Dom Guéranger zum dritten Sonntag nach Ostern (2/3)

Zur Messe.

An diesem dem heiligen Joseph als dem Schützer der Gläubigen gewidmeten Feste legt uns die heilige Kirche im Introitus die Worte in den Mund, womit David sein Vertrauen auf den Schutz des Herrn ausgedrückt hat. Der heilige Joseph ist der Vermittler dieses göttlichen Schutzes, und Gott verheißt uns denselben, wenn wir uns an seinen unvergleichlichen Diener wenden.

Introitus.

Unser Helfer und Schützer ist der Herr; in ihm freut sich unser Herz und auf seinen Namen haben wir gehofft. Alleluja, Alleluja.

Lenker Israels, merke auf, der Du Joseph führst wie ein Schaf.

Ehre sei dem Vater.

Unser Helfer.

In der Collecte preist die Kirche die Wahl des heiligen Joseph, den Gott ausersehen, der Gemahl der Maria zu werden; sie belehrt uns zugleich, daß diese Wahl die Wirkung hatte, uns eines Schützers zu versichern, der durch seine Alles vermögende Fürsprache unsere Huldigungen vergelten wird.

Collecte.

Gott! der Du in deiner unaussprechlichen Vorsehung den seligen Joseph zum Bräutigam deiner allerheiligsten Gebärerin gütigst auserwählen wolltest: verleih’, wir bitten Dich, daß wir, die wir ihn auf Erden als unsern Beschützer verehren, ihn auch als unsern Fürsprecher im Himmel erfahren mögen. Der Du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Hierauf geschieht des dritten Sonntags nach Ostern in folgendem Gebete Erwähnung.

Collecte.

O Gott, welcher Du den Irrenden das Licht deiner Wahrheit zeigest, damit sie auf die Bahn der Gerechtigkeit zurückkehren können: gib Allen, die sich zur christlichen Lehre bekennen, die Gnade, Das zu verschmähen, was dem Christennamen nicht ansteht, und Dem nachzustreben, was ihm ansteht. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Epistel.

Lesung des Buches Genesis Cap. 49.

Ein Zuwachs ist der Sohn Joseph, ein wachsender Sohn und lieblichen Anblicks: die Töcher liefen die Mauer ab. Aber sie erbitterten ihn, und haderten und neideten ihm, ihre Wurfspieße schleudernd. Doch ruhete sein Bogen auf dem Starken, seiner Arme und Hände Fesseln lösten sich durch die Hände des Helden Jacobs. So ging der Hirt hervor, der Grundstein Israels. Der Gott deines Vaters wird dein Helfer sein. Der Allmächtige wird dich segnen, mit Segen des Himmels von oben, mit Segen der Erde von unten, mit Segen der Brüste und des Mutterleibs. Der Segen deines Vaters wird übertreffen den Segen seiner Väter, bis da kommet das Verlangen der ewigen Hügel. Er kömme über Josephs Haupt, und über den Scheitel des Nazaräers unter seinen Brüdern.

