Dom Guéranger zum vierten Sonntag nach Ostern (3/3)

Zur Vesper.

[…]

Antiphon zum Magnificat.

Ich gehe hin zu Dem, der mich gesandt hat; weil ich euch dies gesagt habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt. Alleluja!

Gebet.

Gott, dessen Werk es ist, daß deine Gläubigen Ein Gemüth und Ein Wille werden; gib deinem Volke den hohen Sinn, zu lieben, was Du geboten, und nach dem zu verlangen, was Du verheißen hast; damit, unter dem Wechsel der zeitlichen Dinge, unsere Herzen dort eine bleibende Stätte finden, wo wahre Freuden zu Hause sind. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Zum Schlusse dieses Tages entlehnen wir die folgende schöne Präfation dem alten gothischen Missale, das Dom Mabillon veröffentlicht hat, und welches lange Zeit bei vielen gallischen Kirchen im Gebrauche war.

Contestatio.

Es ist würdig und gerecht, billig und heilsam, daß wir Dir hier und überall allzeit Dank sagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Aber an dem heutigen Tage der Auferstehung Jesu Christi, unseres Herrn, deines Sohnes, herrscht noch größere Freude in unseren Herzen. Denn das ist der Tag, an welchem für uns die Ursache immerwährender Freude eingetreten ist. Das ist der Tag der Auferstehung des Menschen, der Geburtstag des ewigen Lebens. Das ist der Tag, an welchem wir frühe gesättigt worden sind von deiner Barmherzigkeit und an welchem jener Gebenedeute, der im Namen des Herrn gekommen, unser Gott uns erschienen ist. Dieser ist Jesus Christus, unser Herr, dein Sohn, welcher die Prophezeiungen zur verheißenen Zeit erfüllend, uns nach zwei Tagen heimgesucht hat und am dritten Tage auferstanden ist. Das ist der Tag, durch den Segen großer Wohlthaten ausgezeichnet, der an dem heutigen Feste von den Sterblichen auf dem ganzen Erdkreise freudig gefeiert wird. Denn Aller Tod ist am Kreuze Christi vernichtet worden und bei seiner Auferstehung ist Aller Leben auferstanden.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Achter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1879; S. 212-213]

Dom Guéranger zum vierten Sonntag nach Ostern (2/3)

Zur Messe.

Beim Introitus wendet die Kirche einen der schönsten Gesänge des Psalmisten an. Derselbe preist mit Begeisterung die Wohlthaten, welche ihr göttlicher Bräutigam über sie ausgebreitet; alle Nationen sind berufen, ihre Größe kennen zu lernen; ihr entströmt die Heiligkeit, deren Quelle er ist, und das Heil, zu welchem er alle Menschen berufen hat.

Introitus.

Singet dem Herrn ein neues Lied, Alleluja: denn der Herr hat Wunder gethan, Alleluja: im Angesichte der Völker hat er geoffenbart seine Gerechtigkeit. Alleluja, Alleluja, Alleluja.

Es hat ihm geholfen seine Rechte und sein heiliger Arm.

Ehre sei dem Vater u. s. w.

Singet dem u. s. w.

Mit Wohlthaten Gottes überhäuft, der seine Gläubigen durch die heiligen Sakramente zu einem einzigen Volke vereint hat, müssen diese sich nun dazu aufschwingen, daß sie die Gebote des Herrn lieben und sich nach der ewigen Wonne sehnen, die er ihnen verheißen. Die Kirche erfleht in der Collecte für sie diese Gnade.

Collecte.

O Gott, welcher Du die Herzen der Gläubigen Eines Sinnes machst: gib deinen Gemeinden, daß sie das lieben, was Du gebietest, darnach sich sehnen, was Du verheißest: damit in diesen irdischen Wechselfällen unsere Herzen da fest gegründet seien, wo sich die wahren Freuden finden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Dazu kommen noch zwei von den drei Gebeten, die wir […] angeführt.

Epistel.

Lesung aus dem Briefe des heiligen Apostels Jakobus Cap. 1.

Theuerste! Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk ist von oben herab vom Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung und kein Schatten von Veränderlichkeit ist. Denn aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeuget, damit wir ein Erstling seiner Schöpfung wären. Ihr wisset es, meine geliebtesten Brüder! Es sei darum jeder Mensch schnell zum Hören, langsam aber zum Reden und langsam zum Zorne. Denn der Zorn des Menschen thut nicht, was vor Gott gerecht ist. Darum leget ab alle Unreinigkeit und allen Auswuchs der Bosheit und nehmet an mit Sanftmuth das eingepflanzte Wort, das eure Seelen retten kann.

Die über das christliche Volk ausgebreiteten Gnaden entstammen der Allgüte des himmlischen Vaters. Er ist die Quelle von Allem in der Ordnung der Natur, und wenn in der Ordnung der Gnade wir seine Kinder geworden sind, so hat dies seinen letzten Grund darin, weil wiederum er sein wesensgleiches Wort zu uns gesandt hat. Das ist das Wort der Wahrheit, durch welches wir mittels der Taufe Söhne Gottes geworden. Daraus folgt denn auch, daß wir, soweit dies unserer Schwachheit möglich ist, die göttliche Ruhe unseres Vaters im Himmel nachahmen müssen. Wir sollen uns von jener leidenschaftlichen Aufregung, die ein charakteristisches Zeichen eines ganz verweltlichten Lebens ist, fernhalten. Denn unser Leen soll vom Himmel sein, wohin Gott uns zieht. Der heilige Apostel ermahnt uns, mit Sanftmuth dies Wort anzunehmen, das uns zu dem gemacht hat, was wir sind. Es ist, wie er sagt, ein unseren Seelen eingepflanztes Pfropfreis des Heils; möge es sich dort entwickeln; wenn nur seine Entwickelung nicht durch uns selber gestört wird, dann werden wir gerettet werden.

Im ersten allelujatischen Verse preist der auferstandene Christus durch den Mund des Psalmisten die Macht des Vaters, welcher ihm durch seine Auferstehung den Sieg verliehen hat. Der zweite, dem heiligen Paulus entnommene Vers, verkündigt das unsterbliche Leben unseres göttlichen Wiederauferstandenen.

Alleluja, Alleluja!

Die Rechte des Herrn hat Großes gethan, die Rechte des Herrn hat mich erhöhet. Alleluja.

