit; diese alle will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“ Dies schmähliche Anerbieten weist Jesus mit Verachtung zurück; er jagt den Fürsten der Welt, diesen verfluchten Verführer vor seinem Angesichte fort und lehrt uns durch sein Beispiel, wie wir alle irdischen Reichthümer verschmähen sollen, wenn wir sie nur durch Uebertretung des göttlichen Gesetzes und durch eine dem Teufel dargebrachte Huldigung erlangen oder erhalten können.

Wie nun hat der Erlöser die Versuchung zurückgewiesen? Hört er die Reden des Versuchers an? Läßt er ihm Zeit, vor seinen Augen Alles schön ausmalen zu können? Nur zu häufig machen wir es so und finden dann fast regelmäßig, daß wir in der Schlinge sitzen, ehe wir sie fallen gesehen haben. Jesus thut das nicht; er hält den ersten Worten sofort den Schild des unbeugsamen Gesetzes entgegen: „Es steht geschrieben,“ sagt er, „der Mensch lebt nicht allein vom Brod. Es steht geschrieben, du sollst den Herrn deinen Gott nicht versuchen. Es steht geschrieben, den Herrn deinen Gott sollst du anbeten und nur ihm allein dienen.“ Diese große Lehre wollen wir befolgen. Eva und mit ihr das ganze Menschengeschlecht unterlag nur deßhalb, weil sie sich mit der Schlange in eine Unterhaltung eingelassen hatte. Wer mit der Versuchung spielt, wird ihr unterliegen. In diesen heiligen Tagen ist allerdings das Herz aufmerksam auf sich selbst, die Gelegenheiten sind seltener, wir haben unsere Gewohnheiten unterbrochen; durch Gebet, Fasten und Almosen geläutert, werden unsere unsere Seelen mit Jesus Christus zu neuem Leben auferstehen; aber ob sie auch dies neue Leben bewahren? Das ist die Frage! Die Beantwortung derselben wird davon abhängen, wie wir uns in Versuchungen verhalten. Gleich beim Beginn der heiligen vierzig Tage stellt uns die Kirche die Erzählung des Evangeliums vor Augen; sie will dadurch Beispiel und Lehre verknüpfen. Lassen wir es nicht an Treue und Aufmerksamkeit fehlen, dann wird diese Lesung in uns Früchte bringen und zur Zeit des Osterfestes werden wir dann so wachsam, so mißtrauisch gegen uns selbst sein, daß wir darin wie im Gebete und in der nie fehlenden göttlichen Hilfe eine Bürgschaft für unsere Beharrlichkeit erblicken dürfen.

Die griechische Kirche läßt bekanntlich während der Fastenzeit keine Feste zu; gleichwohl begeht sie heute einen ihrer höchsten Feiertage; sie nennt das heutige Fest Orthodoxie, und es ist dem Gedächtniß der Wiederaufstellung der heiligen Bilder in Konstantinopel und im ganzen oströmischen Kaiserreiche gewidmet. Die Kaiserin Theodora hatte nämlich im Jahre 842 mit Hilfe des heiligen Patriarchen Methodius der abscheulichen Verfolgung der Bilderstürmer ein Ende gemacht und ließ nun in allen Kirchen die heiligen Bilder, welche die Wuth der Irrlehrer hinweggebracht hatte, wieder aufstellen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Fünfter Band: Die heilige Fastenzeit (Septuagesima); Mainz 1877; S. 131-140]

Niedere Weihen und Subdiakonatsweihen in Wigratzbad

Am 10. Februar 2018 spendete Weihbischof Mikós Lajos Varga, der für das Bistum Vác in Ungarn wirkt, zahlreichen Seminaristen der Priesterbruderschaft St. Petrus in Wigratzbad die Niederen Weihen. Sechs weitere Kandidaten empfingen die Weihe zum Subdiakonat. Die feierliche Zeremonie fand in der Pfarrkirche St. Gallus in Gestratz statt.

Der Bischof bei seiner Ansprache:

Die zukünftigen Subdiakone bei der Allerheiligenlitanei:

Hier sieht man schön, dass nicht der Subdiakon der Messe, sondern einer der neuen Subdiakone die Epistel singt:

Der französischsprachige Blog des Priesterseminars in Wigratzbad bietet weitere Bilder und verweist auf noch mehr Bilder, die bei Google Photos gespeichert sind.

