Dom Guéranger zum vierten Sonntag nach Ostern (2/3)

Zur Messe.

Beim Introitus wendet die Kirche einen der schönsten Gesänge des Psalmisten an. Derselbe preist mit Begeisterung die Wohlthaten, welche ihr göttlicher Bräutigam über sie ausgebreitet; alle Nationen sind berufen, ihre Größe kennen zu lernen; ihr entströmt die Heiligkeit, deren Quelle er ist, und das Heil, zu welchem er alle Menschen berufen hat.

Introitus.

Singet dem Herrn ein neues Lied, Alleluja: denn der Herr hat Wunder gethan, Alleluja: im Angesichte der Völker hat er geoffenbart seine Gerechtigkeit. Alleluja, Alleluja, Alleluja.

Es hat ihm geholfen seine Rechte und sein heiliger Arm.

Ehre sei dem Vater u. s. w.

Singet dem u. s. w.

Mit Wohlthaten Gottes überhäuft, der seine Gläubigen durch die heiligen Sakramente zu einem einzigen Volke vereint hat, müssen diese sich nun dazu aufschwingen, daß sie die Gebote des Herrn lieben und sich nach der ewigen Wonne sehnen, die er ihnen verheißen. Die Kirche erfleht in der Collecte für sie diese Gnade.

Collecte.

O Gott, welcher Du die Herzen der Gläubigen Eines Sinnes machst: gib deinen Gemeinden, daß sie das lieben, was Du gebietest, darnach sich sehnen, was Du verheißest: damit in diesen irdischen Wechselfällen unsere Herzen da fest gegründet seien, wo sich die wahren Freuden finden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Dazu kommen noch zwei von den drei Gebeten, die wir […] angeführt.

Epistel.

Lesung aus dem Briefe des heiligen Apostels Jakobus Cap. 1.

Theuerste! Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk ist von oben herab vom Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung und kein Schatten von Veränderlichkeit ist. Denn aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeuget, damit wir ein Erstling seiner Schöpfung wären. Ihr wisset es, meine geliebtesten Brüder! Es sei darum jeder Mensch schnell zum Hören, langsam aber zum Reden und langsam zum Zorne. Denn der Zorn des Menschen thut nicht, was vor Gott gerecht ist. Darum leget ab alle Unreinigkeit und allen Auswuchs der Bosheit und nehmet an mit Sanftmuth das eingepflanzte Wort, das eure Seelen retten kann.

Die über das christliche Volk ausgebreiteten Gnaden entstammen der Allgüte des himmlischen Vaters. Er ist die Quelle von Allem in der Ordnung der Natur, und wenn in der Ordnung der Gnade wir seine Kinder geworden sind, so hat dies seinen letzten Grund darin, weil wiederum er sein wesensgleiches Wort zu uns gesandt hat. Das ist das Wort der Wahrheit, durch welches wir mittels der Taufe Söhne Gottes geworden. Daraus folgt denn auch, daß wir, soweit dies unserer Schwachheit möglich ist, die göttliche Ruhe unseres Vaters im Himmel nachahmen müssen. Wir sollen uns von jener leidenschaftlichen Aufregung, die ein charakteristisches Zeichen eines ganz verweltlichten Lebens ist, fernhalten. Denn unser Leen soll vom Himmel sein, wohin Gott uns zieht. Der heilige Apostel ermahnt uns, mit Sanftmuth dies Wort anzunehmen, das uns zu dem gemacht hat, was wir sind. Es ist, wie er sagt, ein unseren Seelen eingepflanztes Pfropfreis des Heils; möge es sich dort entwickeln; wenn nur seine Entwickelung nicht durch uns selber gestört wird, dann werden wir gerettet werden.

Im ersten allelujatischen Verse preist der auferstandene Christus durch den Mund des Psalmisten die Macht des Vaters, welcher ihm durch seine Auferstehung den Sieg verliehen hat. Der zweite, dem heiligen Paulus entnommene Vers, verkündigt das unsterbliche Leben unseres göttlichen Wiederauferstandenen.

