Dom Guéranger zum Palmsonntag (2/5)

Die Palmenweihe.

Der Gottesdienst beginnt mit dem Gesang Hosanna in der folgenden Antiphon, die als Introitus dient.

Antiphon.

Hosanna dem Sohne Davids! Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn! O König Israels! Hosanna in der Höhe!

Der Priester nimmt hierauf das Wort und das Flehen der ganzen Gemeinde zusammenfassend, bittet er im Namen des Volkes Gott um die Gnade, daß es nach dieser vergänglichen Welt an dem glücklichen Ziele ankomme, welches der Tod und die Auferstehung Jesu Christi uns bereitet haben.

Der Herr sei mit euch.

Und mit deinem Geiste.

Gebet.

O Gott, den wir von ganzem Herzen lieben sollen, mehre in uns die Gaben deiner unschätzbaren Gnade, und wie Du uns durch den Tod deines Sohnes hoffen läßt, was wir glauben, so geleite uns durch seine Auferstehung dorthin, wonach wir streben. Durch unseren Herrn Jesum Christum, der mit Dir lebt und regiert in Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Nach diesem Gebet liest der Subdiakon eine Stelle aus dem Buche Exodus; es ist darin erzählt, wie das Volk Gottes auf seinem Zuge nach Aegypten in Elim lagerte unter den Schatten von siebenzig Palmbäumen und an zwölf Quellen. Dort empfing es von Moses die Mittheilung, daß das Manna vom Himmel fallen und es vom Morgen des folgenden Tages an keinen Hunger mehr leiden werde. Diese ganze Handlung ist vorbildlich und findet ihre Erfüllung im christlichen Volke. Durch ihre aufrichtige Bekehrung haben die Gläubigen mit Aegypten gebrochen, welches das Reich der Welt bedeutet; sie brechen nun die Zweige von den Palmbäumen, um Jesus, ihrem Könige, ihre Ehrfurcht zu bezeigen. Die Quellen bedeuten die Taufe, welche unseren Katechumenen bald ertheilt wird; es sind ihrer zwölf, weil die zwölf Artikel des Glaubensbekenntnisses durch die zwölf Apostel der Welt verkündigt wurden. Endlich wird am Ostertage in der Frühe Jesus, das Brod des Lebens, das himmlische Manna, aus dem Grabe hervorgehen und seine Herrlichkeit offenbaren.

Lesung des Buches Exodus Cap. 15.

In diesen Tagen kamen die Söhne Israels gen Elim, wo zwölf Wasserbrunnen waren und siebenzig Palmbäume, und sie lagerten sich am Wasser. Und sie brachen auf von Elim, und die ganze Anzahl der Söhne Israels kam in die Wüste Sin, welche zwischen Elim und Sinai liegt, am fünfzehnten Tage des zweiten Monats, nachdem sie ausgezogen aus dem Lande Aegypten. Und die ganze Gemeinde der Söhne Israels murrte wider Moses und Aaron in der Wüste. Und die Söhne Israels sprachen zu ihnen: Wären wir doch gestorben durch die Hand des Herrn im Lande Aegypten, da wir bei den Fleischtöpfen saßen und Brod aßen nach Genügen; warum habt ihr uns in diese Wüste geführt, um die ganze Menge durch Hunger zu tödten? Der Herr aber sprach zu Moses: Siehe, ich will euch Brod vom Himmel regnen; das Volk gehe aus und sammle täglich, was es bedarf: damit Ich es prüfe, ob es nach meinem Gesetze wandle oder nicht. Und am sechsten Tage sollen sie aufheben, was sie hinein getragen, und es soll doppelt so viel sein, als sie sonst zu sammeln pflegten täglich. Und Moses und Aaron sprachen zu allen Söhnen Israels: Am Abende werdet ihr sehen, daß der Herr euch ausgeführt aus dem Lande Aegypten und am Morgen sollet ihr die Herrlichkeit des Herrn sehen.