Diese herrliche Prophezeiung des sterbenden Jakob, der seinem Sohne Joseph das glänzende Loos verkündet, das ihm persönlich, wie in seinen Nachkommen beschieden ist, kommt an diesem Tage sehr gelegen, um uns an die rührenden Beziehungen zwischen den beiden Joseph zu erinnern, welche der heilige Bernard so beredt entwickelt. Wir haben schon am 19. März auf dieselben hingewiesen, und der fromme Leser hat sich überzeugen können, daß der erste Joseph ein Vorbild des zweiten war. Nachdem der greise Patriarch die Bestimmung seiner zehn ersten Kinder vorher gesagt, weilt er mit Wohlgefallen auf dem Sohne der Rachel. Nachdem er seine Schönheit gelobt, erinnert er ihn an die Verfolgung durch seine Brüder, und an die wunderbaren Wege, durch welche Gott ihn aus ihren Händen befreite, und zur Gewalt führte. Von da an zeichnet Jakob diesen Sohn seiner Liebe in Herrlichkeit und als den Typus des zweiten Joseph. Wer hat besser als der Gemahl der Maria, der Beschützer der Gläubigen, verdient, der Hirte eines Volkes, der Grundstein Israels genannt zu werden? Wir alle sind seine Familie; er wacht voll Liebe über uns, und in unseren Kümmernissen können wir auf ihn, wie auf einen unerschütterlichen Felsen unser Vertrauen setzen. Das ERbe des heiligen Joseph ist die Kirche, welche die Wasser der Taufe beständig befruchten und fruchtbar machen. Da übt er seine wohlthuende Macht über die, welche auf ihn vertrauen. Jakob verheißt dem ersten Joseph unermeßlichen Segen, welcher bis zu dem Tage dauern soll, bis da kommt der verheißene Erlöser von den ewigen Hügeln. Dann wird das Amt des zweiten Joseph beginnen, ein Amt der Hilfe und des Schutzes, das dauern soll, bis wiederum der Sohn Gottes herab kommt. Wenn endlich der erste Joseph als der Nazaräer, d. h. der Gottgeweihte, unter seinen Brüdern im Voraus geheiligt worden ist, so wird der zweite diese Vorhersagung noch buchstäblicher erfüllen. Denn nicht nur überragt seine Heiligkeit weitaus die des Sohnes Jakobs, auch seine Wohnung wird Nazareth sein. In dieser Stadt wird er mit Maria weilen, in diese Stadt kehrt er aus Aegypten zurück, in dieser Stadt wird er sein heiliges Leben vollenden, und weil er endlich mit seinem Pflegesohn Jesus, dem ewigen Worte, in dieser Stadt gewohnt hatte, wird er der Nazaräer genannt werden [Matth. 2, 23].

Es kommt nun der Versikel Alleluja. Im ersten Verse vernehmen wir die Stimme des heiligen Joseph. Er lädt die Gläubigen ein, zu ihm ihre Zuflucht zu nehmen, und verspricht ihnen alsbaldige Hilfe. In dem zweiten Verse erfleht die Kirche für ihre Kinder die Gnade, daß sie beflissen seien, der Reinheit des Gemahls der Maria nachzueifern; zugleich bittet sie um dessen Hilfe für dieselben.

Alleluja, Alleluja!

V. In welcher Wirrsal immer sie zu mir rufen, so will ich sie erhören, und ihr Schützer sein allezeit. Alleluja.

V. Laß unschuldig, o Joseph, unser Leben dahinfließen. Es sei stets sicher unter deinem Schutz. Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Lukas Cap. 3.

In jenen Tagen, als alles Volk sich taufen ließ, geschah es, daß auch Jesus getauft wurde, und da Er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist stieg in leiblicher Gestalt gleich einer Taube auf Ihn herab, und eine Stimme erscholl vom Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an Dir habe Ich mein Wohlgefallen. Und Jesus war, als Er anfing, ungefähr dreißig Jahre alt, und wurde für einen Sohn Josephs gehalten.

„Jesus wurde für einen Sohn Josephs gehalten!“ Die kindliche Liebe Jesu für seine Mutter, die der reinsten Jungfrau schuldigen Rücksichten gingen so weit, daß der Sohn Gottes dreißig Jahre lang nach Namen und Aeußeren als der Sohn Josephs gehalten sein wollte. Joseph hörte sich Vater nennen von dem unerschaffenen Wort, dessen Vater von Ewigkeit ist. Von einem sterblichen Menschen hat dasselbe die Dienste und die Nahrung angenommen, die man einem Kinde in den ersten Jahren des Lebens widmet und gewahrt. Joseph ist das Haupt der heiligen Familie von Nazareth gewesen, und Jesus hat seine Autorität anerkannt. Der Plan der göttlichen Menschwerdung brachte es eben mit sich, daß ganz erstaunliche Beziehungen zwischen Schöpfer und Geschöpf entstehen sollten. Wenn aber der zur Rechten des Vater sitzende Sohn Gottes die mit seiner göttlichen Person unlösbar verbundene menschliche Natur beibehalten hat, dann hat er sich auch mit nichten der Gefühle entäußert, welche er nienieden gegenüber den beiden andern Glieder der Familie von Nazareth bekannte. Gegen Maria, die in der menschlichen Ordnung ewig seine Mutter bleiben wird, konnte die kindliche Liebe und Ehrfurcht nur wachsen. Aber wir können auch daran nicht zweifeln, daß die Zuneigung und die Unterwürfigkeit, die er seinem Pflegevater zeigte, ebenfalls auf ewig in dem Herzen des Gottmenschen vorhanden sind. Kein Sterblicher stand in so innigen und vertrauten Beziehungen zu Jesus. Durch seine dem Sohne der Maria gewidmete väterliche Fürsorge hat Joseph in dem Sohne des Ewigen das Gefühl der Dankbarkeit erweckt; es ist nur billig zu denken, daß besondere Ehren und eine höhere Macht im Himmel diesem Gefühle der Dankbarkeit entsprechen. Das ist auch die Meinung der Kirche, darauf gründet sich auch das Vertrauen frommer Seelen, das ist endlich der Grund, weßhalb das heutige Fest eingesetzt worden ist.

