Dom Guéranger zum zweiten Sonntag nach Ostern (2/3)

Zur Messe.

Der Introitus athmet Triumph. Die Worte sind David entnommen. Er preist die Barmherzigkeit des Herrn, welche sich durch die Gründung der Kirche über die ganze Erde ausgegossen hat. Die Himmel, welche in der geheimnißvollen Sprache der heiligen Schrift die Apostel bezeichnen, wurden durch das Wort Gottes an dem Tage gefestigt, wo er ihnen Petrus als Hirte und Grundlage gegeben hat.

Introitus.

Die Erde ist voll der Barmherzigkeit des Herrn, Alleluja. Durch des Herrn Wort sind die Himmel gefestigt, Alleluja, Alleluja.

Frohlocket, ihr Gerechten, im Herrn: den Redlichen ziemet Lobgesang.

Ehre sei dem Vater etc.

Die Erde ist etc.

In der Collecte erfleht die Kirche für ihre Kinder die Gnade einer heiligen Freude. Denn das ist das Gefühl, welches zur österlichen Zeit paßt. Wir müssen uns freuen, daß wir durch den Triumph unseres Heilandes von dem Tode erlöst worden sind, und müssen uns durch die Osterfreuden auf die Freuden der Ewigkeit vorbereiten.

Collecte.

O Gott, welcher Du durch die Erniedrigung deines Sohnes die tiefgesunkene Welt wieder aufgerichtet hast: verleihe deinen Gläubigen die ewige Freude, damit Du, nachdem Du uns von den Anfällen des ewigen Todes erlöset hast, uns die immerwährenden Freuden genießen lassest. Durch denselben Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Der Collecte des Tages fügt man noch zwei der drei folgenden Gebete bei:

Zur allerseligsten Jungfrau.

O Herr und Gott, wir bitten Dich, lasse uns, deine Diener, der beständigen Gesundheit an Leib und Seele erfreuen: und auf die Fürbitte der seligsten, allzeit reinen Jungfrau Maria von aller irdischen Trauer entledigt und der ewigen Freude theilhaftig werden.

Gegen die Verfolger der Kirche.

O Herr, wir bitten Dich, nimm huldreich die Bitten deiner Kirche an: damit sie Dir nach Wegräumung aller Widerwärtigkeiten und Irrthümer mit sicherer Freiheit diene. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unseren Herrn, welcher mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des Heiligen Geistes, als Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Für den Papst.

O Gott, Du Hirte und Lenker aller Gläubigen, schaue gnädig nieder auf deinen Diener N., welchen Du als Hirten über deine Kirche gesetzt hast: verleihe ihm, wir bitten Dich, daß er durch Wort und Beispiel seinen Untergebenen nütze, damit er sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelange. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Epistel.

Lesung aus dem ersten Briefe des heiligen Apostels Petrus Cap. 2.

Theuerste! Christus hat für uns gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolget: er, der keine Sünde beging, und in dessen Mund kein Betrug gefunden ward, der nicht wieder schalt, als er gescholtn ward, nicht drohete, da er litt, sondern sich Dem überließ, der ihn ungerecht verurtheilte: der unsere Sünden selbst an seinem Leibe auf dem Holze trug, damit wir, abgestorben den Sünden, der Gerechtigkeit lebten, durch dessen Wunden ihr geheilt worden seid. Denn ihr waret wie irrende Schafe: jetzt aber seid ihr bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Der Fürst der Apostel, der sichtbare Hirte der allgemeinen Kirche erhebt hier vor uns seine Stimme. Es ist besonders der Schluß in’s Auge zu fassen, in welchem er unsere Gedanken auf den unsichtbaren Hirten, dessen Stellvertreter er ist, hinlenkt. Mit welcher Bescheidenheit vermeidet er da, auf sich selbst zu kommen. Wir sehen in ihm denselben Petrus, unter dessen Augen und Leitung sein Schüler Markus sein Evangelium abfaßte. Auch da hat er nicht gewollt, daß Jener erzähle, wie Petrus zum Hirten der ganzen Heerde eingesetzt wurde; daran aber, wie er ihn im Hause des Kaiphas dreimal verleugnete, daran durfte kein Wort fehlen. Mit welcher Liebe spricht in der obigen Epistelstelle der Apostel zu uns über seinen Herrn, über die Leiden, die er erduldet, über seine Geduld, über seine Hingebung bis zum Tode, um die armen, verirrten Schafe zu sammeln, die seine Heerde bilden sollten. Diese Worte finden auch eines Tages auf Petrus selbst ihre Anwendung. Es wird die Stunde kommen, wo auch er ans Holz geheftet, wo auch er, gleich seinem Meister, unter den Schmähungen und Mißhandlungen seine Gedult zu bewähren haben wird. Jesus hatte ihm das voraus gesagt; unmittelbar, nachdem er ihm die Lämmer und die Schafe anvertraut, verkündigte er ihm auch, daß er, wenn er alt geworden, seine Hände ausstrecken werde, auf das Kreuz nämlich, und daß ein Anderer, als er selbst, nämlich der Henker, ihn gürten, das heißt fesseln werde [Joh. 21]. Und dies geschah nicht nur der Person Petri, sondern auch vielen seiner Nachfolger, die ja Alle mit ihm nur Eins sind, und die wir häufig, gleich ihm, verfolgt, verbannt, eingekerkert und hingerichtet sehen. Folgen auch wir darin dem Beispiele Jesu Christi, indem wir mit Freuden das Kreuz tragen, das uns, um der Gerechtigkeit willen, aufgebürdet wird. Wir sind das Demjenigen schuldig, welcher, von Ewigkeit Gott dem Vater an Herrlichkeit gleich, dennoch auf die Erde herab gekommen ist, um „der Hirte und Bischof unserer Seelen zu werden.“