Nachdem Christus von den Todten auferstanden ist, stirbt er nicht mehr; der Tod wird nicht mehr über ihn herrschen. Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Johannes Cap. 16.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Ich gehe hin zu Dem, der mich gesandt hat, und Niemand von euch frägt mich: ‚Wo gehst du hin?‘ sondern weil ich euch Dieses gesagt habe, hat die Traurigkeit euer Herz erfüllt. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe; denn wenn ich nicht hingehe, so wird der Tröster nicht zu euch kommen; gehe ich aber hin, so were ich ihn zu euch senden. Und wenn Dieser kommt, wird er die Welt überzeugen von der Sünde und von der Gerechtigkeit und von dem Gerichte; von der Sünde nämlich, weil sie nicht an mich geglaubt haben; von der Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe, und ihr mich nicht mehr sehen werdet; und von dem Gerichte, weil der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist. Ich habe euch noch Vieles zu sagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, der wird euch alle Wahrheit lehren; denn er wird nicht von sich selbst reden, sondern was er hört, wird er reden, und was zukünftig ist, euch verkünden. Derselbe wird mich verherrlichen; denn er wird von dem Meinigen nehmen, und es euch verkünden.“

Die Apostel wurden traurig, als Jesus ihnen sagte: „Ich gehe dahin.“ Sind wir es nicht auch, die wir, Dank der heiligen Liturgie, von seiner Geburt in Bethlehem an, ihm Schritt um Schritt gefolgt sind? Noch einige Tage, und er erhebt sich zum Himmel! Das Jahr verliert dann den Reiz, den es Tag um Tag den Thaten und Worten unseres Emmanuel entnommen. Er will uns indessen nicht in einer allzugroßen Trübsal lassen. Er verkündigt uns, daß an seiner Stelle der göttliche Tröster zur Erde herabkommt, daß er bei uns bleiben wird, um uns zu erleuchten und zu stärken bis an’s Ende der Zeit. Nützen wir noch die letzten Stunden aus, die wir mit Jesus zusammen sind; bald wird die Zeit da sein, wo wir uns auf den Empfang des himmlischen Gastes vorbereiten müssen, der ihn ersetzen soll.

Jesus, der diese Worte am Vorabende seines bitteren Leidens sprach, beschränkt sich nicht darauf, uns die Ankunft des Heiligen Geistes als Trost für seine Gläubigen zu zeigen; er läßt ihn gleichzeitig auch als furchtbar für die erscheinen, welche ihren Heiland mißkannt haben. Die Worte Jesu sind ebenso geheimnißvoll, als schrecklich. Entnehmen wir die Erklärung derselben dem ersten Kirchenlichte, dem heiligen Augustinus. „Wenn der Heilige Geist kommt,“ spricht Jesus, „so wird er die Welt überzeugen von der Sünde.“ Warum? „Weil die Menschen nicht an Jesus geglaubt haben.“ Wie groß wird in der That die Verantwortung Jener sein, welche, obgleich Zeugen der von dem Erlöser gewirkten Wunder, dennoch seinem Worte sich nicht hingegeben haben! Jerusalem wird hören, daß der Geist über die Jünger Jesu herab gekommen, und dabei ebenso gleichgiltig bleiben, wie es sich den Wundern gegenüber verhielt, welche ihm seinen Messias bezeichneten. Die Ankunft des Heiligen Geistes ist gleichsam die Einleitung zum Untergang dieser gottesmörderischen Stadt. Jesus fügt bei, daß „der Heilige Geist die Welt von der Gerechtigkeit überzeugen werde, weil,“ so sagt er, „ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr sehen werdet.“ Die Apostel und Alle, die ihnen glauben, werden durch den Glauben heilig und gerecht. Sie glauben an ihn, der zu dem Vater gegangen ist, an ihn, den ihre Augen nicht mehr in dieser Welt sehen. Jerusalem dagegen wird nur an ihn denken, um ihn zu lästern; die Gerechtigkeit, die Heiligkeit, der Glaube derer, die an ihn glauben, werden seine Verwerfung bedeuten, und der Heilige Geist wird es seinem Schicksale preisgeben. Jesus sagt weiter: „Der Heilige Geist wird die Welt überzeugen von dem Gericht;“ und warum? „Weil der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist.“ Die, welche Jesus Christus nicht folgen, haben allerdings einen Fürsten, dem sie folgen. Dieser Fürst ist Satan. Und das Urtheil Satans ist bereits gesprochen. Der Heilige Geist wird also die Jünger der Welt benachrichtigen, daß ihr Fürst auf ewig verworfen ist. Mögen sie das wohl überlegen; „denn,“ fügt der heilige Augustinus bei, „der Hochmuth der Menschen würde Unrecht haben, auf Nachsicht zu rechnen; möge er sich vielmehr die Mühe nicht verdrießen lassen, die unendliche Strafe zu betrachten, welche über die stolzen Engel verhängt worden ist [In Joannem, Tract. XCV].“

Im Offertorium preist der Christ mit den Worten Davids die Wohlthaten Gottes gegen seine Seele. Er gesellt die ganze Erde dem Ausdruck seines Dankes bei und mit Recht; denn die Gnaden, die auf dem Haupte des Christen gehäuft sind, bilden eigentlich ein Gemeingut der ganzen Menschheit, welche der auferstandene Jesus berufen hat, in den heiligen Sakramenten an dem Heile der Erlösung theilzunehmen.

Offertorium.

Jauchzet zu Gott, alle Lande, lobsinget seinem Namen! Kommet und höret, ihr Alle, die ihr Gott fürchtet, so will ich euch erzählen, was Großes der Herr gethan an meiner Seele. Alleluja.

Die heilige Kirche findet in der Betrachtung der Wahrheit, deren Schätze der Heiland ihr anvertraut, ein unaussprechliches Glück. In dem Stillgebet erfleht sie daher für ihre Kinder die Gnade eines reinen Lebens, damit sie verdienen, dereinst die erhabenste Wahrheit in ihrer Quelle ewig zu schauen.

Stillgebet.

O Gott, welcher Du uns durch die verehrungswürdige Theilnahme an diesem Opfer der Einen und höchsten Gottheit theilhaftig gemacht hast: wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir deine Wahrheit nicht nur erkennen, sondern ihr auch durch würdige Sitten nachstreben. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Der Priester fügt dann diesem Stillgebete des Tages noch von den […] angeführten drei Gebeten zwei bei.

Die Antiphon der Communion kommt auf die geheimnißvollen Worte des Evangeliums zurück, welche wir oben erklärt, und in welchen uns die Ankunft des Heiligen Geistes als eine Belohnung für die Gläubigen und als eine Züchtigung für die Ungläubigen geschildert ist.

