Dom Guéranger zum fünften Sonntag nach Ostern (2/3)

Zur Messe.

Dem Isaias, dem erhabensten Propheten, ist der Introitus entnommen. Seine tönende, klangvolle Stimme lädt alle Völker der Erde ein, den Sieg unseres göttlichen Auferstandenen zu feiern, dessen Errungenschaft unsere Erlösung gewesen.

Introitus.

Ein liebliches Wort sollt ihr verkünden, und man höre darauf, Alleluja: verkündet es bis an die Grenzen der Erde: „Der Herr hat sein Volk befreit,“ Alleluja, Alleluja.

Jauchzet zu Gott, alle Lande, lobsinget seinem Namen, lasset herrlich erschallen sein Lob.

Ehre sei dem Vater etc.

Ein liebliches etc.

In der Collecte sagt uns die heilige Kirche, daß unsere Gedanken und Werke, um verdienstlich zur Erlangung des ewigen Lebens zu sein, der Gnade von Oben bedürfen, welche die einen einflößt und unserem Willen hilft, die anderen zu erfüllen.

Collecte.

O Gott, von dem alles Gute kommt, gib deinen flehenden Dienern, daß wir durch deine Erleuchtung das, was recht ist, denken und dasselbe durch deine Leitung auch thuen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Zur allerseligsten Jungfrau.

O Herr und Gott, wir bitten Dich, lasse uns, deine Diener, der beständigen Gesundheit an Leib und Seele erfreuen, und auf die Fürbitte der seligsten, allzeit reinen Jungfrau Maria von aller irdischen Trauer entledigt und der ewigen Freude theilhaftig werden.

Gegen die Verfolger der Kirche.

O Herr, wir bitten Dich, nimm huldreich die Bitten deiner Kirche an, damit sie Dir nach Wegräumung aller Widerwärtigkeiten und Irrthümer mit sicherer Freiheit diene. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unseren Herrn, welcher mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Oder für den Papst.

O Gott, Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, schaue gnädig nieder auf deinen Diener N., welchen Du als Hirten über deine Kirche gesetzt hast: verleihe ihm, wir bitten Dich, daß er durch Wort und Beispiel seinen Untergebenen nütze, damit er sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelange. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Epistel.

Lesung des Briefes des heiligen Jakobus Cap. 1.

Theuerste! Seid Befolger des Wortes und nicht blos Hörer, indem ihr euch selbst betrüget. Denn wenn Jemand ein Hörer und kein Befolger des Wortes ist, der gleichet einem Manne, welcher sein natürliches Angesicht im Spiegel beschaut und, wenn er es beschaut hat, hinweggeht und sogleich vergißt, wie es aussah. Wer aber das vollkommene Gesetz der Freiheit durchschaut und dabei beharret, und kein vergeßlicher Hörer, sondern Vollbringer des Werkes ist: der wird durch sein Wekr selig werden. Wenn Jemand ein Gottesfürchtiger zu sein wähnet, und seine Zunge nicht im Zaume hält, sondern sein Herz täuschet, dessen Religion ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott und dem Vater ist dieser: Waisen und Wittwen in ihrer Trübsal zu Hilfe kommen, und sich unbefleckt von dieser Welt bewahren.

Der heilige Apostel, dessen Rathschläge wir eben vernommen, hat diese Lehren von dem auferstandenen Heiland erhalten. Wir brauchen uns darum nicht über den autoritativen Ton zu wundern, in welchem er spricht. Wir haben ja bereits erzählt, wie Jesus ihm eine besondere Erscheinung gewährt; das zeigt uns die Zuneigung, womit er diesen Apostel ehrte. Auch war er mit demselben durch seine Mutter, die ebenfalls den Namen Maria trug, durch die Bande des Blutes verknüpft. Wir haben diese heilige Frau sammt ihrer Schwester Salome in Gesellschaft Magdalena’s nach dem Grabe wallen sehen. Jakobus der Jüngere ist recht eigentlich der Apostel der österlichen Zeit; Alles spricht uns in derselben von dem neuen Leben, das wir mit dem auferstandenen Christus führen müssen. Er ist nun gerade der Apostel der Werkthätigkeit: er hat uns seinen Fundamentalsatz des Christenthums überliefert, wonach zwar der Glaube dem Christen vor Allem nothwendig ist, wonach aber auch diese Tugend ohne die Werke ein todter Glaube, der für unser Heil werthlos sei.