Dom Guéranger zum Aschermittwoch (2/2)

Zur Messe.

Die christliche Seele hat durch den Akt der Demüthigung, den sie so eben vollzogen, ihre Ruhe wieder gewonnen. Sie vertraut wieder fest der Barmherzigkeit Gottes und wagt sogar ihn an die Liebe zu erinnern, die er für den Menschen, sein Geschöpf, hegt, und an die Langmuth, womit er selbst deren Rückkehr zu ihm erwarten wollte. Dies der Gegenstand des Introitus, dessen Worte dem Buche der Weisheit entnommen sind.

Introitus.

Du erbarmest Dich Aller, o Herr, und hassest nichts, was Du gemacht hast; Du bist nachsichtig gegen die Sünden der Menschen um ihrer Buße willen, und schonest ihrer; denn Du bist der Herr, unser Gott.

Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner, denn auf Dich vertraut meine Seele. Ehre sei dem Vater. Du erbarmst Dich.

In der Collecte erfleht die Kirche für ihre Kinder die Gnade, daß sie sich der heilsamen Uebung des Fastens mit vollem Eifer hingeben mögen und in derselben zum Wohl ihrer Seelen beharren.

Collecte.

O Herr, stärke deine Gläubigen, daß sie die heilige Fastenzeit mit gebührender Andacht beginnen, und zu ihrem Heile vollenden mögen, durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Zweite Collecte.

Beschütze uns, wir bitten Dich, o Herr, vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, und schenke uns auf die Fürbitte der seligen und glorreichen, allzeit jungfräulichen Gottesgebärerin Maria, des heiligen Joseph, der heiligen Apostel Petrus und Paulus, des heiligen N. (Schutzpatron der Kirche) und aller Heiligen gnädig Heil und Frieden, auf daß deine Kirche nach Ueberwindung aller Hemmnisse und Irrthümer in ungestörter Freiheit Dir zu dienen vermöge.

Dritte Collecte.

Allmächtiger ewiger Gott, der Du über Lebendige wie über Abgestorbene herrschest und Dich Aller erbarmest, von denen Du vorher weißt, daß sie durch Glauben und Werke die Deinigen sein werden; wir bitten Dich demüthig, daß Alle, für welche wir uns zu beten vorgenommen haben und die entweder das gegenwärtige Leben, da sie noch im Fleische wandeln, zurück behält, oder das zukünftige Leben von des Leibes Hülle befreit aufgenommen hat, auf die Fürbitte aller deiner Heiligen, kraft der Milde deiner Vaterliebe, Nachlaß aller ihrer Sünden erlangen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Lection.

Lesung des Propheten Joel Cap. 2.

So spricht der Herr: Bekehret euch zu mir von euerem ganzen Herzen mit Fasten und Weinen und Klagen. Zerreißet euere Herzen und nicht nur euere Kleider, und bekehret euch zu dem Herrn euerem Gott; denn er ist gütig und von großer Erbarmung, und ist noch gnädiger, als groß ist die Bosheit. Vielleicht kehrt er um und verzeiht, und läßt so viel Segen zurück, daß ihr dem Herrn euerem Gott Speis- und Trankopfer darbringen könnet. Stoßet in die Posaune zu Sion, weihet ein Fasten, rufet zur Versammlung! Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde, bringt zusammen die Greise, versammelt die Kinder und Säuglinge! Der Bräutigam gehe aus seiner Kammer, die Braut aus ihrem Gemach! Zwischen Vorhalle und Altar sollen weinen die Priester, des Herrn Diener, und sagen: Schone, Herr, schone deines Volkes, und gib dein Eigenthum nicht der Schmach hin, so daß die Völker darüber herrschen würden. Warum soll man sagen unter den Völkern: Wo ist ihr Gott? Ja, es eifert der Herr für sein Land und schonet seines Volkes. Es antwortet der Herr und spricht zu seinem Volke: Siehe, ich will euch Korn und Wein und Oel senden, damit ihr euch davon sättiget, und will euch dem Gespötte der Heiden nicht mehr preisgeben. Dieses spricht der Herr, der Allmächtige.