Communion.

Wenn der Tröster, der Geist der Wahrheit, kommt, wird er die Welt überzeugen von der Sünde und von der Gerechtigkeit und von dem Gerichte. Alleluja, Alleluja.

In der Danksagung für das göttliche Geheimniß, an welchem die Gläubigen eben theilgenommen, lehrt die heilige Kirche ihre Kinder, daß die Eucharistie gleichzeitig die Kraft hat, uns von unseren Sünden zu reinigen und uns vor den Gefahren, deren wir im Leben ausgesetzt sind, zu schützen.

Postcommunio.

O Herr, unser Gott, steh’ uns bei, daß wir durch diese Geheimnisse, welche wir gläubig empfingen, nicht blos von Sünden gereinigt, sondern auch von allen Gefahren erlöst werden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Der Priester fügt dann der Postcommunion dieses Tages zwei von den drei […] angeführten Gebeten bei.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Achter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1879; S. 204-211]

Dom Guéranger zum vierten Sonntag nach Ostern (1/3)

Der vierte Sonntag nach Ostern.

V. In deiner Auferstehung, o Christe, Alleluja.

R. Freuen sich Himmel und Erde, Alleluja.

Wir haben gesehen, wie Jesus seine Kirche gründete und als ein anvertrautes Gut die Wahrheiten unseres Glaubens in die Hände seiner Apostel niederlegte. Es gibt noch ein für die Welt nicht minder wichtiges Werk, dem er die letzten Tage seines Aufenthaltes auf Erden widmete: es ist dies die definitive Einsetzung der Sakramente. Es genügt noch nicht, zu glauben, wir müssen auch gerechtfertigt, das heißt der Heiligkeit Gottes gemäß werden; die Gnade, eine Frucht der Erlösung, muß in uns einkehren, muß sich in uns verkörpern. Nur auf diese Weise werden wir lebendige Glieder unseres göttlichen Hauptes, und damit auch die Miterben seines Reiches. Mittels der Sakramente nun bewirkt Jesus dies Wunder der Rechtfertigung in uns; das sind die Mittel, die er in seiner Macht und Weisheit angeordnet hat, um die Verdienste seiner Menschwerdung und seines Opfertodes uns zuzuwenden.

Da er der höchste Herr der Gnade ist, so kann er auch vollkommen frei die Quellen wählen, durch welche er sie uns zukommen lassen will; an uns ist es, sich seinem Willen zu fügen. Jedes Sakrament wird demnach ein Gesetz der Religion bilden, und kein Mensch kann auf die Wirkungen, die es hervorbringen soll, einen Anspruch erheben, wenn er sich nicht herbeilassen will oder es verabsäumt, die Bedingungen zu erfüllen, die dasselbe an ihn stellt. Es ist das eine bewundernswerthe Oekonomie, welche einerseits die demüthige Unterwerfung des Menschen und andererseits die verschwenderischste Fülle göttlicher Freigebigkeit in demselben Acte zusammenfaßt.

Vor wenigen Tagen haben wir gezeigt, wie die Kirche zugleich eine geistige und eine sichtbare, äußere Gesellschaft ist, weil ja der Mensch, für den sie bestimmt, ebenfalls aus Leib und Seele besteht. Als nun Jesus seine Sakramente einsetzte, schuf er auch für jedes derselben einen wesentlichen Ritus, und dieser Ritus ist ein äußerer, mit den Sinnen wahrnehmbarer. Als das Wort Fleisch geworden, da machte er das letztere in seinem Leiden am Kreuze zum Werkzeuge unseres Heiles. Mit dem Blut seiner Adern hat er uns wiedererkauft. Im weiteren Verfolg dieses geheimnißvollen Planes gebraucht er nun die Elemente der physischen Natur auch zum Werke unserer Rechtfertigung; er erhebt sie über die natürliche Ordnung und macht aus ihnen die treuen und mächtigen Leiter seiner Gnade bis in das Innerste unserer Seelen. So wendet er bis in seine weitesten Folgen das Geheimniß der Menschwerdung an, welches bezweckte, uns durch sichtbare Dinge zur Kentniß und zum Besitz unsichtbarer Dinge zu erheben. So wird auch der Hochmuth Satans gebrochen, der die menschliche Creatur verachtete, weil sie die Materie mit der geisten Größe verband, und welcher zu seinem ewigen Unheil das Knie vor dem menschgewordenen Worte zu beugen sich weigerte.

Gleichzeitig bilden die göttlichen Sakramente durch ihr äußeres Zeichen ein neues Band zwischen den Gliedern der Kirche, die bereits durch ihre Unterwerfung unter Petrus und die von ihm gesendeten Hirten, sowie durch das Bekenntniß desselben Glaubens unter sich geeint sind. Der Heilige Geist sagt uns in der Schrift, daß „eine dreifache Schnur nicht so leicht reißt [Eccl. 4, 12];“ eine solche aber hält uns in der glorreichen Einheit der Kirche: Hierarchie, Dogma und Sakramente. Von Nord bis Süd, von Ost bis Westen verkünden die Sakramente die christliche Brüderschaft. Sie sind allerorts ihr Erkenntnißzeichen, sowie ihr unterscheidendes Merkmal von den Ungläubigen. Deßhalb sind auch die Sakramente bei allen getauften Völkern dieselben, mögen auch die liturgischen Formen ihrer Ausspendung verschieden sein: überall ist der Grund derselbe und dieselbe Gnade wird unter den nämlichen wesentlichen Zeichen hervorgebracht.

Unser göttlicher Heiland wählte die Zahl Sieben als Zahl der Sakramente. Diese Siebenzahl sehen wir in großen und heiligen Dingen häufig wiederkehren. Wir finden sie schon in der Wocheneintheilung, dem Bilde der Weltschöpfung, die Gott in sechs Tagen schuf, an welche sich der siebente als Ruhetag anschloß. Der Sohn Gottes, die ewige Weisheit des Vaters, offenbart uns schon im Alten Testament, daß er sich ein Haus bauen wolle, die heilige Kirche, das auf sieben Säulen ruhen solle [Sprüchw. 9, 1]. Diese Kirche ist auch im Bundeszelte Mosis vorgebildet, und da traf Gott die Anordnung, daß ein prachtvoller siebenarmiger Leuchter, dessen Arme mit Blumen und Früchten geziert sein solle, Tag und Nacht das Heiligthum erleuchte [Exod. 25, 37]. Als der Heiland den Liebesjünger in den Himmel verzückte, da zeigte er sich ihm umgeben von sieben Leuchtern, in seiner Hand sieben Sterne [Offenb. 1, 12. 16]; als er sich im Bilde des siegreichen Lammes schauen ließ, hatte dasselbe sieben Hörner als Zeichen seiner Kraft und sieben Augen als Zeichen seiner unendlichen Wissenschaft [Ebend. 5, 6]. Neben ihm liegt die Buchrolle, dieselbe ist mit sieben Siegeln verschlossen und nur das Lamm kann sie öffnen [Ebend. 5, 5]. Vor dem Throne der göttlichen Majestät gewahrt der Jünger sieben selige Geister, wie sieben Lampen brennend [Ebend. 4, 5], stets bereit, das geringste Wort Jehova’s an die äußersten Enden der Schöpfung zu tragen.