Heute besteht er auf der uns obliegenden Verpflichtung, daß wir die einmal begriffenen Wahrheiten nun auch sorgfältig im Auge behalten und sie nicht in ein schuldbares Vergessen kommen lassen; denn daraus entspringen dann in so vielen zur Tändelei geneigten Seelen arge Verwüstungen. Unter denen, welche eben Ostern mithielten, befanden sie auch solche, welche die Ostergnade nicht bewahren werden. Dies Unheil widerfährt ihnen, weil sie sich dem Strudel der Welt überlassen, statt die Welt zu brauchen, als brauchten sie dieselbe nicht [1. Kor. 7, 31]. Bedenken wir doch immer, daß wir in ein neues Leben eintreten, daß wir dem Leben unseres göttlichen Auferstandenen, der nicht mehr sterben kann, nachahmen müssen.

Die beiden Verse des Alleluja preisen den Glanz seiner Auferstehung; aber schon wird darin die bevorstehende Himmelfahrt angekündigt. Von seinem Vater von Ewigkeit ausgegangen, in der Zeit zu unserer irdischen Wohnung herabgestiegen, kündigt er uns an, daß er in wenigen Tagen wieder zu seinem Vater auffahren werde.

Alleluja, Alleluja.

Der Herr ist auferstanden und uns erschienen, uns, die er mit seinem Blute erlöset hat. Alleluja.

„Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.“ Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Johannes Cap. 16.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Wahrlich, wahrlich, sag’ ich euch, wenn ihr den Vater in meinem Namen um Etwas bitten werdet, so wird er es euch geben. Bisher habt ihr um Nichts in meinem Namen gebeten. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf daß eure Freude vollkommen werde. Dieses habe ich in Gleichnissen zu euch geredet; es kommt aber die Stunde, da ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch rede, sondern offenbar vom Vater euch verkünden werde. An jedem Tage werdet ihr in meinem Namen bitten; und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten werde; denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und geglaubt habet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen: ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.“ Da sprachen seine Jünger zu ihm: „Siehe, nun redest Du offenbar und sprichst kein Gleichniß mehr. Jetzt wissen wir, daß Du Alles weißt und nicht nöthig hast, daß Dich Jemand frage; darum glauben wir, daß Du von Gott ausgegangen bist.“

Als der Heiland beim letzten Abendmahle seinen Aposteln seinen demnächstigen Weggang ankündigte, waren sie noch weit entfernt, den ganzen Umfang dieser Mittheilung würdigen zu können. Doch glaubten sie schon, „daß er von Gott ausgegangen.“ Aber der Glaube war noch schwach, sonst hätte er nicht so bald erlöschen dürfen. Jetzt aber, während sie ihren auferstandenen Meister, von seinem Worte erleuchtet, umgeben, wissen sie besser, wer er ist. Der Augenblick ist gekommen, „wo er nicht mehr in Gleichnissen zu ihnen spricht;“ wir haben gesehen, welche Unterweisungen er ihnen gibt, wie er sie vorbereitet, die Lehrer der Welt zu werden. Jetzt können sie sagen: Meister, Du bist in Wahrheit „von Gott ausgegangen.“ Aber gerade darum begreifen sie jetzt auch um so mehr den ihnen drohenden Verlust; und die ungeheure Lücke, die seine Abwesenheit bei ihnen zurückläßt, macht sich ihnen fühlbar.

Jesus beginnt die Frucht einzusammeln, die seine göttliche Güte in ihnen ausgesäet und die er mit einer so unaussprechlichen Geduld erwartet hatte. Wenn er sie schon wegen ihres Glaubens beglückwünschte, als sie beim heiligen Abendmahle um ihn versammelt waren, so verdienten sie jetzt, nachdem sie Zeugen seiner Auferstehung gewesen, nachdem sie ihn verstanden, viel größere Lobsprüche; denn sie waren fester und gläubiger geworden. „Der Vater liebt euch,“ sagte er ihnen nach jenem letzten Abendmahle, „weil ihr mich geliebt habt.“ Wie viel mehr muß der Vater sie jetzt lieben, da ihre Liebe noch gewachsen ist? Welche Hoffnungen weckt dieses Wort in uns! Vor Ostern war unsere Liebe zu dem Heilande schwach; wir waren lässig in seinem Dienste. Jetzt, da wir von ihm unterrichtet, mit seinen Gehiemnissen genährt sind, können wir hoffen, daß der Vater uns lieben wird; denn auch wir lieben seinen Sohn mehr, inniger. Dieser göttliche Erlöser lädt uns ein, den Vater in seinem Namen um Alles, was wir brauchen, zu bitten. Das Erste, was wir brauchen, ist die Beharrlichkeit in dem Geiste, mit welchem Ostern uns erfüllt hat. Dringen wir darauf, sie zu erlangen, und opfern wir in dieser Meinung das göttliche Lamm, das in wenig Augenblicken auf dem Altare dargebracht wird.

