Dom Guéranger zum dritten Fastensonntag (2/3)

Zur Messe.

Die zur Gnade der Taufe zugelassenen Katechumenen, sowie die ihre demnächstige Versöhnung hoffenden Büßer drücken im Introitus die Gluth ihres Verlangens aus. Sie bekennen demüthig ihr Elend; aber sie sind auch voll Hoffnung auf Denjenigen, welcher bald ihre Bande brechen wird.

Introitus.

Meine Augen gehen immer nach dem Herrn; denn er wird meine Füße aus dem Netze ziehen. Schaue auf mich und erbarme Dich meiner; denn ich bin einsam und arm.

Zu Dir, Herr, hab’ ich erhoben meine Seele, mein Gott, auf Dich vertraue ich, laß mich nicht zu Schanden werden. Ehre sei dem Vater. Meine Augen.

Wir stehen im Begriffe, dem Menschenfeinde einen furchtbaren Kampf zu liefern; die Kirche erfleht daher in der Collecte für diesen Kampf, in welchem sie selbst und ihre Kinder begriffen sind, den göttlichen Beistand.

Collecte.

Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, siehe gnädig auf das Flehen und die Wünsche der Demüthigen herab; strecke aus die rechte Hand deiner Majestät und sei Du unser Schutz! Darum bitten wir Dich durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Die zweite und dritte Collecte wolle man […] beim ersten Fastensonntag […] ersehen.

Epistel.

Lesung des Briefes des heiligen Apostels Paulus an die Ephesier Cap. 5.

Brüder! Seid Nachahmer Gottes als die lieben Kinder, und wandelt in Liebe, wie auch Christus uns geliebt, und sich für uns als Gabe und Opfer hingegeben hat, Gott zum lieblichen Geruche. Hurerei aber und jede Unreinigkeit oder Geiz werde unter euch nicht einmal genannt, wie es Heiligen ziemt, noch komme vor Schamlosigkeit, noch thörichtes Gerede, noch Possen, die ja zur Sache nicht gehören, sondern vielmehr Danksagung. Denn das wisset und erkennet, daß kein Hurer oder Unzüchtiger oder Geiziger, der ein Götzendiener ist, ein Erbtheil an dem Reiche Christi und Gottes habe. Lasset euch von Niemanden verführen mit eitlen Worten; denn dieser Laster wegen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Werdet also nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret einst Finsterniß, nun aber seid ihr Licht im Herrn; wandelt als Kinder des Lichtes. Die Frucht des Lichtes aber ist jede Güte und Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit.

Der Apostel wendet sich also an die Gläubigen von Ephesus und sagt ihnen, daß sie einst Finsterniß waren, nun aber Licht im Herrn seien. Welche Freude für unsere Katechumenen, wenn sie hören, daß dasselbe Glück auch ihnen bevorstehe! Bis jetzt haben sie in heidnischer Verderbniß gelebt, jetzt besitzen sie schon durch ihre Zulassung zur Taufe ein Unterpfand künftiger Heiligkeit. Seither huldigten sie falschen Göttern, deren Verehrung jeglichem Laster Vorschub leistete; heute hören sie, wie die Kirche sie ermahnt, der Heiligkeit des Gottes der Christen nachzuahmen und die Gnade, die es ihnen möglich machen soll, nach der göttlichen Vollkommenheit zu streben, soll auch ihnen alsbald zu Theil werden. Aber um sich in dieser Höhe zu erhalten, bedarf es für sie eines beständigen Kampfes; zwei Feinde insbesondere werden auf ihre Kosten ihr Haupt zu erheben suchen: die Unreinigkeit und die Habsucht. Das erste dieser Laster will der Apostel unter Christen nicht einmal genannt haben; das zweite brandmarkt er, indem er es mit dem Götzendienste vergleicht, welchem die Auserwählten eben im Begriffe sind, zu entsagen. Diese Lehren gibt die Kirche ihren künftigen Kindern; aber wir, die wir von dem Augenblicke unserer Geburt an geheiligt worden sind, wir müssen uns fragen: Sind wir auch immer unserem Taufgelöbniß treu geblieben? Wir waren Licht, warum sind wir heute Finsterniß? Was ist aus unserer Gottähnlichkeit geworden, die wir in der Taufe bekamen? O wie müssen wir uns beeilen, die Züge Gottes wieder in uns aufleben zu lassen, indem wir auf Satan und seine Götzen verzichten! Thuen wir Buße, auf daß in uns jener Zustand des Lichtes wieder erstehe, dessen Frucht jede Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit ist.