Diese herrliche Stelle des Propheten zeigt uns, welche Wichtigkeit der Herr auf die Sühnung durch das Fasten legt. Wenn der über seine Sünden zerknirschte Mensch sein Fleisch züchtigt, dann läßt auch Gott sich erweichen. Dies hat schon das Beispiel Ninives bewiesen. Und wenn der Herr selbst einer ungläubigen Stadt verzieh, blos deßhalb, weil sie im Bußgewande sein Erbarmen anflehte, um wie viel mehr wird er nicht seinem Volke günstig sein, welches mit der leiblichen Buße auch das Opfer des Herzens verbindet? Wandeln wir also muthig auf dem Wege der Buße. Freilich wird unsere Zeit im Glauben und in der Furch Gottes schwach; und so scheint es, als wollten Einrichtungen, die so alt sind, als das Christenthum, ja die selbst zu den Grundlagen des Christenthums gehören, in Verfall kommen. Hüten wir uns, dieser Verweichlichung der Zeit irgend welche Rechnung zu tragen! Schon können wir eine furchtbare Folge dieser Verweichlichung in dem täglich mehr um sich greifenden Verfalle christlicher Sitten im Allgemeinen erkennen. Halten wir uns nur an die Frage, wie wir mit der göttlichen Gerechtigkeit stehen. Sie wird uns unsere Sünden und Sündenstrafen nur in dem Maße nachlassen, als wir in uns den Drang fühlen, ihr die Genugthuung zu leisten, auf welche sie ein Recht hat. Wir haben es eben gehört, unser Leib, dem wir schmeicheln, ist weiter nichts, als Staub und Asche, und nur zu häufig opfern wir ihm die Seele, die unvergänglich ist, der die ganze Ewigkeit angehört.

Im Graduale legt die Kirche das Gefühl festen Vertrauens auf den allgütigen Gott nieder; sie hofft, daß ihre Kinder die Mittel anwenden, welche sie ihnen zur Erlangung der göttlichen Hilfe gibt.

Der Traktus ist das schöne Gebet Davids, das die Kirche die ganze Fastenzeit hindurch dreimal wöchentlich betet, um in den Zeiten der Widerwärtigkeiten den göttlichen Zorn zu entwaffnen.

Graduale.

Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner; denn auf Dich vertraut meine Seele.

Er sendet vom Himmel und errettet mich, übergibt der Schmach meine Unterdrücker.

Traktus.

Herr, nach unseren Sünden die wir begangen, vergilt uns nicht, noch nach unseren Missethaten.

Herr, gedenke nicht unserer alten Missethaten; laß eilends uns zuvorkommen deine Barmherzigkeit; denn wir sind überaus arm geworden.

Hilf uns, Gott unser Heiland und um der Ehre deines Namens willen erlöse uns, Herr; und sei gnädig unseren Sünden um deines Namens willen.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Matthäus Cap. 6.

In derselben Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr fastet, so sollet ihr nicht trauern, wie die Heuchler; denn sie entstellen ihre Angesichter, damit die Menschen sehen, daß sie fasten. Wahrlich, sag’ Ich euch, sie haben ihren Lohn schon empfangen. Du aber, wenn Du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit es die Menschen nicht merken, daß du fastest, sondern nur dein Vater es sieht, der im Verborgenen ist; und dein Vater, dem im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten. Ihr sollet euch auf Erden keine Schätze sammeln, wo sie der Rost und die Motten verzehren und wo sie die Diebe ausgraben und stehlen; sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie weder Rost und Motten verzehren, und wo sie Diebe nicht ausgraben, noch stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Der Herr will nicht, daß wir die Ankündigung dieses Sühnefastens wie eine trübselige, niederschlagende Nachricht aufnehmen. Der Christ begreift vielmehr, daß es viel gefährlicher ist, mit der göttlichen Gerechtigkeit in Zwietracht zu leben, und er sieht darum die Fastenzeit voll Freude herankommen. Er weiß, wenn er den Vorschriften der Kirche treu ist, so wird die Last, die ihn jetzt drückt, hinweggenommen. Er versöhnt sich mit der göttlichen Gerechtigkeit, er bietet ihr Genugthuung dar, und zwar eine Genugthuung, welche wahrhaftig in Folge der Nachsicht der Kirche nicht schwer zu leisten ist. Aber diese Genugthuung wird Gott in Gemeinschaft mit der des Erlösers angeboten, und diese Gemeinschaft erst befruchtet dieselbe. Dazu kommt noch Alles, was Glieder der streitenden Kirche Verdienstliches getahn. Das ist ein gemeinsames Gut, ein ganzer Gnadenschatz der Kirche, und das Alles bietet sie der göttlichen Gerechtigkeit als Sühne für uns dar. So werden denn unsere Seelen rein und der Theilnahme an den herrlichen Osterfreuden würdig. Seien wir also durchaus nicht darüber betrübt, daß wir fasten, sondern nur darüber, daß wir Sünden begangen, in Folge deren das Fasten nothwendig geworden. Der Heiland gibt uns des Ferneren noch einen Rath, den die Kirche im Laufe der heiligen vierzig Tage häufig erneuert. Wir sollten mit dem leiblichen Abbruche auch Almosen verbinden. Das heißt Schätze sammeln, aber für den Himmel. Wir brauchen Fürbitter; suchen wir dieselben in den Armen.