Im Offertorium, das dem 147. Psalm entnommen ist, wird Jerusalem, das heißt die Kirche, wegen der Sorge, die Gott um sie getragen, beglückwünscht; denn er hat sie durch starke Bollwerke gegen ihre Feinde geschützt. Eines der stärksten dieser Bollwerke ist der Schutz des heiligen Joseph.

Offertorium.

Lobe, Jerusalem, den Herrn, denn er hat die Riegel deiner Thore befestigt, deine Kinder in dir gesegnet. Alleluja, Alleluja.

Im Stillgebete erfleht die Kirche für ihre Kinder die Gnade, daß sie dem Zimmermann von Nazareth in der Ablösung von allen irdischen Dingen nachstreben.

Stillgebet.

Wir bitten Dich, o Herr, laß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner allerheiligsten Gebärerin geholfen werden, damit, was unser eigenes Vermögen nicht erlangt, durch seine Fürbitte uns gegeben werde. Der Du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.

Dann geschieht des dritten Sonntags nach Ostern im folgenden Gebete Erwähnung:

Stillgebet.

O Herr, durch diese Geheimnisse möge uns die Gnade werden, jedes irdische Verlangen zu zügeln und dafür die Liebe zum Himmlischen zu lernen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Als Antiphon der Communion dient die Stelle aus dem heiligen Matthäus, in welcher der Evangelist den glorreichen Titel unseres großen Beschützers niederlegt: „Joseph, der Mann Mariä,“ und den noch glorreicheren Titel Marias: „Von welcher geboren wurde Jesus.“

Communion.

Jakob aber zeugte Joseph, den Mann Mariä, von welcher geboren wurde Jesus, der genannt wird Christus. Alleluja!

In der Postcommunio bittet die heilige Kirche, daß Joseph unser Schützer in diesem Leben, auch bezüglich unseres ewigen Glückes uns seine Sorge widmen möge.

Postcommunio.

Gestärkt an der Quelle himmlischer Gaben, bitten wir Dich, o Herr, unser Gott, der Du uns des Schutzes des seligen Joseph genießen ließest, daß wir durch dessen Verdienste und Fürbitte auch der ewigen Herrlichkeit theilhaftig werden mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen.

Zur Erinnerung an den dritten Sonntag nach Ostern wird dem noch folgendes Gebet beigefügt:

Postcommunio.

O Herr, wir bitten Dich, die Sakramente, die wir empfingen, mögen uns nicht nur durch ihre geistige Nahrung neu beleben, sondern auch unser körperliches Leben durch ihre Hilfe beschirmen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Am Schlusse der Messe wird das Evangelium des dritten Sonntags nach Ostern gelesen.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Johannes Cap. 16.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen; und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen, denn ich gehe zum Vater.“ Da sprachen Einige von seinen Jüngern unter einander: „Was ist das, daß er zu uns sagt: ‚Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen; und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen,‘ und ‚denn ich gehe zum Vater?‘“ Sie sprachen also: „Was ist das, daß er spricht: ‚Noch eine kleine Weile?‘ Wir wissen nicht, was er redet.“ Jesus aber wußte, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: „Ihr fraget unter euch darüber, daß ich gesagt habe: ‚Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen.‘ Wahrlich, wahrlich sag’ ich euch, ihr werdet weinen und wehklagen; aber die Welt wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein; aber eure Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden. Das Weib, wenn es gebärt, ist traurig, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, so denkt sie nicht mehr an die Angst, wegen der Freude, daß ein Mensch zur Welt geboren ist. Auch ihr habt jetzt zwar Trauer, aber ich werde euch wieder sehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude wird Niemand von euch nehmen.“

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Achter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1879; S. 136-145]

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