Das Graduale drückt die Gefühle der von Feinden rings umlauerten Seele aus, welche den Herrn um Hilfe angeht, und dieser schickt sich an, die Feinde zu verwirren.

Der Traktus besteht aus dem 122. Psalm, dem Liede des Vertrauens und der Demuth. Das aufrichtige Geständniß unseres Elendes ruft immer die göttliche Barmherzigkeit auf uns herab.

Graduale.

Stehe auf, o Herr, es erstarke nicht der Mensch; vor deinem Angesichte sollen gerichtet werden die Völker.

Du kehrest in die Flucht meine Feinde; sie ermatten und kommen um vor deinem Angesichte.

Traktus.

Zu Dir erhebe ich meine Augen, der Du wohnest im Himmel.

Siehe, wie der Knechte Augen auf ihrer Herren Hände,

Wie der Magd Auge auf ihrer Gebieterin Hände: also schauen unsere Augen auf den Herrn, unseren Gott, bis er sich unserer erbarmet.

Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unser.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Lucas Cap. 11.

Zu derselben Zeit trieb Jesus einen Teufel aus, der stumm war. Und als er den Teufel ausgetrieben hatte, redete der Stumme und alles Volk verwunderte sich. Einige aber von ihnen sagten: Durch Beelzebub, den Obersten der Teufel, treibt er die Teufel aus. Andere versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Als er aber ihre Gedanken sah, sprach er zu ihnen: Jedes Reich, das wider sich selbst uneins ist, wird verwüstet werden, und ein Haus wird über das andere fallen. Wenn nun auch der Satan wider sich selbst uneins ist, wie wird denn sein Reich bestehen, ddaß ihr da saget, ich treibe durch Beelzebub die Teufel aus? Und wenn ich durch Beelzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben denn eure Kinder sie aus? Also werden diese selbst eure Richter sein. Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Teufel austreibe, so ist ja wahrhaftig das Reich Gottes zu euch gekommen. Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, so ist Alles sicher, was er hat. Wenn aber ein Stärkerer, als er, über ihn kommt und ihn überwindet, so nimmt er ihm seine ganze Waffenrüstung, auf welche er sich verließ, und vertheilt seine Beute. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, wandert er durch dürre Orte und sucht Ruhe; und weil er sie nicht findet, spricht er: Ich will in mein Haus einkehren, von wo ich ausgefahren bin. Und wenn er kommt, findet er es mit Besen gereinigt und geschmückt. Dann geht er hin, nimmt noch sieben andere Geister mit sich, die ärger sind, als er; und sie gehen hinein und wohnen daselbst: und die letzten Dinge dieses Menschen werden ärger, als die ersten. Es geschah aber, als er dies redete, erhob ein Weib unter dem Volke ihre Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der Dich getragen, und die Brüste, die Du gesogen hast! Er aber sprach: Ja, freilich sind selig, die das Wort Gottes hören und dasselbe beobachten.

Der Teufel, von welchem Jesus den Besessenen unseres Evangeliums befreite, machte diesen Menschen stumm; und die Austreibung des Geistes der Finsterniß löste gleichzeitig die Zunge des Unglücklichen, den er tyrannisirte. Dies Ereigniß gewährt uns ein Bild des von seinem schrecklichen Ueberwinder gefangenen und von ihm stumm gemachten Sünders. Wenn dieser Sünder spräche, um seine Sünden zu bekennen und um Gnade zu erflehen, dann wäre er befreit. Wie viele solcher stumm machenden Teufel mögen wohl in allen Ländern zertreut sein, welche den Menschen hindern, dies heilsame Geständniß zu thuen, das sie retten würde! Die vierzigtägige Zeit rückt indeß immer weiter vorwärts, die Tage der Gnade verstreichen. Nützen wir die günstige Zeit, und wenn wir bei Gott in Gnade stehen, beten wir dann inständig für die Sünder, damit sie sprechen, damit sie sich anklagen, damit sie Verzeihung erhalten.