Werfen wir jetzt unsere Blicke nach dem Reiche der Finsterniß, so sehen wir den Geist der Bosheit am Werke, die That Gottes in ihr Gegentheil zu kehren; wir finden auch die Siebenzahl, die wir als heilig erkannten. Hier aber erscheint sie n ur, um diese Heiligkeit zu beschmutzen, indem sie dem Uebel geweiht wird. Wir haben da vor Allem die sieben Hauptsünden, das Werkzeug seines Sieges über den Menschen; und der Herr belehrt uns: wenn Satan in seiner Wuth sich auf eine Seele stürzt, nimmt er die sieben boshaftesten Geister des Abgrundes mit sich. Wir wissen, daß Magdalena, die glückselige Büßerin, das Leben der Seele erst wiederfand, nachdem der Herr sieben Teufel aus ihr ausgetrieben. Diese Herausforderung seitens des Geistes der Bosheit wird nun auch den auf die sündige Welt fallenden göttlichen Zorn veranlassen, sich ebenfalls an die Siebenzahl zu halten. Der heilige Johannes sagt uns, daß sieben Posaunen, von sieben Engeln geblasen, die letzten Zuckungen des Menschengeschlechtes ankündigen werden [Offenb. 8, 2]; und daß darauf sieben andere Engel die sieben Schaalen des göttlichen Zornes über die schuldige Erde ausgießen werden [Ebend. 15, 1].

Wir, die wir gerettet werden, die wir in diesem Leben der Gnade, im künftigen der seligen Anschauung unseres göttlichen Wiederauferstandenen uns freuen wollen, wir grüßen voll Ehrfurcht und Dankbarkeit die barmherzige Siebenzahl der Sakramente. Unter dieser heiligen Zahl faßt er alle Formen seiner Gnade zusammen. Durch die Taufe und die Buße erweckt er uns vom Tode zum Leben; durch die Firmung, das Sakrament des Altars und die letzte Oelung erhält und kräftigt er in uns das übernatürliche Leben; durch die Priesterweihe und die Ehe sorgt er für den Dienst und die Ausbreitung seiner Kirche. Es gibt kein Bedürfniß der Seele, keine Noth der christlichen Gesellschaft, denen er nicht durch diese für uns eröffneten und unaufhörlich fließenden Quellen der Wiedergeburt und des Lebens Genüge geleistet hätte. Die sieben Sakramente genügen Allem. Eines weniger, so wäre die Harmonie gebrochen. Die seit so vielen Jahrhunderten von der katholischen Einheit getrennten orientalischen Kirchen bekennen mit uns sieben Sakramente; und der diese heilige Zahl antastende Protestantismus hat eben dadurch, wie durch seine anderen angeblichen Reformen gezeigt, daß der christliche Sinn ihm abging. Das wundert uns durchaus nicht. Alle sieben Sakramente drängen sich förmlich dem Glauben auf. Die demüthige Unterwerfung des Gläubigen muß denselben, als von dem höchsten Herrn kommend, annehmen; und wenn dann seine göttliche Größe und Wirksamkeit sich der Seele offenbaren, dann begreifen wir, weil wir geglaubt haben. Credite et intelligetis.

Heute nun widmen wir Bewunderung und Dank dem ersten Sakramente, der Taufe. Die österliche Zeit zeigt uns dasselbe in seiner ganzen Herrlichkeit. Wir haben am Charsamstag gesehen, wie es die Sehnsucht des glücklichen Katechumenen stillt, und ganze Völker für das himmlische Vaterland wiedergebiert. Aber dieses göttliche Geheimniß hat auch eine gewisse Vorbereitung haben müssen. Am Feste der Erscheinung des Herrn beteten wir unseren göttlichen Emmanuel an, der in die Fluthen des Jordans stieg und dem Elemente des Wassers durch die Berührung mit seinem heiligen Leibe die Kraft verlieh, alle Flecken der Seele abzuwaschen. Der Heilige Geist, die mystische Taube, ruhte auf dem Haupte des Gottmenschen und befruchtete das Element, welches das Werkzeug unserer Wiedergeburt werden sollte, während die Stimme des Vaters in den Wolken ertönte und die Annahme aller Getauften an Kindesstatt in seinem Sohne Jesus Christus, dem Gegenstande seines ewigen Wohlgefallens, verkündete.

Während seines irdischen Lebens spricht sich der Erlöser schon vor einem Schriftgelehrten über seine Absichten aus: „Wenn Jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen [Joh. 3, 5].“ Fast durchgängig kündigt Jesus voraus an, was er einmal thun werde; aber er vollbringt es nicht sofort. Wir erfahren da nur, weil unsere erste Geburt nicht rein gewesen, werde er uns eine zweite heilige bereiten, und diese soll durch das Wasser bewerkstelligt werden.

In diesen Tagen aber ist der Augenblick gekommen, wo unser Emmanuel die dem Wasser verliehene Gewalt förmlich erklärt: es soll in uns die durch den Vater gewollte Annahme an Kindesstatt hervorbringen. Jesus wendet sich an seine Apostel, und mit der Majestät eines Königs, der das Grundgesetz seines Reiches verkündet, sagt er: „Gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes [Matth. 28, 19].“ Das Heil durch’s Wasser, unter Anrufung der glorreichen Dreifaltigkeit, ist die Grundwohlthat, die er der Welt verkündet. „Denn,“ so sagt er weiter, „wer da glaubt und sich taufen läßt, der wird selig werden [Mark. 16, 16].“ Welch’ eine Offenbarung voll Barmherzigkeit für das Menschengeschlecht! Es ist das gewissermaßen die Einführung aller Sakramente durch die Erklärung des ersten, welches nach der Sprache der heiligen Väter die Pforte aller übrigen ist!