Nach dieser Lesung singt der Chor eine der beiden folgenden Responsorien, welche an die Passio des Heilandes erinnern.

Es versammelten die Hohenpriester und Pharisäer einen Rath und sprachen: Was thuen wir? Dieser Mensch wirkt viele Wunder; wenn wir ihn so lassen, werden Alle an ihn glauben und die Römer werden kommen und unser Land wegnehmen.

Einer aber unter ihnen, Kaiphas mit Namen, der in diesem Jahre Hoherpriester war, prophezeite und sprach: Es sit besser für euch, wenn ein Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zu Grunde geht. Sie beschlossen also von diesem Tage, ihn zu tödten und sagten:

Und die Römer werden kommen und unser Land und Volk wegnehmen.

Auf dem Oelberge betete Jesus zu seinem Vater: Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach; dein Wille geschehe.

Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet.

Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach. Dein Wille geschehe.

Der Diakon liest dann vom Chor aus den Bericht des heiligen Matthäus über den triumphirenden Einzug Jesu Christi in Jerusalem. Die Palmen des neuen Bundes vereinigen sich mit den Palmen des alten, um den Gottmenschen zu verherrlichen, welcher das Bindeglied beider ist.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Matth. Cap. 21.

In dieser Zeit, als Jesus sich Jerusalem nahte und nach Bethphage am Oelberge kam, sandte er zwei Jünger ab und sprach zu ihnen: Gehet in den Flecken, der euch gegenüber liegt und ihr werdet zugleich eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; machet sie los und führet sie zu mir. Und wenn euch Jemand etwas sagt, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer und sogleich wird er sie euch lassen. Dies Alles aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Sion: Siehe, dein König kommt sanftmüthig zu dir und sitzet auf einer Eselin und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lastthieres. Die Jünger gingen nun hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte. Und sie brachten die Eselin mit dem Füllen, legten ihre Kleider auf dieselben und setzten ihn darauf. Sehr viel Volkes aber breitete seine Kleider auf den Weg; und Andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Und die Schaaren, die voraus gingen und nachfolgten, schrieen und sprachen: Hosanna dem Sohne Davids! Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn!

Es naht sich der Augenblick, da die geheimnißvollen Psalmen die Weihe der Kirche empfangen sollen. Der Priester erinnert zuerst an Noa, welchem der Oelzweig das Ende der Sündfluth verkündete, und an Moses, dessen Volk beim Auszug aus Aegypten unter dem Schatten der siebenzig Palmbäume lagerte. Sodann stimmt er die feierliche Weise der Präfation an und fordert alle geschaffenen Wesen auf, in diesem Augenblicke den großen Namen des Gottessohnes zu bekennen, dem eben eine so glänzende Huldigung dargebracht wird. Alle Anwohnenden antworten mit der Anrufung des dreimal heiligen Gottes, woran sich zu seiner Herrlichkeit der Ruf schließt: Hosanna in excelsis, Hosanna in der Höhe!

Der Herr sei mit euch.

Und mit deinem Geiste.

Gebet.

Gott, stärke den Glauben deiner Diener, die auf Dich vertrauen und erhöre gnädig das Gebet aller Gläubigen, die Dich in Demuth anrufen! Laß deine unerschöpfliche Barmherzigkeit über uns walten! Segne Du diese Palmen und Oelzweige, und wie Du die Vorbilder deiner Kirche, den Noe, als er aus der Arche ging, und den Moses, als er mit den Kindern Israels aus Aegypten zog, gesegnet hast, ebenso stärke uns, damit wir Alle, die wir Palm- und Oelzweige in den Händen tragen, Christo dem Herrn auch mit guten Werken entgegen ziehen und zur ewigen Freude eingehen mögen. Durch ihn, der mit Dir lebt und regiert in Einheit des Heiligen Geistes Gott.

Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Der Herr sei mit euch.