Im Offertorium besingt die Kirche unsere Erlösung. Sie freut sich, daß sie unsere Seele von ihren Wunden genesen sieht. Denn sie zählt fest auf unsere Beharrlichkeit.

Offertorium.

Ich will Dich erheben, o Herr, denn Du hast mich aufgenommen; Du hast meine Feinde sich nicht freuen lassen über mich. Herr, mein Gott, zu Dir hab’ ich gerufen und Du hast mich geheilet.

Stillgebet.

Wir bitten Dich, o Herr, mache uns gänzlich würdig zur Darbringung dieser Gaben, womit wir den Beginn des hochwürdigen heiligen Geheimnisses feiern. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Zweites Stillgebet.

Erhöre uns, o Gott, unser Heil, schütze uns durch die Kraft dieses Sakramentes vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, gewähre uns in diesem Leben deine Gnade und im künftigen deine Herrlichkeit.

Drittes Stillgebet.

O Gott, dem allein die Zahl der für die ewige Seligkeit Auserwählten bekannt ist, verleihe auf die Fürbitte aller deiner Heiligen, daß die Namen aller Jener, für welche wir zu beten gewagt, sowie die Namen aller Gläubigen im Buche der ewigen Seligkeit verzeichnet stehen, durch Jesus Christum, unseren Herrn. Amen.

Bei der Danksagung bedient sich die Kirche von heute an der Fastenpräfation.

Präfation.

Wahrhaftig würdig ist es und gerecht, billig und heilsam, daß immer und überall wir Dir danken, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott; der der Du durch leibliches Fasten Laster zähmest, das Gemüth aufrichtest, Tugend spendest und Lohn durchChristus, unseren Herrn; durch welchen deine Majestät loben die Engel, anbeten die Gewaltigen, die Mächtigen zittern, die Himmel und die Kräfte der Himmel und die seligen Seraphim mit einstimmiger Freude sie feiern: darob flehen wir, lasse mit ihnen auch unsere Stimme hinaufgelangen, die wir in demüthigem Bekenntnisse rufen:

Schließet euch dem Priester an, der sich selbst den seligen Geistern anschließt, um die göttliche Majestät zu ehren, und sprechet mit ihm:

Heilig, heilig, heilig der Herr Gott Sabaoth!

Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit!

Hosanna in der Höhe!

Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Hosanna in der Höhe!

In der Antiphon der Communion gibt uns die Kirche einen höchst beherzigenswerthen Rath. Während unseres langen Lebenslaufes bedürfen wir einer Stütze, die unseren Muth aufrecht erhält. Dazu leistet uns die Betrachtung über das Gesetz des Herrn und seine Geheimnisse ganz vorzügliche Dienste. Wenn wir näher in das Wort Gottes eindringen, das die Kirche uns täglich vorsetzt, dann wird in unseren Herzen Erleuchtung und Liebe wachsen, und wenn erst der Heiland aus dem Schatten des Grabes hervorgehen wird, dann leuchten wir im Widerscheine seines Glanzes.

Communion.

Wer im Gesetze betrachtet Tag und Nacht, der wird seine Frucht bringen zu seiner Zeit.

Postcommunio.