Auch wir verdanken ihm das Leben unserer Seele! Wir verdanken ihm das ewige geheimnißvolle Siegel, das uns zu Gliedern Jesu macht. Grüßen wir voll Liebe dies erhabene Geheimniß! Ludwig der Heilige, der aus den bescheidenen Quellen von Poissy getauft wurde, unterzeichnete sich sehr gerne als Louis von Poissy. Er betrachtete die Taufquelle als eine Mutter, die ihn zu dem himmlischen Leben geboren; und er vergaß seine königliche Geburt, um sich daran zu erinnern, daß er als Kind Gottes geboren wurde. Unsere Gefühle sollten dieselben sein, wie die dieses heiligen Königs.

Voll Ehrfurcht bewundern wir auch, wie sich der göttliche Heiland dem Bedürfnisse anbequemte, als er dies unerläßlichste aller Sakramente einsetzte. Der Stoff, den er wählte, ist der allerverbreitetste, der allerzugänglichste. Brod, Wein, Olivenöl sind nicht überall auf der Erde zu haben; das Wasser aber fließt aller Orten; ohne Wasser gibt es keine Menschen; die göttliche Vorsehung hat es selbst in vielerlei Weise gegeben, damit an dem vorherbestimmten Tage die Quelle der Wiedergeburt jedem sündigen Menschen zugänglich sei.

Die übrigen Sakramente hat der Heiland dem Priesterthume anvertraut, um sie auszuspenden. Mit der Taufe ist es anders. Sie kann jeder Gläubige ausspenden, ohne Unterschied des Geschlechtes, ohne Rücksicht darauf, ob er sich im Zustande der Gnade befindet oder nicht. Ja, noch mehr: jeder Mensch, selbst wenn er nicht einmal ein Glied der christlichen Kirche wäre, kann durch das Wasser und die Anrufung der heiligen Dreifaltigkeit die Taufgnade, die nicht in ihm ist, einem Anderen übertragen, unter der einzigen Bedingung, daß er ernstlich das thun will, was die heilige Kirche thut, wenn sie das Sakrament der Taufe spendet.

Und selbst das ist nicht Alles. Der Spender des Sakramentes kann dem Menschen im Augenblicke des Todes fehlen; die Ewigkeit kann sich vor ihm öffnen, ohne daß die Hand eines Anderen sich ausstrecke, um das reinigende Wasser über sein Haupt zu gießen; aber der göttliche Einsetzer der Wiedergeburt der Seelen verläßt den Menschen nicht in diesem entscheidenden Augenblick. Wenn er glaubt, wenn er mit aller Gluth seiner Seele die Taufe verlangt, wenn das Gefühl der Zerknirschung und der Liebe, das der Täufling zur Taufquelle mitbringen muß, ihn beseelt, dann mag er ruhig sterben: die Pforte des Himmels öffnet sich auch der Begiertaufe.

Doch das Kind, welches den Gebrauch seiner Vernunft noch gar nicht erlangt hat und welches der Tod vielleicht wenige Stunden nach seiner Geburt hinwegmähen wird, – sollte das bei dieser allgemeinen Gnadenaustheilung vergessen sein? Jesus hat gesagt: „Wer da glaubt und sich taufen läßt, der wird selig werden;“ wie soll nun dies schwache Wesen, das mit der Erbsünde belastet ist, dessen Leben in wenigen Augenblicken erlischt, Heil erlangen? Es ist ja noch gar nicht fähig, zu glauben! Beruhigt euch! Auch es kann der Gnadenwirkungen der heiligen Taufe theilhaftig werden. Der Glaube der Kirche, welche das Kind für sich verlangt, gilt auch für es. Man gieße nur Wasser über sein Haupt unter Anrufung der drei göttlichen Personen, und es ist dann Christ für immer. Im Glauben der Kirche getauft, ist dieser Glaube jetzt, wenn auch ihm unbewußt, in ihm, und dazu auch noch die Hoffnung und die Liebe. Dies ist eben ein durch das sakramentale Wasser hervorgebrachtes Wunder. Wenn jetzt auch dieser zarte Sprosse des menschlichen Geschlechtes stirbt: das Himmelreich gehört ihm.

Solche Wunder, o Erlöser, hast Du durch das erste Sakrament gewirkt kraft jenes aufrichtigen Willens, womit Du willst, daß Alle selig werden [1. Tim. 2, 4]. Diejenigen aber, bei welchen dieser dein aufrichtiger Wille nicht seine Verwirklichung findet, entgehen der Gnade der Wiedergeburt nur durch die früher begangene Sünde, die Erbsünde; und deine ewige Gerechtigkeit gestattet Dir nicht, in allen Fällen der Sünde zuvor zu kommen oder deren Folgen wieder aufzuheben. Aber gleichwohl ist deine Barmherzigkeit zu Hilfe gekommen. Sie hat ihre Netze ausgeworfen und unzählige Auserwählte sind in dieselben gefallen. Das heilige Wasser träufelte auf die Stirne des im Arme seiner heidnischen Mutter sterbende Kind, und die Engel öffneten ihre Reihen, den glücklichen Flüchtling aufzunehmen. Beim Anblick so großer und mannichfaltiger Wunder, was bleibt uns da übrig, als mit dem Psalmisten zu rufen: „Wir, die leben, preisen den Herrn.“

Der vierte Sonntag nach Ostern heißt in der griechischen Kirche der Sonntag der Samaritanerin, weil man an demselben die Evangelienstelle liest, in welcher das Zusammentreffen des göttlichen Heilandes mit diesem Weibe geschildert wird.

Die römische Kirche beginnt heute in ihrem Nocturn die Lesung der sogenannten canonischen Briefe, die sie bis zum Pfingstfeste fortsetzt.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Achter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1879; S. 194-204]

Via Alpina Sacra

Der durch seine Medienarbeit bekannte Priester Johannes Maria Schwarz (man denke an seinen Film über die heilige Messe oder seine katechetischen Projekte), der vor einigen Jahren zu Fuß nach Jerusalem gepilgert war, und auch zu Fuß wieder in die Heimat zurückkehrte, wird in diesem Sommer eine weitere Pilgerfahrt unternehmen. Wiederum zu Fuß geht es quer durch die Alpen entlang der Via Alpina Sacra. Hier stellt Don Johannes sein Projekt vor:

Weitere Informationen über Don Johannes hat Tu Domine zusammengestellt.