Und mit deinem Geiste.

Erhebet eure Herzen!

Wir haben sie zum Herrn erhoben.

Laßt uns Dank sagen Gott, unserem Herrn.

Es ist billig und recht.

Es ist wahrhaft billig und recht, daß wir Dich zu allen Zeiten und an allen Orten dankbar und würdig preisen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott! Im Glanze deiner Heiligen strahlt deine Herrlichkeit! Dir dienen alle Geschöpfe, weil sie Dich allein als ihren Schöpfer und als ihren Gott erkennen; und Alles, was Du gemacht hast, lobet Dich und deine Heiligen preisen Dich, indem sie jenen erhabenen und mächtigen Namen deines eingeborenen Sohnes vor den Königen und Fürsten dieser Welt mit lauter Stimme bekennen. Dir dienen Engel und Erzengel, Throne und Heerscharen des Himmels und mit allen Chören der seligen Geister besingen sie den Ruhm deiner Herrlichkeit, indem sie ohne Unterlaß rufen:

Heilig! heilig! heilig der Herr Gott Sabaoth!

Voll von seiner Herrlichkeit sind Himmel und Erde!

Hosanna in der Höhe!

Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn!

Hosanna in der Höhe!

Die nun folgenden Gebete erklären das Geheimniß der Palmzweige und ziehen die Gnade des Himmels auf die Palmen, welche dem Segen des Priesters unterbreitet werden, sowie auf die Personen, welche sie bringen und gläubig bewahren, herab.

Der Herr sei mit euch.

Und mit deinem Geiste.

Gebet.

Wir bitten, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, daß Du diesen Oelzweig, den Du aus Holz erschaffen hast und den die Taube, als sie zur Arche zurückkehrte, im Munde trug, segnen und heiligen wollest, damit wir Alle mit diesen Zweigen deinen göttlichen Schutz für Leid und Seele empfangen, und damit das Geheimniß deiner Gnade, o Herr, uns ein Heilmittel zur ewigen Seligkeit werde. Durch unseren Herrn Jesum Christum.

Amen.

Gebet.

Gott, der Du das Zerstreute sammelst und bewahrest, der Du das Volk, welches dem Herrn Jesu Palmzweige entgegen trug, gesegnet hast, segne auch diese Palmen und Oelzweige, welche deine Diener zur Verherrlichung deines Namens mit gläubiger Einfalt empfangen, damit die Einwohner an allen Orten, wohin diese Zweige gebracht werden, deinen göttlichen Segen erlangen und von aller Noth befreit werden! Mächtig beschütze deine Rechte alle Christen, welche dein Sohn Jesus Christus, unser Herr, erlöst hat, der mit Dir lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet.

Gott! der Du deiner wunderbaren Heilsordnung gemäß auch aus leblosen Dingen die Gaben deiner Gnade bereiten und zu unserem Heile ausspenden wolltest: wir bitten Dich, gib, daß die andächtigen Herzen deiner Gläubigen den geistlichen Sinn jener geheimnißvollen Handlung heilsam verstehen. Wie nämlich heute das vom himmlischen Lichte bestrahlte Volk dem Erlöser entgegen zog und seinen Weg mit Palmen und Oelzweigen bestreute; denn die Palmen bezeichnen den Triumph des Herrn über den Fürsten des Todes; die Oelzweige verkünden uns gleichsam die Ankunft der geistlichen Salbung; – so verstand auch schon damals jene selige Schaar des Volkes die Vorbedeutung jenes hohen Geheimnisses, daß Christus, unser Erlöser, von Mitleid über das Elend der Menschen durchdrungen, mit dem Fürsten des Todes für das Leben der ganzen Welt kämpfen und durch seinen Tod siegen werde. Und darum wetteifern sie, ihre Ehrfurcht durch Handlungen zu beweisen, die nicht nur seinen Sieg, sondern auch die Fülle seiner Erbarmung ausdrücken sollen. Da wir nun dieses Ereigniß und seine Bedeutung fest glauben, so bitten wir Dich demüthig, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, durch denselben Jesum Christum, unseren Herrn, daß wir in ihm und durch ihn, zu dessen Gliedern Du uns gemacht, über die Herrschaft des Todes siegen und seiner glorreichen Auferstehung theilhaftig werden mögen, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet.