Der erste Alleluja-Vers erinnert uns an das Mahl in Emmaus; in wenig Augenblicken werden auch wir Jesus am Brodbrechen erkennen.

Der zweite Vers verkündet mit den eigenen Worten des Heilandes die Würde und die Eigenschaften des Hirten, seine Liebe für seine Lämmer und den Eifer dieser, ihn als ihr Oberhaupt anzuerkennen.

Alleluja, Alleluja!

Die Jünger erkannten den Herrn Jesum am Brodbrechen. Alleluja.

„Ich bin der gute Hirt und kenne meine Schafe und die Meinigen kennen mich.“ Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Johannes Cap. 10.

In jener Zeit sprach Jesus zu den Pharisäern: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben für seine Schafe. Der Miethling aber, der kein Hirt ist und dem die Schafe nicht zugehören, sieht den Wolf kommen, verläßt die Schafe und flieht: und der Wolf raubt und zerstreuet die Schafe. Der Miethling flieht, eben weil er Miethling ist, und ihm an den Schafen Nichts liegt. Ich bin der gute Hirt und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich; wie mich der Vater kennt, und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben für meine Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, welche nicht aus diesem Schafstalle sind; auch diese muß ich herbeiführen, und sie werden meine Stimme hören; und es wird Ein Schafstall und Ein Hirt werden.“

Göttlicher Hirte unserer Seelen! Wie groß ist deine Liebe zu deinen glücklichen Schafen! Du gehst so weit, daß Du dein Leben hingibst, damit sie gerettet werden. Die Wuth der Wölfe treibt Dich nicht zur Flucht. Du gibst Dich vielmehr ihnen zur Beute hin, um den mörderischen Zahn, der die Schafe zerreißen wollte, von diesen abzuwenden. Du gehst an unserer Statt in den Tod; denn Du warst unser Hirte. Was sollen wir uns darüber noch erstaunen, daß Du von Petrus mehr Liebe fordertest, als Du von seinen Brüdern erwartet hast: Du wolltest ihn auch als ihren Hirten und den unserigen einsetzen. Wohl konnte Petrus antworten, daß er Dich liebe, und Du hast ihm darauf deinen eigenen Titel sammt allen damit verknüpften Rechten und Pflichten übertragen, damit er Dich ersetze, wenn Du unseren Blicken entzogen bist. Sei gepriesen, göttlicher Hirte; denn Du dachtest an die Bedürfnisse deiner Heerde, die sich ja nicht als Eine hätte erhalten können, wenn sie mehrere Hirten ohne einen gemeinsamen obersten Hirten gehabt hätte. Um deinen Anordnungen zu gehorchen, beugen wir uns in Liebe und Demuth vor Petrus, wir küssen voll Ehrfurcht seine heiligen Füße; denn durch ihn sind wir an Dich geknüpft, durch ihn sind wir deine Schafe. Erhalte uns, o Jesus, in Petri Heerde, die ja die deinige ist. Wehre den Miethling von uns ab, der sich der Stelle und der Rechte des Hirten bemächtigen will. Mit Gewalt in den Schafstall eingedrungen, nimmt er nun die Miene des Herrn an; aber er kennt die Schafe nicht und die Schafe kennen ihn nicht. Nicht der Eifer, sondern Begier und Ehrgeiz haben ihn angelockt und wenn Gefahr naht, läßt er die Schafe im Stiche. Wer nur von irdischen Beweggründen geleitet wird, opfert nicht sein Leben für einen Anderen; der schismatische Hirte liebt nur sich selbst, aber nicht seine Schafe; warum sollte er da sein Leben für sie hingeben? Behüte uns, o Jesus, vor diesem Miethling; er würde uns von Dir trennen, indem er uns von Petrus trennt, den Du zu deinem Statthalter eingesetzt. Wir wollen keinen Anderen kennen! Wehe dem, der uns in deinem Namen weiden wollte, ohne von Petrus ausgesendet zu sein! Er wäre ein falscher Hirte, der nicht auf dem Grundsteine ruhte, der darum auch nicht die Schlüssel des Himmelreichs hätte. Er würde uns also nur zu Grunde richten können. Gewähre uns also, o guter Hirte, daß wir immer bei Dir und bei Petrus bleiben, dessen Fundament Du bist, wie er das unserige. So werden wir auch allen Stürmen trotzen können. Hast Du ja doch selbst gesagt: „Ein weiser Mann hat sein Haus auf einen Felsen gebaut. Da fiel ein Platzregen, es kamen Wassergüsse, es blieben die Winde und stießen an jenes Haus; aber es fiel nicht zusammen, denn es war auf einen Felsen gegründet [Matth. 7, 24. 25].“