FSSP am Sonntag vom Guten Hirten

Zum Sonntag vom Guten Hirten, wie der zweite Sonntag nach Ostern auch genannt wird, ist es in Priesterseminaren der Tradition üblich, ein Apostolat der jeweiligen Gemeinschaft zu besuchen, um das Seminar zu präsentieren und den Herrn um Berufungen zum Priestertum zu bitten. Wohin der deutschsprachige Teil des Seminars der Priesterbruderschaft St. Petrus gefahren ist, darüber lässt sich nichts finden, aber der französischsprachige Teil reiste nach Belfort im Osten von Frankreich.

Einige weitere Bilder bietet, wie immer, der französischsprachige Blog des Priesterseminars in Wigratzbad.

Priesterweihe in Lagrasse

Am vergangenen Wochenende weilte Robert Kardinal Sarah, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, in Frankreich, um in der geschichtsträchtigen und beeindruckenden Abtei Sainte-Marie de Lagrasse unweit von Carcassonne eine Priesterweihe zu spenden.

Das Kloster, ursprünglich von Benediktinern errichtet und mit Leben erfüllt, beherbergt heute Regularkanoniker, die sich der Tradition verschrieben haben.

Handauflegung durch alle anwesenden Priester (man kann einen weiteren Bischof sehen, sowie Dom Louis-Marie, Abt der Benediktinerabtei Sainte-Madeleine du Barroux):

Salbung der Hände des neuen Priesters:

Weitere Bilder von der Priesterweihe bietet die Internetseite von Sainte-Marie de Lagrasse.

Nicolas Diat, der mit Kardinal Sarah zwei Interviewbücher geschrieben hat, veröffentlichte über sein Konto bei Twitter auch einige Bilder vom hohen Besuch aus Rom.

Privatmesse des Kardinals im überlieferten Ritus am Freitag vor der Priesterweihe am Samstag:

Kardinal Sarah im Kreis der Regularkanoniker:

Das erste der beiden angesprochenen Interviewbücher heißt „Gott oder Nichts. Ein Gespräch über den Glauben“. Erzbischof Georg Gänswein verfasste das Vorwort. Das zweite Buch trägt den Titel „Kraft der Stille. Gegen eine Diktatur des Lärms“ und hat ein Vorwort von Papst Benedikt XVI. Beide Bücher sind im fe-Medienverlag erschienen.

Dom Guéranger zum dritten Sonntag nach Ostern (3/3)

Zur Vesper.

Antiphon.

Jakob aber zeugte Joseph, den Mann Mariä, von welcher geboren wurde Jesus, der genannt wird Christus. Alleluja!

109. Psalm.

Es sprach der Herr u. s. w.

[…]

Antiphon.

Der Engel Gabriel ward von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, mit Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, die mit einem Manne vom Hause Davids verlobt war, welcher Joseph hieß. Alleluja!

110. Psalm

Lobsingen will ich Dir u. s. w.

[…]

Antiphon.

Es gib auch Joseph aus Galiläa von der Stadt Nazareth nach Judäa in die Stadt Davids, welche Bethlehem heißt. Alleluja!

111. Psalm.

Glückselig der Mann u. s. w.

[…]

Antiphon.

Und sie kamen eilends, und fanden Maria und Joseph, und das Kind in der Krippe liegen. Alleluja! Alleluja!

112. Psalm.

Lobet den Herrn u. s. w.

[…]

Antiphon.

Und Jesus war, als Er anfing, ungefähr dreißig Jahre alt, und wurde für einen Sohn Josephs gehalten. Alleluja!

116. Psalm.

Lobet den Herrn, alle Völker; lobet ihn, alle Nationen.

Denn es ist bestätigt über uns seine Barmherzigkeit und die Wahrheit des Herrn bleibt in Ewigkeit.

Capitulum.

(Genesis 49.)

Der Segen deines Vaters wird übertreffen den Segen seiner Väter, bis da kommet das Verlangen der ewigen Hügel. Er komme über Josephs Haupt und über den Scheitel des Nazaräers unter seinen Brüdern.

Hymnus.

Himmelsschaaren singen, Joseph, dir zur Ehre,
Dir ertönen festlich aller Christen Chöre;
Mit der hohen Jungfrau, die sich Gott erwählet,
Warst im keuschen Bund vermählet.

Als die Braut im Schoße hehre Frucht verhüllte
Und ein banger Zweifel dir dein Herz erfüllte,
Lehrt ein Engel, daß vom Heil’gen Geist empfangen
Jenes Kind; und tilgt dein Bangen.

Als der Herr geboren, stehst du ihm zur Seite,
Flüchtig nach Aegypten folgst du ihm mit Freude,
Triffst im Tempel dein verlornes Kind mit Sehnen,
Unter hellen Freudenthränen.

Andre schmücket erst nach ihrem Tod die Krone,
Und wer es verdienet, nimmt die Palm zum Lohne:
Du bist schon im Leben Engeln gleich beglücket,
Schaust Gott, deinen Herrn, entzücket.

Heiligste Dreieinigkeit! höre unser Flehen,
Laß auf Josephs Fürsprach’ uns zu deinen Höhen,
Daß in deinem Reich wir unsre Huld’gung bringen,
Endlich ew’gen Dank Dir singen.
Amen.

Versikel.

V. Unter seinem Schatten, wonach ich verlangt habe, sitze ich; Alleluja!

R. Und seine Früchte sind süß meinem Gaumen. Alleluja!

Antiphon zum Magnifikat.

Kind! warum hast Du uns das gethan? Siehe! dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht. Alleluja!

Gebet.

Gott! der Du in deiner unaussprechlichen Vorsehung den seligen Joseph zum Bräutigam deiner allerheiligsten Gebärerin gütigst auserwählen wolltest: verleih’, wir bitten Dich, daß wir, die wir ihm auf Erden als unsern Beschützer verehren, ihn auch als unsern Fürsprecher im Himmel erfahren mögen. Der Du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Hierauf gedenkt man des dritten Sonntags nach Ostern durch folgende Antiphon, Versikel und Gebet.

Antiphon.

Wahrlich, wahrlich sag’ ich euch: ihr werdet weinen und wehklagen; aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein; aber eure Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden. Alleluja!

V. Bleibe bei uns, Herr! Alleluja!

R. Denn es wird Abend. Alleluja!

Gebet.

