Dom Guéranger zu Christi Himmelfahrt (3/3)

Zur Vesper.

Jesus, der Herr, ist von der Erde verschwunden; aber sein Gedächtniß und seine Verheißungen sind im Herzen der heiligen Kirche zurückgeblieben. Sie folgt im Geiste dem so glänzenden Triumphe ihres Bräutigams, einem Triumphe, den er um die Erlösung der Menschen wohl verdient hat. Sie fühlt, daß sie Wittwe ist; aber sie erwartet mit festem Glauben den versprochenen Tröster. Indessen verrinnen die Stunden, der Abend naht; sie versammelt wiederum ihre Kinder, und in dem Vespergottesdienste läßt sie nochmals mit ihnen das tiefe Geheimniß dieses Tages an ihrem Geiste vorüberziehen.

Die Antiphonen zu den Psalmen bilden in ihrem Zusammenhang die Erzählung dieses Ereignisses, das um die Mittagsstunde stattfand; sie sind klangvoll, aber nicht ohne einen trüben Anflug, wie dies auch bei einem Abschiedstage passend ist.

Antiphon.

Ihr Männer von Galiläa! was schauet ihr gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden, wird ebenso wiederkommen. Alleluja.

109. Psalm.

Es sprach der Herr etc.

[…]

Antiphon.

Als sie ihm nachschauten, wie er in den Himmel fuhr, sprachen sie: Alleluja.

110. Psalm.

Lobsingen will ich Dir etc.

[…]

Antiphon.

Mit erhobenen Händen segnete er sie, und fuhr in den Himmel, Alleluja.

111. Psalm.

Glückselig der Mann etc.

[…]

Antiphon.

Erhebet den König der Könige und singet Gott ein Loblied! Alleluja.

112. Psalm.

Lobet den Herrn, ihr seine Kinder etc.

[…]

Antiphon.

Vor ihren Augen ward er aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn hinauf in den Himmel, Alleluja.

116. Psalm.

Lobet den Herrn, alle Völker; lobet ihn, alle Nationen!

Denn es ist bestätigt über uns seine Barmherzigkeit und die Wahrheit des Herrn bleibet in Ewigkeit.

Antiphon.

Vor ihren Augen ward er aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn hinauf in den Himmel, Alleluja.

Capitulum.

(Apostelgeschichte Capitel 1.)

In der ersten Erzählung, o Theophilus, hab’ ich von Allem gesprochen, was Jesus zu thun und zu lehren anfing, bis auf den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln, die er ausgewählt hatte, im Heiligen Geiste Befehle gegeben.

Die Hymne, voll Lieblichkeit, hat den heiligen Ambrosius zum Verfasser. Im siebenzehnten Jahrhundert erhielt sie jedoch einige mehr oder minder glücklich gewählte Neuerungen.

Hymnus.

O Jesu! aller Sünder Heil!
Der frommen Herzen bester Theil!
Du Schöpfer der erlösten Welt,
Licht, das der Reinen Geist erhellt!

Wie namenlos war deine Huld!
Du nahmst auf Dich der Sünder Schuld!
Du Reinster wollt’st dem Tod dich weih’n,
Uns von dem Tode zu befrei’n!

Du sprengst mit Macht der Hölle Thor,
Führst die Gefang’nen frei hervor,
Fährst nach vollbrachtem Siegeslauf
Zu deines Vaters Rechten auf.

Erzeig’ auch uns Barmherzigkeit,
Uns, die der Sünde Schuld entweiht!
Zeig’ uns dein Mittlerangesicht,
Und ström’ in uns dein sel’ges Licht!

Sei Du uns Führer, Weg und Ziel!
Dem Herzen Himmelsvorgefühl,
Und Wonne in der Thränenfluth,
Des Lebens süß’stes höchstes Gut.
Amen.

V. Der Herr hat im Himmel, Alleluja.

R. Bereitet seinen Sitz, Alleluja.

Die den Lobgesang Maria’s begleitende Antiphon ist eine Bitte an Jesus, seiner Verheißung zu gedenken und nicht damit zu zögern, daß er seine Braut durch die Sendung des Heiligen Geistes tröste. Die heilige Kirche wiederholt dieselbe täglich bis zur Ankunft des himmlischen Trösters.

Antiphon zum Magnificat.

O König der Herrlichkeit! Herr der Allmacht! Der Du heute als Sieger über alle Himmel Dich erhobest; laß uns nicht als Waisen zurück, sondern sende uns die Verheißung des Vaters herab, den Geist der Wahrheit. Alleluja.

Gebet.

Verleih’ uns, allmächtiger Gott! wir bitten Dich, daß, wie wir glauben, daß am heutigen Tage dein Eingeborener, unser Erlöser, gen Himmel aufgefahren ist, also auch wir mit unseren Gemüthern gen Himmel fahren, und im Himmel Wohnung finden mögen. Durch denselben Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

[…]

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Neunter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1880; S. 111-115]

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