Alleluja, Alleluja!

Die Rechte des Herrn hat Großes gethan, die Rechte des Herrn hat mich erhöhet. Alleluja.

Nachdem Christus von den Todten auferstanden ist, stirbt er nicht mehr; der Tod wird nicht mehr über ihn herrschen. Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Johannes Cap. 16.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Ich gehe hin zu Dem, der mich gesandt hat, und Niemand von euch frägt mich: ‚Wo gehst du hin?‘ sondern weil ich euch Dieses gesagt habe, hat die Traurigkeit euer Herz erfüllt. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe; denn wenn ich nicht hingehe, so wird der Tröster nicht zu euch kommen; gehe ich aber hin, so were ich ihn zu euch senden. Und wenn Dieser kommt, wird er die Welt überzeugen von der Sünde und von der Gerechtigkeit und von dem Gerichte; von der Sünde nämlich, weil sie nicht an mich geglaubt haben; von der Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe, und ihr mich nicht mehr sehen werdet; und von dem Gerichte, weil der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist. Ich habe euch noch Vieles zu sagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, der wird euch alle Wahrheit lehren; denn er wird nicht von sich selbst reden, sondern was er hört, wird er reden, und was zukünftig ist, euch verkünden. Derselbe wird mich verherrlichen; denn er wird von dem Meinigen nehmen, und es euch verkünden.“

Die Apostel wurden traurig, als Jesus ihnen sagte: „Ich gehe dahin.“ Sind wir es nicht auch, die wir, Dank der heiligen Liturgie, von seiner Geburt in Bethlehem an, ihm Schritt um Schritt gefolgt sind? Noch einige Tage, und er erhebt sich zum Himmel! Das Jahr verliert dann den Reiz, den es Tag um Tag den Thaten und Worten unseres Emmanuel entnommen. Er will uns indessen nicht in einer allzugroßen Trübsal lassen. Er verkündigt uns, daß an seiner Stelle der göttliche Tröster zur Erde herabkommt, daß er bei uns bleiben wird, um uns zu erleuchten und zu stärken bis an’s Ende der Zeit. Nützen wir noch die letzten Stunden aus, die wir mit Jesus zusammen sind; bald wird die Zeit da sein, wo wir uns auf den Empfang des himmlischen Gastes vorbereiten müssen, der ihn ersetzen soll.

Jesus, der diese Worte am Vorabende seines bitteren Leidens sprach, beschränkt sich nicht darauf, uns die Ankunft des Heiligen Geistes als Trost für seine Gläubigen zu zeigen; er läßt ihn gleichzeitig auch als furchtbar für die erscheinen, welche ihren Heiland mißkannt haben. Die Worte Jesu sind ebenso geheimnißvoll, als schrecklich. Entnehmen wir die Erklärung derselben dem ersten Kirchenlichte, dem heiligen Augustinus. „Wenn der Heilige Geist kommt,“ spricht Jesus, „so wird er die Welt überzeugen von der Sünde.“ Warum? „Weil die Menschen nicht an Jesus geglaubt haben.“ Wie groß wird in der That die Verantwortung Jener sein, welche, obgleich Zeugen der von dem Erlöser gewirkten Wunder, dennoch seinem Worte sich nicht hingegeben haben! Jerusalem wird hören, daß der Geist über die Jünger Jesu herab gekommen, und dabei ebenso gleichgiltig bleiben, wie es sich den Wundern gegenüber verhielt, welche ihm seinen Messias bezeichneten. Die Ankunft des Heiligen Geistes ist gleichsam die Einleitung zum Untergang dieser gottesmörderischen Stadt. Jesus fügt bei, daß „der Heilige Geist die Welt von der Gerechtigkeit überzeugen werde, weil,“ so sagt er, „ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr sehen werdet.“ Die Apostel und Alle, die ihnen glauben, werden durch den Glauben heilig und gerecht. Sie glauben an ihn, der zu dem Vater gegangen ist, an ihn, den ihre Augen nicht mehr in dieser Welt sehen. Jerusalem dagegen wird nur an ihn denken, um ihn zu lästern; die Gerechtigkeit, die Heiligkeit, der Glaube derer, die an ihn glauben, werden seine Verwerfung bedeuten, und der Heilige Geist wird es seinem Schicksale preisgeben. Jesus sagt weiter: „Der Heilige Geist wird die Welt überzeugen von dem Gericht;“ und warum? „Weil der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist.“ Die, welche Jesus Christus nicht folgen, haben allerdings einen Fürsten, dem sie folgen. Dieser Fürst ist Satan. Und das Urtheil Satans ist bereits gesprochen. Der Heilige Geist wird also die Jünger der Welt benachrichtigen, daß ihr Fürst auf ewig verworfen ist. Mögen sie das wohl überlegen; „denn,“ fügt der heilige Augustinus bei, „der Hochmuth der Menschen würde Unrecht haben, auf Nachsicht zu rechnen; möge er sich vielmehr die Mühe nicht verdrießen lassen, die unendliche Strafe zu betrachten, welche über die stolzen Engel verhängt worden ist [In Joannem, Tract. XCV].“