Gott! der Du den Irregegangenen das Licht deiner Wahrheit zeigest, damit sie wieder auf die Bahn der Gerechtigkeit zurücktreten können; verleih’ Allen, die den Christennamen führen, Kraft und Muth, das zu verabscheuen, was diesen schönen Namen entehrt, und dem nachzustreben, was ihm Ehre macht. Durch Christum, unseren Herrn. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Achter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1879; S. 145-148]

Dom Guéranger zum dritten Sonntag nach Ostern (2/3)

Zur Messe.

An diesem dem heiligen Joseph als dem Schützer der Gläubigen gewidmeten Feste legt uns die heilige Kirche im Introitus die Worte in den Mund, womit David sein Vertrauen auf den Schutz des Herrn ausgedrückt hat. Der heilige Joseph ist der Vermittler dieses göttlichen Schutzes, und Gott verheißt uns denselben, wenn wir uns an seinen unvergleichlichen Diener wenden.

Introitus.

Unser Helfer und Schützer ist der Herr; in ihm freut sich unser Herz und auf seinen Namen haben wir gehofft. Alleluja, Alleluja.

Lenker Israels, merke auf, der Du Joseph führst wie ein Schaf.

Ehre sei dem Vater.

Unser Helfer.

In der Collecte preist die Kirche die Wahl des heiligen Joseph, den Gott ausersehen, der Gemahl der Maria zu werden; sie belehrt uns zugleich, daß diese Wahl die Wirkung hatte, uns eines Schützers zu versichern, der durch seine Alles vermögende Fürsprache unsere Huldigungen vergelten wird.

Collecte.

Gott! der Du in deiner unaussprechlichen Vorsehung den seligen Joseph zum Bräutigam deiner allerheiligsten Gebärerin gütigst auserwählen wolltest: verleih’, wir bitten Dich, daß wir, die wir ihn auf Erden als unsern Beschützer verehren, ihn auch als unsern Fürsprecher im Himmel erfahren mögen. Der Du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Hierauf geschieht des dritten Sonntags nach Ostern in folgendem Gebete Erwähnung.

Collecte.

O Gott, welcher Du den Irrenden das Licht deiner Wahrheit zeigest, damit sie auf die Bahn der Gerechtigkeit zurückkehren können: gib Allen, die sich zur christlichen Lehre bekennen, die Gnade, Das zu verschmähen, was dem Christennamen nicht ansteht, und Dem nachzustreben, was ihm ansteht. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Epistel.

Lesung des Buches Genesis Cap. 49.

Ein Zuwachs ist der Sohn Joseph, ein wachsender Sohn und lieblichen Anblicks: die Töcher liefen die Mauer ab. Aber sie erbitterten ihn, und haderten und neideten ihm, ihre Wurfspieße schleudernd. Doch ruhete sein Bogen auf dem Starken, seiner Arme und Hände Fesseln lösten sich durch die Hände des Helden Jacobs. So ging der Hirt hervor, der Grundstein Israels. Der Gott deines Vaters wird dein Helfer sein. Der Allmächtige wird dich segnen, mit Segen des Himmels von oben, mit Segen der Erde von unten, mit Segen der Brüste und des Mutterleibs. Der Segen deines Vaters wird übertreffen den Segen seiner Väter, bis da kommet das Verlangen der ewigen Hügel. Er kömme über Josephs Haupt, und über den Scheitel des Nazaräers unter seinen Brüdern.

Diese herrliche Prophezeiung des sterbenden Jakob, der seinem Sohne Joseph das glänzende Loos verkündet, das ihm persönlich, wie in seinen Nachkommen beschieden ist, kommt an diesem Tage sehr gelegen, um uns an die rührenden Beziehungen zwischen den beiden Joseph zu erinnern, welche der heilige Bernard so beredt entwickelt. Wir haben schon am 19. März auf dieselben hingewiesen, und der fromme Leser hat sich überzeugen können, daß der erste Joseph ein Vorbild des zweiten war. Nachdem der greise Patriarch die Bestimmung seiner zehn ersten Kinder vorher gesagt, weilt er mit Wohlgefallen auf dem Sohne der Rachel. Nachdem er seine Schönheit gelobt, erinnert er ihn an die Verfolgung durch seine Brüder, und an die wunderbaren Wege, durch welche Gott ihn aus ihren Händen befreite, und zur Gewalt führte. Von da an zeichnet Jakob diesen Sohn seiner Liebe in Herrlichkeit und als den Typus des zweiten Joseph. Wer hat besser als der Gemahl der Maria, der Beschützer der Gläubigen, verdient, der Hirte eines Volkes, der Grundstein Israels genannt zu werden? Wir alle sind seine Familie; er wacht voll Liebe über uns, und in unseren Kümmernissen können wir auf ihn, wie auf einen unerschütterlichen Felsen unser Vertrauen setzen. Das ERbe des heiligen Joseph ist die Kirche, welche die Wasser der Taufe beständig befruchten und fruchtbar machen. Da übt er seine wohlthuende Macht über die, welche auf ihn vertrauen. Jakob verheißt dem ersten Joseph unermeßlichen Segen, welcher bis zu dem Tage dauern soll, bis da kommt der verheißene Erlöser von den ewigen Hügeln. Dann wird das Amt des zweiten Joseph beginnen, ein Amt der Hilfe und des Schutzes, das dauern soll, bis wiederum der Sohn Gottes herab kommt. Wenn endlich der erste Joseph als der Nazaräer, d. h. der Gottgeweihte, unter seinen Brüdern im Voraus geheiligt worden ist, so wird der zweite diese Vorhersagung noch buchstäblicher erfüllen. Denn nicht nur überragt seine Heiligkeit weitaus die des Sohnes Jakobs, auch seine Wohnung wird Nazareth sein. In dieser Stadt wird er mit Maria weilen, in diese Stadt kehrt er aus Aegypten zurück, in dieser Stadt wird er sein heiliges Leben vollenden, und weil er endlich mit seinem Pflegesohn Jesus, dem ewigen Worte, in dieser Stadt gewohnt hatte, wird er der Nazaräer genannt werden [Matth. 2, 23].

Es kommt nun der Versikel Alleluja. Im ersten Verse vernehmen wir die Stimme des heiligen Joseph. Er lädt die Gläubigen ein, zu ihm ihre Zuflucht zu nehmen, und verspricht ihnen alsbaldige Hilfe. In dem zweiten Verse erfleht die Kirche für ihre Kinder die Gnade, daß sie beflissen seien, der Reinheit des Gemahls der Maria nachzueifern; zugleich bittet sie um dessen Hilfe für dieselben.

Alleluja, Alleluja!