Das Offertorium ist den Psalmen entnommen. Es ist ein Dankgesang, welchen der mit dem auferstandenen Jesus vereinigte Gläubige Gott darbietet, weil derselbe ihn des neuen Lebens gewürdigt hat, indem er ihn seiner höchsten Erbarmungen theilhaftig machte.

Offertorium.

Preiset, ihr Völker, unseren Gott und lasset hören die Stimme seines Lobes, der meine Seele ins Leben gesetzet und meine Füße nicht hat straucheln lassen. Gebenedeit sei der Herr, der nicht abwies mein Gebet, noch seine Barmherzigkeit von mir. Alleluja.

In dem Stillgebet erbittet die Kirche für uns den Eingang in die himmlische Herrlichkeit, deren Abglanz Ostern auf Erden ist. Alle göttlich gewirkten Geheimnisse haben den Zweck, uns zu heiligen, damit wir für die Anschauung und den ewigen Besitz Gottes reif werden; Letzteres ist es, was die Kirche, durch die heiligen Schriften unterwiesen, als „die Herrlichkeit“ bezeichnet.

Stillgebet.

O Herr, nimm an die Gebete der Gläubigen sammt ihren Opfergaben, damit wir durch diesen Erweis kindlicher Hingabe an Dich zur himmlischen Herrlichkeit gelangen mögen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Zu der allerseligsten Jungfrau Maria.

O Herr, durch deine Huld und durch die Fürbitte der seligsten, allzeit reinen Jungfrau Maria möge uns dies Opfer für Gegenwart und Zukunft Heil und Segen bringen.

Gegen die Verfolger der Kirche.

Schütze uns, o Herr, die wir deinen Geheimnissen dienen, damit wir den göttlichen Dingen anhängen und Dir mit Leib uns Seele dienen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Oder für den Papst.

O Herr, wir bitten Dich, laß Dich durch die dargebrachten Gaben versöhnen, und leite mit ewigem Schutze deinen Diener N., welchen Du als Hirten über deine Kirche gesetzt hast. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Die Antiphon zur Communion ist ein Jubelgesang, der die fortwährende Osterfreude ausdrückt. Die Worte sind dem königlichen Propheten entnommen.

Communion.

Singet dem Herrn, Alleluja, singet dem Herrn und benedeit seinen Namen; verkündet laut von Tag zu Tag sein Heil. Alleluja, Alleluja.

In der Postcommunion gibt uns die heilige Kirche die Formel unserer Bitten an Gott in die Hand. Wir müssen das Gute verlangen; beten wir denn um dies Verlangen, und zwar so lange, bis wir das höchste Gut selbst erhalten. Die Gnade wird dann auf uns herabkommen, und unsre Sache wird es sein, dieselbe nicht zu vernachlässigen.

Postcommunion.

O Herr, da Du uns mit der Kraft des himmlischen Mahles gesättigt hast, so gewähre uns, immer Das, was recht ist, zu verlangen, und das Verlangte zu erhalten. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Zur allerseligsten Jungfrau Maria.

O Herr, wir haben die Mittel unseres Heiles genossen und bitten Dich nun, verleihe uns, daß wir überall durch den Schutz der seligsten, allzeit reinen Jungfrau Maria, zu deren Verehrung wir dies Opfer deiner Majestät darbrachten, beschirmet werden mögen.

Gegen die Verfolger der Kirche.

Herr, unser Gott, wir bitten Dich, laß Jene, welche Du durch die Theilnahme am göttlichen Mahle erfreutest, nicht irdischen Gefahren ausgesetzt seien. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Oder für den Papst.

Dieser Genuß des göttlichen Sakramentes schütze uns, o Herr! und rette und bewahre stets deinen Diener N., welchen Du als Hirten über deine Kirche gesetzt hast, zugleich sammt der ihm anvertrauten Heerde. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Neunter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1880; S. 44-53]

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