Laß uns, o Herr, die genossenen Sakramente zur Hilfe gereichen, daß unsere Fasten Dir angenehm und uns ein nützliches Heilmittel sind, durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Zweite Postcommunio.

Die Darbringung dieses göttlichen Sacramentes reinige und schütze uns, wir bitten Dich, o Herr, und auf die Fürbitte der allezeit jungfräulichen Gottesgebärerin Maria, des heiligen Joseph, deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus, des heiligen N. (folgt hier der Name des Kirchenpatrons) und aller Heiligen, gereiche sie uns zur Austilgung unserer Sünden und zur Erlösung von aller Widerwärtigkeit.

Dritte Postcommunio.

Wir bitten Dich, allmächtiger und barmherziger Gott, daß die heiligen Geheimnisse, die wir empfingen, uns reinigen; und auf die Fürbitte aller deiner Heiligen verleihe, daß dieses dein heiliges Sakrament nicht sei eine Anklage zur Strafe, sondern eine heilsame Fürbitte zur Vergebung, daß es sei eine Reinigung von Missethaten, eine Stärkung der Schwachen, ein Schutz gegen alle Gefahren der Welt, und daß es gereiche zur Nachlassung aller Sünden für Lebendige und Abgestorbene. Durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen.

An jedem Tage während der Fastenzeit, ausgenommen die Sonntage, spricht der Priester, ehe er die Versammlung der Gläubigen entläßt, über dieselbe ein besonderes Gebet, welches stets durch die feierliche Mahnung eingeleitet wird:

Neiget euere Häupter vor Gott.

Gebet.

Herr, sieh’ gnädig herab auf Jene, welche vor deiner Majestät sich niederbeugen, auf daß Jene durch himmlische Gnaden allezeit genährt werden, welche durch die göttliche Gabe deines Fleisches und Blutes erquickt worden sind. Durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Vierter Band: Die heilige Vorfastenzeit (Septuagesima); Mainz 1876; S. 230-240]

Dom Guéranger zum Aschermittwoch (1/2)

Der Aschermittwoch.

Gestern wälzte sich noch die Welt in ihren Vergnügungen; selbst die Kinder der Verheißung gaben sich unschuldigen Genüssen hin. Mit Beginn des heutigen Tages erscholl die heilige Posaune, von welcher der Prophet spricht […]. Sie verkündet uns die feierliche Eröffnung des vierzigtägigen Fastens, die Zeit der Buße, das Herankommen der großen Jahresgedächtnisse unseres Heilswerkes. Erheben wir uns denn, Christen, bereiten wir uns vor, die Kämpfe des Herrn mitzukämpfen.

Aber in diesem Kampfe des Geistes gegen das Fleisch müssen wir gerüstet sein, wir müssen auch unsere Waffen zu gebrauchen verstehen. Und deßhalb beruft uns die heilige Kirche in ihre Gotteshäuser, damit wir uns in diesem geistigen Kriegsdienste üben. Was die Waffenrüstung anlangt, so hat uns schon der heilige Paulus alle einzelnen Stücke derselben bezeichnet. „Stehet denn,“ so sagt er, „eure Lenden umgürtet mit Wahrheit und angethan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, und beschuhet an den Füßen mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens; vor Allem ergreifet den Schild des Glaubens und nehmet den Helm des Geistes [Ephes. 6, 14-16].“ Und der Apostelfürst sagt uns: „Da nun Christus im Fleische gelitten hat, so waffnet auch ihr euch in demselben Sinne [1. Petr. 4, 1].“ Diese Lehren aus dem Munde der Apostel ruft uns heute die Kirche in das Gedächtniß. Und sie fügt eine nicht minder beredte Lehre hinzu, indem sie uns zwingt, bis zum Tage des Sündenfalles zurückzukommen, welcher alle diese zu liefernden Kämpfe, alle die zu vollbringenden Sühnungen verursacht hat.

