Paradoxes zur alten Messe

Vor einigen Tagen brachte das halboffizielle Nachrichtenorgan der Deutschen Bischofskonferenz, katholisch.de, ein Interview mit einer jungen Dame namens Alina Oehler. Anlass war die in Rom stattfindende Vorsynode zur Jugendsynode im Herbst. Oehler vertritt die Organisation „Voices of Faith“, die laut eigener Internetseite darauf abzielt, „Führungskräfte im Vatikan mit der globalen katholischen Gemeinde zusammenzubringen, sodass sie erkennen können, dass Frauen die Expertise, Fähigkeiten und Gaben haben, eine volle Führungsrolle in der Kirche zu spielen“. Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Aussagen erstaunlich, geradezu paradox, weshalb sie hier auch unkommentiert stehen bleiben sollen.

Frage: Es gibt in der Kirche aber auch einen wachsenden Teil junger Menschen, der sich auf Glaubensformen stützt, besonders in der Liturgie, die klar vom hierarchischen Gefälle ausgehen. Wie passt das zusammen?

Oehler: Das muss man trennen: Die Liturgie ist etwas anderes als die Verwaltung und die Leitung der Kirche.

Frage: Sie ist Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens, also noch viel zentraler.

Oehler: Genau, eben etwas genuin Anderes. Ich selbst teile ja diese Faszination für die Liturgie, auch für den alten Ritus. Da komme ich auch immer wieder in einen Konflikt, weil sich die Frauenfrage da noch einmal ganz anders stellt. Aber zugleich glaube ich, dass die Liturgie in erster Linie keine politische Sphäre ist. Sie wird leider viel zu oft dazu gemacht.

Frage: Wie erklären Sie einem säkularisierten Jugendlichen, dass Sie für die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche eintreten, gleichzeitig aber gerne zur Tridentinischen Messe gehen?

Oehler: Vielleicht am besten über den Gedanken der Demut. In der Tridentinischen Liturgie geht es mir und vielen anderen jungen Menschen so, dass man in eine tiefere Form des Gebets findet. Da stehen die persönliche Gottesbeziehung und die Anbetung im Vordergrund. In diesem Moment kann ich sagen: Jetzt geht es nicht um das, wovon ich denke, dass es richtig ist, sondern jetzt füge ich mich in die Weisheit und die Tradition der Kirche. Es geht in dem Moment um Spiritualität und nicht um politische Fragen. Und bei diesen vertraue ich auch auf den Heiligen Geist – damit dieser wirken kann, muss aber natürlich diskutiert werden.

[Link zum Original]

Ein Kommentar zu „Paradoxes zur alten Messe

  1. Vielleicht wird der Eindruck des Paradoxons etwas relativiert, wenn man folgenden Gedanken in Betracht zieht. Vertieft man die – im Ansatz ja bereits durchaus schon bestehende – kryptoprotestantische Trennung Gottesdienst einerseits und Gemeindeleitung andererseits weiter durch die geplante Installierung eines „multiprofessionellen Teams“ für die Gemeindeleitung, gerät der Priester vollends in die Rolle des evangelischen Pastors: des Animationskaspers für Feierliches & Gedöns (https://kirchfahrter.wordpress.com/2018/03/27/sind-die-pfarreien-in-trier-vom-aussterben-bedroht-fsspx-news/).

    Dann könnte durchaus die alte Messe als erbaulich-ästhetische Feier genossen werden, die laiendominierte Gemeindeleitung (ob Männlein oder Weiblein) hätte aber das Sagen – und wer über Personal, Haushalt und Organisation zu bestimmen hat, hat auch das Sagen. In Verwaltung oder Wirtschaft wissen das alle, über eine doch erwünschte „Entlastung“ reden eher die, welche keine Ahnung haben.

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