V. In welcher Wirrsal immer sie zu mir rufen, so will ich sie erhören, und ihr Schützer sein allezeit. Alleluja.

V. Laß unschuldig, o Joseph, unser Leben dahinfließen. Es sei stets sicher unter deinem Schutz. Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Lukas Cap. 3.

In jenen Tagen, als alles Volk sich taufen ließ, geschah es, daß auch Jesus getauft wurde, und da Er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist stieg in leiblicher Gestalt gleich einer Taube auf Ihn herab, und eine Stimme erscholl vom Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an Dir habe Ich mein Wohlgefallen. Und Jesus war, als Er anfing, ungefähr dreißig Jahre alt, und wurde für einen Sohn Josephs gehalten.

„Jesus wurde für einen Sohn Josephs gehalten!“ Die kindliche Liebe Jesu für seine Mutter, die der reinsten Jungfrau schuldigen Rücksichten gingen so weit, daß der Sohn Gottes dreißig Jahre lang nach Namen und Aeußeren als der Sohn Josephs gehalten sein wollte. Joseph hörte sich Vater nennen von dem unerschaffenen Wort, dessen Vater von Ewigkeit ist. Von einem sterblichen Menschen hat dasselbe die Dienste und die Nahrung angenommen, die man einem Kinde in den ersten Jahren des Lebens widmet und gewahrt. Joseph ist das Haupt der heiligen Familie von Nazareth gewesen, und Jesus hat seine Autorität anerkannt. Der Plan der göttlichen Menschwerdung brachte es eben mit sich, daß ganz erstaunliche Beziehungen zwischen Schöpfer und Geschöpf entstehen sollten. Wenn aber der zur Rechten des Vater sitzende Sohn Gottes die mit seiner göttlichen Person unlösbar verbundene menschliche Natur beibehalten hat, dann hat er sich auch mit nichten der Gefühle entäußert, welche er nienieden gegenüber den beiden andern Glieder der Familie von Nazareth bekannte. Gegen Maria, die in der menschlichen Ordnung ewig seine Mutter bleiben wird, konnte die kindliche Liebe und Ehrfurcht nur wachsen. Aber wir können auch daran nicht zweifeln, daß die Zuneigung und die Unterwürfigkeit, die er seinem Pflegevater zeigte, ebenfalls auf ewig in dem Herzen des Gottmenschen vorhanden sind. Kein Sterblicher stand in so innigen und vertrauten Beziehungen zu Jesus. Durch seine dem Sohne der Maria gewidmete väterliche Fürsorge hat Joseph in dem Sohne des Ewigen das Gefühl der Dankbarkeit erweckt; es ist nur billig zu denken, daß besondere Ehren und eine höhere Macht im Himmel diesem Gefühle der Dankbarkeit entsprechen. Das ist auch die Meinung der Kirche, darauf gründet sich auch das Vertrauen frommer Seelen, das ist endlich der Grund, weßhalb das heutige Fest eingesetzt worden ist.

Im Offertorium, das dem 147. Psalm entnommen ist, wird Jerusalem, das heißt die Kirche, wegen der Sorge, die Gott um sie getragen, beglückwünscht; denn er hat sie durch starke Bollwerke gegen ihre Feinde geschützt. Eines der stärksten dieser Bollwerke ist der Schutz des heiligen Joseph.

Offertorium.

Lobe, Jerusalem, den Herrn, denn er hat die Riegel deiner Thore befestigt, deine Kinder in dir gesegnet. Alleluja, Alleluja.

Im Stillgebete erfleht die Kirche für ihre Kinder die Gnade, daß sie dem Zimmermann von Nazareth in der Ablösung von allen irdischen Dingen nachstreben.

Stillgebet.

Wir bitten Dich, o Herr, laß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner allerheiligsten Gebärerin geholfen werden, damit, was unser eigenes Vermögen nicht erlangt, durch seine Fürbitte uns gegeben werde. Der Du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.

Dann geschieht des dritten Sonntags nach Ostern im folgenden Gebete Erwähnung:

Stillgebet.

O Herr, durch diese Geheimnisse möge uns die Gnade werden, jedes irdische Verlangen zu zügeln und dafür die Liebe zum Himmlischen zu lernen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Als Antiphon der Communion dient die Stelle aus dem heiligen Matthäus, in welcher der Evangelist den glorreichen Titel unseres großen Beschützers niederlegt: „Joseph, der Mann Mariä,“ und den noch glorreicheren Titel Marias: „Von welcher geboren wurde Jesus.“

Communion.

Jakob aber zeugte Joseph, den Mann Mariä, von welcher geboren wurde Jesus, der genannt wird Christus. Alleluja!

In der Postcommunio bittet die heilige Kirche, daß Joseph unser Schützer in diesem Leben, auch bezüglich unseres ewigen Glückes uns seine Sorge widmen möge.

Postcommunio.

Gestärkt an der Quelle himmlischer Gaben, bitten wir Dich, o Herr, unser Gott, der Du uns des Schutzes des seligen Joseph genießen ließest, daß wir durch dessen Verdienste und Fürbitte auch der ewigen Herrlichkeit theilhaftig werden mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen.

Zur Erinnerung an den dritten Sonntag nach Ostern wird dem noch folgendes Gebet beigefügt:

Postcommunio.

O Herr, wir bitten Dich, die Sakramente, die wir empfingen, mögen uns nicht nur durch ihre geistige Nahrung neu beleben, sondern auch unser körperliches Leben durch ihre Hilfe beschirmen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Am Schlusse der Messe wird das Evangelium des dritten Sonntags nach Ostern gelesen.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Johannes Cap. 16.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen; und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen, denn ich gehe zum Vater.“ Da sprachen Einige von seinen Jüngern unter einander: „Was ist das, daß er zu uns sagt: ‚Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen; und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen,‘ und ‚denn ich gehe zum Vater?‘“ Sie sprachen also: „Was ist das, daß er spricht: ‚Noch eine kleine Weile?‘ Wir wissen nicht, was er redet.“ Jesus aber wußte, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: „Ihr fraget unter euch darüber, daß ich gesagt habe: ‚Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen.‘ Wahrlich, wahrlich sag’ ich euch, ihr werdet weinen und wehklagen; aber die Welt wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein; aber eure Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden. Das Weib, wenn es gebärt, ist traurig, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, so denkt sie nicht mehr an die Angst, wegen der Freude, daß ein Mensch zur Welt geboren ist. Auch ihr habt jetzt zwar Trauer, aber ich werde euch wieder sehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude wird Niemand von euch nehmen.“

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Achter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1879; S. 136-145]