Zwei Arten von Feinden sind gegen uns entfesselt: die Leidenschaften in uns, der Teufel außer uns. Diese ganze Unordnung ist eine Folge des Hochmuthes. Der Mensch hat Gott den Gehorsam verweigert; gleichwohl hat ihn Gott verschont, aber unter der harten Bedingung, daß er dem Tode unterworfen sein solle. Er hat gesagt: „Mensch, du bist Staub und sollst zum Staube wiederkehren [Genes. 3, 19].“ O warum haben wir diesen Wink vergessen! Er hätte genügen müssen, damit wir stets vor uns selbst auf der Hut wären. Wären wir stets vom Gefühle unseres Nichts durchdrungen gewesen, wir hätten nie gewagt, das göttliche Gesetz zu brechen. Jetzt hat uns die göttliche Gnade wiederum zum Guten geführt, wollen wir aber darin beharren, dann müssen wir uns demüthigen; wir müssen den Spruch annehmen, und dürfen fürder unser irdisches Leben nicht anders betrachten, denn als einen mehr oder minder kürzeren Weg, an dessen Ende ein Grab steht. Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint uns Alles in neuem, hellem Lichte. Die unendliche Güte Gottes, der selbst den dem Tode geweihten Wesen seine Liebe nicht entzieht, scheint uns noch bewundernswerther; unsere Auflehnung, unser Undank gegen ihn, welchen wir schon in den wenigen uns gehörenden Augenblicken zeigten, erscheinen uns noch schwärzer und beklagenswerther; die Genugthuung aber, welche wir leisten können, und welche Gott anzunehmen sich würdigt, noch um Vieles gerechtfertigter und heilsamer.

Gerade in Berücksichtigung dessen erachtete es vor mehr als tausend Jahren die Kirche angemessen, den Beginn der Quadragesimalfasten noch um vier Tage vorzurücken. Sie eröffnet schon mit dem heutigen Tage diese heilige Zeit, indem sie die Stirne ihrer Kinder mit Asche bezeichnet, und einem Jeden die schrecklichen Worte des Herrn wiederholt, die uns dem Tode weihen. Aber der Gebrauch der Asche als Symbol der Demuth und der Buße ist schon viel älter. Wir finden denselben bereits im Alten Bunde, ja selbst im Heidenthum. Schon Job bestreute sein von der Hand Gottes geschlagenes Fleisch mit Asche und flehte die Barmherzigkeit des Herrn an; das ist jetzt länger, als viertausend Jahre [Job 16, 16]. Später wengte der königliche Prophet in der glühenden Zerknirschung seines Herzens Asche unter das bittere Brod, das er aß [Psalm 101, 10]; und ähnliche Beispiele finden sich noch manche sowohl in den historischen, wie in den prophetischen Büchern des alten Testamentes. Man fühlte unwillkürlich die Aehnlichkeit zwischen den Staubresten eines Gegenstandes, den die Flamme verzehrt hat, und einem sündigen Menschen, dessen Körper unter dem Feuer der göttlichen Gerechtigkeit in Staub zerfällt. Um doch die Seele vor der rächenden Flamme des Himmels zu retten, eilte der Sünder zur Asche; in der Erkenntniß, daß er ihr gleiche, fühlte er ein Schutzmittel vor dem Zorne dessen, der den Stolzen widersteht und den Demüthigen gnädig ist.

Ursprünglich wurden am Aschermittwoch nicht alle Gläubigen mit Asche bezeichnet; er gab vielmehr gewisse Sünden, für welche die Kirche eine öffentliche Buße verhängte, und nur solche Sünder erhielten die Asche. Vor der Messe dieses Tages erschienen die Schuldigen in der Kirche, woselbst alles Volk versammelt war. Die Priester empfingen das Bekenntniß ihrer Sünden, darauf zogen sie härene Bußgewänder den Sündern an und streuten Asche auf die Häupter derselben. Nachdem dies geschehen, warfen sich Geistliche und Volk auf die Erde und man betete laut die sieben Bußpsalmen. Hierauf ordnete sich die Procession, an welcher die Büßer mit nackten Füßen Theil nahmen. Nachdem die Procession vorüber, wurden sie feierlich vom Bischofe aus der Kirche vertrieben, der ihnen zurief: „Hiermit treiben wir euch aus dem Umkreis der Kirche wegen euerer Sünden und Missethaten, wie Adam, der erste Mensch, wegen seiner Uebertretung aus dem Paradiese verwiesen wurde.“ Der Klerus sang dann einige der Genesis entnommene Responsorien; dieselben enthielten die Worte des Herrn, welche den Menschen verurtheilen, im Schweiße seines Angesichtes der von nun an verfluchten Erde sein Brod abzuringen. Endlich wurden die Kirchenthüren hinter den Vertriebenen geschlossen, und sie durften nicht eher mehr die Schwelle überschreiten, als am Gründonnerstage, an welchem sie die feierliche Absolution empfingen.