Gott! der Du der Taube geboten hast, deinen Frieden der Erde durch einen Oelzweig zu verkünden, wir bitten Dich um deine Gnade, daß Du diese Oel- und Palmzweige mit deinem himmlischen Segen heiligen wollest, damit sie allem Volke zur Wohlfahrt gedeihen mögen. Durch Christum, unseren Herrn. Amen.

Gebet.

Segne, wir bitten Dich, o Herr, diese Palm- und Oelzweige, und verleihe, daß dein Volk, was es zu deiner Verehrung heute äußerlich verrichtete, auch geistig mit inniger Andacht vollende, indem es über den Feind siegt und die Liebe durch Werke der Barmherzigkeit thätig erweiset. Durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen.

Der Priester vollzieht dann die Weihe der Palmen, indem er sie mit Weihwasser besprengt und mit Rauchwerk beräuchert. Hierauf wird dieser ehrwürdige Ritus mit folgendem Gebet geschlossen.

Der Herr sei mit euch.

Und mit deinem Geiste.

Gebet.

Gott, der Du deinen Sohn Jesum Christum, unseren Herrn, zu unserer Erlösung in die Welt gesendet hast, daß er sich zu uns erniedrigte und uns zu Dir zurückführen sollte; dem auch, als er nach Jerusalem kam, um die Schrift zu erfüllen, die Schaaren des gläubigen Volkes ihre Kleider und Palmzweige mit eifriger Andacht auf den Weg streuten; wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir ihm im Lichte des Glaubens den Weg bereiten; daß wir jeden Stein des Anstoßes und der Aergernisse entfernen, und daß unsere Liebe vor Dir in fruchtbaren Zweigen aufblühe, damit wir würdig werden, ihm nachzufolgen, der mit Dir und dem Heiligen Geiste als ein einziger Got lebet und regieret. Amen.

Nach diesem Gebete schreitet der Priester zur Vertheilung der Palmen und während dieselbe vorgenommen wird, gedenkt der Chor den beiden folgenden Antiphonen der Begeisterung der hebräischen Kinder, welche Palmen schwangen und dem Sohne Davids Hosanna riefen.

Antiphon.

Die Knaben der Hebräer trugen Zweige von Oelbäumen und zogen dem Herrn entgegen. Sie riefen und sprachen: Hosanna in der Höhe!

Antiphon.

Die Knaben der Hebräer breiteten ihre Kleider auf den Weg und riefen mit lauter Stimme: Hosanna dem Sohne Davids! Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn!

Ist die Vertheilung der Palmen zu Ende, dann bringt der Priester nochmals die frommen Gefühle der ganzen Versammlung in dem folgenden Gebete zum gemeinsamen Ausdruck.

Der Herr sei mit euch.

Und mit deinem Geiste.

Gebet.

Allmächtiger ewiger Gott, auf deinen Befehl zog das Volk unserem Herrn Jesu Christi entgegen, als er auf dem Füllen einer Eselin zu Jerusalem seinen Einzug hielt; auf deinen Befehl streuten sie Kleider und Palmzweige auf den Weg; auf deinen Befehl sangen die Kinder Hosanna zu seinem Lobe. Wir bitten Dich, gib, daß wir ihre Einfalt nachahmen und ihr Verdienst erreichen mögen. Durch denselben Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Damit schließen die auf die Palmenweihe sich beziehenden gottesdienstlichen Verrichtungen. […]

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Sechster Band: Die Passions- und die Charwoche; Mainz 1877; S. 216-227]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s