Dom Guéranger zum fünften Sonntag nach Ostern (3/3)

Zur Vesper.

Antiphon zum Magnificat.

Bittet, so werdet ihr empfangen, auf daß eure Freude vollkommen werde; denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt. Alleluja.

Gebet.

O Gott, von dem alles Gute kommt, gib deinen flehenden Dienern: daß wir durch deine Erleuchtung das, was recht ist, denken und dasselbe durch deine Leitung auch thuen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Wir schließen den Tag mit der ernsten Ermahnung, welche die gothische Kirche Spaniens mitten in den Osterfreuden an ihre Gläubigen richtete, um ihnen einen Wink über die nöthigen Vorsichtsmaßregeln zur Bewahrung des erlangten neuen Lebens zu geben.

Missa.

(Feria V. post Pascha.)

Geliebteste Brüder, unsere Wünsche seien mit Vorsicht, unsere Feste mit Wachsamkeit, unsere Freuden mit Mäßigung vereint. Wir müssen frohlocken, daß wir auferstanden sind, aber auch fürchten, damit wir nicht fallen. Zwischen dem neuen Leben und dem ehemaligen Tode haben wir zu wählen, was wir lieben müssen, und dabei uns bewußt bleiben, welchem Uebel wir entronnen sind. Denn es ist kein Irrthum, sondern eine Verachtung, trotz der Warnung zu sündigen. Wer sogar nach der Verzeihung sündigt, den trifft eine noch größere Strafe, und die Sünde ist um so größer, wenn man nach der Erlösung wieder in die Gefangenschaft des Teufels geräth. Gottes Güte ist mit Macht vereint, seine Macht erzeugt Furcht, und die Furcht vor ihm kommt von seiner Vergeltung. Er wäre nicht gütig gegen den Menschen gewesen, wenn sich nicht zuvor sein Zorn gegen den Teufel gewandt hätte. Wir werden durch seine Gnadengaben gestärkt, wenn wir nicht durch das Gesetz der Sünde uns verderben lassen. Der Grund, warum Gott unser schonte, war die Absicht, uns zu bessern. Seine Barmherzigkeit an uns ändert sich nicht, wenn unsere Beleidigungen sich nicht wiederholen. Er hat uns vergeben, was wir verschuldet, und hat uns ermahnt, daß wir nicht mehr sündigen. Seine Barmherzigkeit nützet uns, wenn unsere Besserung voranschreitet. Die Gnade hat den Menschen zum Kinde Gottes gemacht, aber der Teufel ist noch nicht gänzlich in der Hölle verschlossen; Gottes Macht hat die Sünde, aber nicht die Natur vernichtet; es ist uns Kraft zum Kampfe, aber keine sichere Ruhe gegeben; denn unser Widersacher ist nur beraubt, aber keineswegs vernichtet. Darum wüthet er jetzt heftiger gegen die, welche er verloren und über die er einst herrschte. Der Glaube ist uns ein befestigter Ort, das Kreuz unsere Waffe, das Fleisch und Blut Christi unser Feldzeichen; nun müssen wir Acht haben auf den Kampf. Der uns der Nothwendigkeit des Kampfes überließ, wollte in uns die Hoffnung auf den Sieg bestärken. Es ist zwar unsere Aufnahme zu Kindern Gottes vorangegangen, aber es folgt noch das Gericht über unseren Wandel. Hienieden verheißt er uns seinen Lohn, jenseits kommt nach der Arbeit die Vergeltung. Darum sei vor unseren Augen die Liebe des erbarmenden Gottes, der als unser Lösegeld nicht des Silbers Gewicht, noch Talente Goldes gegeben, auch nicht blos seine Gnaden gespendet, sondern sich der Schmach des Kreuzes unterworfen und im Grabe die erniedrigende Bestattung seines Leibes ertragen hat; er konnte nichts Größeres und Besseres gewähren, damit er uns beweise, daß wir mit um so größerem Eifer Ihm dienen sollten, der uns so theuer erkauft hat. Auf daß er also seiner Erlösung Wohlthaten in uns vollende, müssen wir mit fester Beharrlichkeit beten.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Neunter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1880; S. 53-55]

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