Vernehmen wir auch mit frommen Schrecken, was uns der Heiland über unsere unsichtbaren Feinde sagt. Wer könnte ihrer Macht, ihrer Schlauheit, ihren Mitteln, zu schaden, Widerstand leisten, wenn uns Gott nicht unterstützte, wenn er seine Engel nicht gesandt hätte, um über uns zu wachen und an unserer Seite zu kämpfen! Durch die Sünde aber hatten wir uns diesen unreinen Geistern des Hasses überliefert; wir hatten ihre tyrannische Herrschaft dem süßen und leichten Joche unseres lieben Heilandes vorgezogen. Jetzt sind wir frei davon und wenn nicht, so werden wir es bald sein. Danken wir unserem Befreier und hüten wir uns, nochmals in die Gewalt dieser höllischen Gäste zurück zu fallen. Der Heiland benachrichtigt uns über die uns drohende Gefahr; sie werden wieder kommen, sie werden mit Gewalt in die Wohnung unserer durch das Osterlamm geheiligten Seele zu dringen versuchen. Wenn wir wachsam und treu sind, dann werden sie verwirrt von uns ablassen. Sind wir dagegen feige und schläfrig, verlieren wir den Preis der Gnade und die Verpflichtungen, welche uns an unseren Heiland knüpfen, aus dem Auge, dann ist nichts im Stande, unseren Untergang aufzuhalten und nach dem schrecklichen Worte Jesu Christi werden die letzten Dinge eines solchen Menschen ärger sein, als die ersten.

Wenn wir ein so großes Unglück vermeiden wollen, dann müssen wir auch jenes andere Wort Christi im heutigen Evangelium in Betracht ziehen: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“ Wenn man in die Bande des Teufels zurückfällt, wenn man Alles vergißt, was man dem göttlichen Erlöser schuldig ist, so ist in den meisten Fällen der Umstand daran schuld, daß man nicht frei und offen Partei für Jesus Christus ergreift, wo es die Pflicht fordert, daß der Christ sich als solcher bekenne. Da hält man zurück, man ergeht sich in zweideutigen Redensarten, man sucht Zeit zu gewinnen und inzwischen erlahmt die Thatkraft der Seele. Die Gnade Gottes, die im Anfang überschwenglich war, nimmt in dem Maße ab, als die Menschenfurcht uns ergreift. Da ist denn unser Rückfall unmittelbar drohend. Schreiten wir darum festen und sicheren Schrittes vorwärts und erinnern wir uns, daß der Soldat Jesu Christi allezeit seinem göttlichen Führer Ehre machen muß.

Das Offertorium preist die Süßigkeit der Tröstungen, welche die der Gewalt Satans entrissene Seele kostet, wenn sie dem Willen des göttlichen Hirten folgt.

Offertorium.

Die Rechte des Herrn sind gerade und erfreuen die Herzen; die Gerichte des Herrn sind süßer, als Honig und Honigseim. Dein Knecht bewahret sie auch.

In der Secrete drückt die Kirche das Vertrauen aus, welches ihr das eben dargebrachte Opfer, dessen reinigende Kraft auf dem Calvarienberge die Sünden der Welt ausgetilgt, einflößt.

Stillgebet.

Diese Gabe, wir bitten Dich, o Herr, wasche ab unsere Missethaten und heilige zur Feier des Opfers deine Diener an Leib und Seele. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Das zweite und dritte Stillgebet woll man […] am ersten Fastensonntag […] ersehen.

In der Antiphon zur Communion entnimmt die Kirche immer noch die Worte Davids; sie preist das Glück der mit Gott im Sakrament der Liebe vereinigten Seele. Zu diesem glücklichen Loose werden bald die Katechumenen berufen sein, deren Zulassung zur Taufe soeben verkündet wurde; dasselbe wird auch mit den Büßern der Fall sein, welche in ihren Thränen die Flecken ihres vergangenen Lebens abgewaschen haben.

Communion.

Der Sperling findet sein Haus und die Turteltaube ihr Nest, worein sie ihre Jungen legt. Ich finde deine Altäre, Herr der Heerschaaren, mein König und mein Gott! Selig sind, die in deinem Hause wohnen, Herr, in alle Ewigkeit loben sie Dich.

In der Postcommunio bittet die Kirche den Herrn im Hinblick auf die Geheimnisse, an welchen die Gläubigen Theil genommen haben, daß er die Sünder lossprechen und sie von dem ewigen Untergange, der ihnen gedroht, behüten wolle.

Postcommunio.

Wir bitten Dich, o Herr, befreie uns nach deiner Huld von allen Sünden und Gefahren, da Du uns eines so großen Geheimnisses theilhaftig werden ließest. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Die zweite und dritte Postcommunio wie am ersten Fastensonntag […].

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Fünfter Band: Die heilige Fastenzeit; Mainz 1877; S. 280-289]

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