Im Offertorium preist der Christ mit den Worten Davids die Wohlthaten Gottes gegen seine Seele. Er gesellt die ganze Erde dem Ausdruck seines Dankes bei und mit Recht; denn die Gnaden, die auf dem Haupte des Christen gehäuft sind, bilden eigentlich ein Gemeingut der ganzen Menschheit, welche der auferstandene Jesus berufen hat, in den heiligen Sakramenten an dem Heile der Erlösung theilzunehmen.

Offertorium.

Jauchzet zu Gott, alle Lande, lobsinget seinem Namen! Kommet und höret, ihr Alle, die ihr Gott fürchtet, so will ich euch erzählen, was Großes der Herr gethan an meiner Seele. Alleluja.

Die heilige Kirche findet in der Betrachtung der Wahrheit, deren Schätze der Heiland ihr anvertraut, ein unaussprechliches Glück. In dem Stillgebet erfleht sie daher für ihre Kinder die Gnade eines reinen Lebens, damit sie verdienen, dereinst die erhabenste Wahrheit in ihrer Quelle ewig zu schauen.

Stillgebet.

O Gott, welcher Du uns durch die verehrungswürdige Theilnahme an diesem Opfer der Einen und höchsten Gottheit theilhaftig gemacht hast: wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir deine Wahrheit nicht nur erkennen, sondern ihr auch durch würdige Sitten nachstreben. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Der Priester fügt dann diesem Stillgebete des Tages noch von den […] angeführten drei Gebeten zwei bei.

Die Antiphon der Communion kommt auf die geheimnißvollen Worte des Evangeliums zurück, welche wir oben erklärt, und in welchen uns die Ankunft des Heiligen Geistes als eine Belohnung für die Gläubigen und als eine Züchtigung für die Ungläubigen geschildert ist.

Communion.

Wenn der Tröster, der Geist der Wahrheit, kommt, wird er die Welt überzeugen von der Sünde und von der Gerechtigkeit und von dem Gerichte. Alleluja, Alleluja.

In der Danksagung für das göttliche Geheimniß, an welchem die Gläubigen eben theilgenommen, lehrt die heilige Kirche ihre Kinder, daß die Eucharistie gleichzeitig die Kraft hat, uns von unseren Sünden zu reinigen und uns vor den Gefahren, deren wir im Leben ausgesetzt sind, zu schützen.

Postcommunio.

O Herr, unser Gott, steh’ uns bei, daß wir durch diese Geheimnisse, welche wir gläubig empfingen, nicht blos von Sünden gereinigt, sondern auch von allen Gefahren erlöst werden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Der Priester fügt dann der Postcommunion dieses Tages zwei von den drei […] angeführten Gebeten bei.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Achter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1879; S. 204-211]

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