Nach dem eilften Jahrhundert begann diese öffentliche Buße in Wegfall zu kommen. Dafür jedoch wurde der Gebrauch, sich mit Asche zu bestreuen, immer allgemeiner, und hat heute seine Stelle unter den wesentlichen Ceremonien der römischen Liturgie. Früher ging man barfuß, wenn man dies feierliche Zeichen menschlicher Nichtigkeit empfing. Noch im zwölften Jahrhundert zog selbst der Papst von der Kirche der heiligen Anastasia zur Kirche der heiligen Sabina, woselbst Station ist, ohne irgend welche Fußbekleidung zu tragen, ebenso auch die Cardinäle, die ihn begleiteten. Nach und nach hat allerdings diese äußere Strenge nachgelassen; die Kirche zählt aber darum nicht weniger auf die innerlichen Wirkungen, welche ein so imposanter Ritus auf alle Fälle hervorbringen muß.

In Rom ist also, wie eben bemerkt, die Station an diesem Tage in der Kirche der heiligen Sabina auf dem aventinischen Hügel; und unter dem Schutze dieser heiligen Martyrin beginnt die vierzigtägige Fastenzeit.

Der Gottesdienst beginnt mit der Segnung der Asche, womit alsbald die Kirche ein Kreuz auf unsere Stirne zeichnet. Um diese Asche zu erhalten, werden die am Palmsonntag des vorhergehenden Jahres geweihten Zweige verbrannt. Die Segnung, welche über sie in dieser neuen Form ausgesprochen wird, soll sie zur Bezeichnung des Geheimnisses der Reue und Demuth würdiger machen.

Der Chor beginnt mit der folgenden Antiphon, welche die göttliche Barmherzigkeit anfleht.

Antiphon.

Erhöre uns, o Herr, denn gnädig ist dein Erbarmen; nach der Fülle deiner Erbarmungen schaue herab auf uns, o Herr!

Rette mich, o Gott, denn die Wasserwogen haben sich aufgethürmt bis an meine Seele. Ehre sei dem Vater. Erhöre uns.

Der Priester am Altar, der die geheimnißvolle Asche in seiner Nähe liegen hat, verrichtet nun die folgenden Gebete, mit welchen er Gott anfleht, aus dieser Asche ein Mittel unserer Heiligung zu machen.

Gebet.

Allmächtiger ewiger Gott, verschone die Reuigen, sei gnädig den Bittenden und sende deinen heiligen Engel vom Himmel herab, welcher weihe und segne diese Asche, auf daß sie sein möge eine heilsames Mittel Allen, welche anflehen deinen heiligen Namen, in Demuth des Herzens, welche im Bewußtsein ihrer Vergehungen sich selbst anklagen, und vor dem Angesichte deiner göttlichen Huld ihre Missethaten beseufzen; und deine erheiternde Liebe mit kühnen Wünschen und Bitten bestürmen; und verleihe durch die Anrufung deines allerheiligsten Namens, daß Alle, welche mit dieser Asche bestreuet werden, zur Erlösung von ihren Sünden, die Gesundheit des Körpers und den Schutz der Seele erhalten mögen, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen.

Gebet.

Gott, der Du nicht den Tod des Sünders, sondern seine wahre Buße verlangst, siehe mit Milde herab auf die Gebrechlichkeit der menschlichen Natur, und segne diese Asche, welche wir jetzt im Geiste der Demuth und aus Begierde nach Sündenvergebung auf unsere Häupter wollen streuen lassen, damit wir, eingedenk, daß wir Staub sind, und wegen unserer Verdorbenheit wieder in den Staub zurückkehren, die Nachlassung unserer Sünden und der den Büßern verheißenen ewigen Seligkeit würdig werden mögen, durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Gebet.