Das Offertorium enthält den Ausdruck der Sehnsucht nach Gott. Es ist dem königlichen Propheten entnommen.

Offertorium.

O Gott, mein Gott, frühe wache ich zu Dir; und in deinem Namen will ich aufheben meine Hände. Alleluja.

Im Stillgebete erfleht die Kirche, daß die göttliche Kraft des Geheimnisses, das sich eben auf dem Altare vollzieht, in uns auch die Wirkungen hervorbringe, wonach unsere Seelen sich sehnen: nämlich der Sünde zu sterben und der Gnade wieder zu erstehen.

Stillgebet.

O Herr, dieses heilige Opfer möge uns stets heilsamen Segen gewähren, damit es durch seine Kraft an uns vollbringe, was von ihm geheimnißvoll begangen wird. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Diesem Stillgebete des Tages fügt der Priester noch zwei aus den drei folgenden Gebeten bei.

Zur allerseligsten Jungfrau.

O Herr, durch deine Huld und durch die Fürbitte der seligsten, allzeit reinen Jungfrau Maria, möge uns dies Opfer für Gegenwart und Zukunft Heil und Segen bringen.

Gegen die Verfolger der Kirche.

Schütze uns, o Herr, die wir deinen Geheimnissen dienen, damit wir den göttlichen Dingen anhängen und Dir mit Leib und Seele dienen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Für den Papst.

O Herr, wir bitten Dich, laß Dich durch die dargebrachten Gaben versöhnen, und leite mit ewigem Schutze deinen Diener N., welchen Du als Hirten über deine Kirche gesetzt hast. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Die Worte der Antiphon der Communion erinnern nochmals an den guten Hirten. Dies ist überhaupt das den ganzen Tag beherrschende Geheimniß. Bringen wir unsere letzte Huldigung dem Sohne Gottes dar, der unter einem so rührenden Bilde sich uns zeigen wollte; bleiben wir daher auch immer für ihn treue Schafe.

Communion.

„Ich bin der gute Hirt und kenne meine Schafe, und die Meinigen kennen mich.“ Alleluja, Alleluja.

In dem göttlichen Mahle hat sich eben Jesus, der gute Hirte, seinen Schafen als Speise hingegeben. Die heilige Kirche erfleht nun für uns in der Postcommunion, daß wir von immer glühenderer Liebe zu dem erhabenen Sakramente erfaßt werden, in welchem wir unsere Herrlichkeit zu suchen haben. Denn es ist für uns die Speise der Unsterblichkeit.

Postcommunio.

Allmächtiger Gott, wir bitten Dich, gewähre uns, daß wir durch deine Gnade neugeschaffen werden und uns so stets in deinem Himmelsbrode rühmen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Der Priester fügt dann der Postcommunion des Tages noch zwei von den drei folgenden Gebeten bei.

Zur allerseligsten Jungfrau.

O Herr, wir haben die Mittel unseres Heiles genossen und bitten Dich nun, verleihe uns, daß wir überall durch den Schutz der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria, zu deren Verehrung wir dies Opfer deiner Majestät darbrachten, beschirmet werden mögen.

Gegen die Verfolger der Kirche.

Herr, unser Gott, wir bitten Dich: laß Jene, welche Du durch die Theilnahme am göttlichen Mahle erfreuest, nicht irdischen Gefahren ausgesetzt sein. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Für den Papst.

Dieser Genuß des göttlichen Sakramentes schütze uns, o Herr! und rette und bewahre stets deinen Diener N., welchen Du als Hirten über deine Kirche gesetzt hast, zugleich sammt der ihm anvertrauten Heerde. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Achter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1879; S. 78-88]

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