Dom Guéranger zum Palmsonntag (3/5)

Die Palmenprozession.

Nachdem der Priester den Weihrauch gesegnet, welcher nach dem Brauche der Kirche den Weg, den eine Prozession durchzieht, stets reinigen und durchduften muß, wendet sich der Diakon zum Volke und gibt das Zeichen zum Auszug mit den Worten:

Laßt uns in Frieden wandeln.

Der Chor antwortet:

Im Namen Christi. Amen.

Nun beginnt die Prozession auszuziehen, wobei jeder Theilnehmer seinen Palmzweig in den Händen trägt. Der Chor singt dabei zu Ehren Jesu, des Königs von Israel, die folgenden Antiphonen:

Antiphon.

Als der Herr sich Jerusalem nahte, sandte er zwei Jünger ab und sprach zu ihnen: Gehet in den Flecken, der euch gegenüber liegt, und ihr werdet alsbald das Füllen einer Eselin angebunden finden, auf welchem noch Niemand gesessen; machet es los und führet es zu mir. Wenn Jemand euch fragt, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer. Da machten sie es los und führten es zu Jesus, und sie legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich auf dasselbe. Viele aber breiteten ihre Kleider auf den Weg, Andere hieben Zweige von den Bäumen und die nachfolgten, schrieen: Hosanna! Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hochgelobt sei das Reich unseres Vaters David! Hosanna in der Höhe! Erbarme Dich unser, Sohn Davids!

Antiphon.

Als das Volk gehört hatte, daß Jesus nach Jerusalem komme, nahmen sie Palmzweige, gingen ihm entgegen und riefen: Dieser ist’s, der zum Heile des Volkes kommt, dieser ist unser Heil und die Erlösung Israels! Wie groß ist er, dem die Thronen und Herrschaften entgegen kommen! Fürchte dich nicht, Tochter Sions! Siehe, dein König kommt zu dir, sitzend auf dem Füllen einer Eselin, wie geschrieben steht. Sei gegrüßt, König und Schöpfer der Welt, der Du gekommen bist, um uns wieder zu erkaufen!

Antiphon.

Sechs Tage vor dem Osternfeste, als der Herr in die Stadt Jerusalem kam, gingen ihm die Kinder entgegen und trugen Palmzweige in den Händen und riefen mit lauter Stimme: Hosanna in der Höhe! Gesegnet, der Du kommst in der Fülle deiner Barmherzigkeit! Hosanna in der Höhe!

Antiphon.

Mit Blumen und Palmen eilen die Schaaren dem Erlöser entgegen, und zollen würdige Huldigungen dem triumphirenden Sieger; den Sohn Gottes preisen die Völker und zum Lobe Christi schallen die Stimmen bis über die Wolken: Hosanna in der Höhe!

Antiphon.

Mit den Engeln und Kindern lasset uns, ihr Gläubigen, uns vereinen und dem Ueberwinder des Todes zurufen: Hosanna in der Höhe!

Antiphon.

Die große Schaar, welche zu dem Feste zusammen gekommen war, rief dem Herrn: Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!

Die Prozession hat inzwischen ihren Weg vollendet und schickt sich wiederum an, nach der Kirche zurück zu gehen. Allein sie findet bei ihrer Rückkehr die Pforte verschlossen, und wir haben bereits […] die Bedeutung dieses geheimnißvollen Umstandes auseinander gesetzt. Plötzlich erschallen Stimmen im Inneren des Gotteshauses: dieselben begrüßten Christum als König und Erlöser; sie bedeuten die Stimmen der heiligen Engel, welche die Ankunft Jesu im ewigen Jerusalem preisen. Außerhalb der Kirche wiederholt der Chor diese Thriumphlieder; aber das sind die Stimmen auf Erden, welche nur den Einzug des Sohnes Davids in das irdische Jerusalem besingen. Es entspinnt sich ein Wechselgesang zwischen den beiden Chören, wovon der eine innerhalb, der andere außerhalb der Kirche sich befindet. Inzwischen bleiben die Thüren immer noch verschlossen bis zu dem Augenblicke, wo endlich das siegreiche Kreuz die Pforten, worunter die Himmelspforten zu verstehen sind, gewaltsam öffnet und so der streitenden Kirche einen Weg bahnt, um sich mit der triumphirenden Kirche zu vereinigen. Die von beiden Chören gesungene Hymne hat Theodulf, den Bischof von Orleans, zum Verfasser. Dieselbe stammt aus der Zeit, da er auf Befehl Ludwigs des Frommen in Angers gefangen gehalten wurde. Die römische Kirche entnahm dem Gedicht die ersten sechs Distichen, um bei dem Zusammentreffen beider Chöre gesungen zu werden und hat dadurch den Namen des Verfassers unsterblich gemacht.

Die Sänger innerhalb der Kirche singen die erste Strophe, welche der Chor außerhalb sowohl bei dieser, wie bei den anderen Strophen als Refrain wiederholt.

Hymnus.

Lob sei Ehre und Ruhm Dir, Christus, König, Erlöser,

Dem Hosannagesang schallet aus kindlichem Mund.

Lob sei Ehre u. s. w.

Du, Israels Fürst und Davids ruhmvoller Sprößling,

Kommst im Namen des Herrn als ein Gesalbter zu uns.

Lob sei Ehre u. s. w.

Herr, Dich lobet die Schaar der Seligen hoch in dem Himmel

Und der sterbliche Mensch, alles Erschaffene zugleich.

Lob sei Ehre u. s. w.

Mit der Palme geschmückt, zog Judas Volk Dir entgegen;

Siehe, mit Hymne und Fleh’n nahen wir bittend nun Dir!

Lob sei Ehre u. s. w.

Dir, dem Tode geweiht, erschallet Israels Loblied,

Dir, dem Sieger, erklingt lauterer Jubelgesang.

Lob sei Ehre u. s. w.

Jene gefallen Dir, Herr! Dir gefalle auch unsre Verehrung! –

König, so gnädig und mild, dem alles Gute gefällt.

Lob sei Ehre u. s. w.

Sobald der letzte Refrain verhallt ist, schlägt der Subdiakon mit dem Stabe des Kreuzes an die Pforte, worauf diese auf der Stelle sich öffnet. An einigen Orten vollzieht der celebrirende Priester diesen geheimnisvollen Akt, wobei er den 23. Psalm spricht. In diesem Liede preist David den Einzug des Erlösers im Himmel im Augenblicke seiner glorreichen Himmelfahrt.

Die Prozession kehrt in die Kirche zurück, wobei folgendes Responsorium gesungen wird.

Responsorium.

Als der Herr in die heilige Stadt einzog, riefen die Kinder der Hebräer, Vorboten der Auferstehung des Lebens, mit Palmen in den Händen: Hosanna in den Höhen!

Als das Volk vernommen, daß Jesus nach Jerusalem komme, zog es ihm entgegen.

Mit Palmen in den Händen riefen sie: Hosanna in den Höhen!

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Sechster Band: Die Passions- und die Charwoche; Mainz 1877; S. 227-232]

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