Gott, der Du Dich durch Demuth und durch Buße versöhnen lässest, neige dein Ohr liebevoll zu unseren Gebeten und ströme auf das Haupt deiner Diener, welche mit dieser Asche bestreut werden, die Gnade deiner Segnungen, so daß Du sie sowhl mit dem Geiste der Zerknirschung erfüllst, als auch ihre Bitten gewährest, und bestimmst, daß das, was Du ihnen gespendet hast, ewig und unantastbar in ihnen verbleiben möge, durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Gebet.

Allmächtiger ewiger Gott, der Du den in Sack und Asche büßenden Niniviten Mittel der Vergebung dargereicht hast: verleihe gnädigst, daß wir denselben so nachahmen, daß auch wir uns der Erlösung und der Barmherzigkeit erfreuen, durch Jesus Christum, unseren Herrn. Amen.

Nach diesen Gebeten besprengt der Priester die Asche mit Weihwasser und beräuchert sie mit Weihrauch. Ist dies geschehen, so wird er zuerst mit dme Aschenkreuz auf die Stirne bezeichnet, und zwar thut dies der oberste oder älteste Geistliche, der an der betreffenden Kirche angestellt ist. Dasselbe thut hierauf der celebrirende Priester diesem, hierauf folgen die Ministranten, die übrigen Kleriker und dann das gläubige Volk.

Wenn nun der Priester sich euch naht, euere Stirne mit dem Zeichen der Buße zu bezeichnen, so nehmet voll Demuth das Todesurtheil an, das Gott über euch verkünden wird: „Gedenke, o Mensch, daß du Staub bist und in den Staub zurückkehrst.“ Demüthigt euch, erinnert euch, daß dieser Spruch deßhalb euch trifft, weil ihr sein wolltet, wie Gott. Weil ihr eueren Willen über den Willen des Herrn der Schöpfung gesetzt, darum traf euch das Loos, sterben zu müssen. Und wir wollen dabei auch der langen Reihe von Sündern gedenken, welche wir der Sünde Adams beigefügt, und die Gnade Gottes bewundern, die sich für so viele Empörungen mit einem einzigen Tode begnügt.

Während der Priester mit der Asche das Zeichen des Kreuzes auf die Stirne der Gläubigen macht und dabei die angeführten Worte spricht, singt der Chor die folgenden beiden Antiphonen nebst dem beigefügten Responsorium.

Antiphon.

Wandeln wir unser Gewand in Sack und Asche; lasset uns Fasten halten und weinen vor dem Herrn; denn reich ist an Erbarmen unser Gott, die Sünden zu vergeben.

Antiphon.

Zwischen Vorhalle und Altar sollen weinen die Priester, des Herrn Diener, und sagen: Schone, Herr, schone deines Volkes, und verschließ den Mund derer nicht, die Dir singen, o Herr!

Responsorium.

Lasset uns gut machen, was wir in unserer Verblendung gesündigt, damit wir nicht von dem Tage des Todes plötzlich überrascht für die Buße Zeit suchen und nicht finden können. Merke auf uns, o Herr, und erbarme Dich unser; denn wir haben gesündigt vor Dir.

Hilf uns Gott, unser Heiland, und um der Ehre deines Namens willen erlöse uns, Herr. Merke auf uns. Ehre sei dem Vater. Merke auf uns.

Wenn Alle mit der Asche bezeichnet sind, verrichtet der Priester das folgende Gebet.

Gebet.

Verleihe uns, o Herr, mit heiligen Fasten den christlichen Kampf zu beginnen, und da wir gegen die List der Feinde unseres Heiles streiten, durch die Hilfe der Enthaltsamkeit gekräftigt zu werden, durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Vierter Band: Die heilige Vorfastenzeit (Septuagesima); Mainz 1876; S. 222-230]

Dom Guéranger zum Sonntag Quinquagesima (3/3)

Zur Vesper.

[…]

Antiphon zum Magnificat.

Jesus blieb stehen und befahl, den Blinden zu sich zu führen, und sprach zu ihm: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er aber sprach: Herr, daß ich sehend werde! Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich ward er sehend, folgte ihm nach und pries Gott.

Gebet.

Erhöre, wir bitten Dich, o Herr, unser Gebet, und löse zuvor alle Bande unserer Sünden in Gnaden auf, und bewahre uns sodann vor aller Trübsal, durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Vierter Band: Die heilige Vorfastenzeit (Septuagesima); Mainz 1876; S. 212]