Dom Guéranger zum Sonntag in der Octave von Christi Himmelfahrt (2/3)

Die Messe.

Der Introitus ist dem Psalter entnommen. Er drückt das Verlangen der heiligen Kirche aus, ihren Bräutigam wiederzusehen, der von ihr geflohen ist. Die gläubige Seele theilt dies Gefühl und schließt sich der gemeinsamen Mutter an, um mit ihr zu sagen: „Dein Angesicht will ich suchen, o Herr; wende nicht weg dein Angesicht von mir.“

Introitus.

Erhöre, o Herr, meine Stimme, womit ich zu Dir gerufen, Alleluja: Mein Herz hat zu Dir gesagt: ich habe gesucht dein Angesicht; dein Angesicht will ich suchen, o Herr! Wende nicht weg dein Angesicht von mir! Alleluja, Alleluja.

Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten?

Ehre sei dem Vater etc.

Erhöre, o Herr etc.

In der Collecte lehrt uns die Kirche, wie wir Gott um jenen guten Willen bitten sollen, der uns durch unseren Eifer, der göttlichen Majestät zu dienen, würdig macht, Jesum wiederzusehen.

Collecte.

Allmächtiger, ewiger Gott, gib, daß wir nicht blos im Willen Dir stets ergeben seien, sondern auch mit aufrichtigem Herzen deiner Majestät dienen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Hierauf geschieht des Himmelfahrtsfestes Erwähnung in der zweiten Collecte […].

Epistel.

Lesung aus dem ersten Briefe des heiligen Apostels Petrus Cap. 4.

Theuerste! Sei klug und wachsam im Gebete! Vor Allem aber liebet euch stets unter einander; denn die Liebe bedeckt die Menge der Sünden. Seid gastfrei gegen einander ohne Murren. Dienet einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als gute Haushälter der mannigfaltigen Gnade Gottes. Wenn Jemand lehrt, so lehre er nach Gottes Wort: wenn Jemand ein Amt hat, so diene er wie aus der Kraft, die Gott gibt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christum, unseren Herrn.

So lange die Jünger in dem Abendmahlsaale versammelt blieben, waren sie ein Herz und eine Seele und warteten der Ankunft des Heiligen Geistes. Der Fürst der Apostel, der den Vorsitz in dieser heilligen Versammlung führte, wendet sich zu uns, die wir dieselbe Gnade erwarten, und empfiehlt uns brüderliche Liebe. Er verspricht uns, daß diese Tugend die Menge unserer Sünden bedecken werde; welche glückliche Vorbereitung, um die göttliche Gabe zu empfangen! Der Heilige Geist kommt herab, um alle Menschen in eine einzige Familie zu vereinigen. Lassen wir also von allen Streitereien ab, und bereiten wir uns auf das allgemeine Bruderband vor, welches mit der Predigt des Evangeliums die Welt umschlingen soll. In der Erwartung der Herabkunft des verheißenen Trösters sagt uns der Apostel, daß wir klug und wachsam im Gebete sein sollen. Die Klugheit soll darin bestehen, daß wir aus unseren Herzen jedes Hinderniß entfernen, welches den göttlichen Geist abstoßen könnte; das Gebet aber soll unsere Herzen öffnen, damit jener sie erkenne und sich in ihnen niederlasse.

Von den beiden Versikeln des Alleluja ist der eine David entnommen und preist die Majestät Jesu auf seinem königlichen Throne; der andere besteht aus den Worten des Heilandes selbst, welcher uns verspricht, am Ende der Zeiten wieder zu kommen, und dann seine Auserwählten zu sich zu fordern.

Alleluja, Alleluja.

Gott herrschet über alle Heiden; Gott sitzet auf seinem Heiligen Stuhle. Alleluja.

„Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich gehe fort und komme wieder zu euch, und euer Herz wird sich erfreuen.“ Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Johannes Cap. 15.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: „Wenn der Tröster kommen wird, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, derselbe wird von mir Zeugniß geben. Und auch ihr werdet Zeugniß geben, weil ihr vom Anfange an bei mir seid. Dieses habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch aus den Synagogen ausstoßen; ja, es kommt die Stunde, daß Jeder, der euch tödtet, Gott einen Dienst zu thun glauben wird. Und das werden sie euch thun, weil sie weder den Vater noch mich kennen. Aber ich habe euch dies gesagt, damit, wenn die Stunde kommt, ihr euch daran erinnert, daß ich es euch gesagt habe.“

Unmittelbar vor der Sendung seines Geistes kündigt uns Jesus die Wirkungen an, welche dieser göttliche Tröster in uns hervorbringen wird. Indem er sich beim letzten Abendmahle an die Apostel wendet, sagte er ihnen, daß dieser Geist von ihm Zeugniß ablegen werde, d. h. daß er sie über die Gottheit Jesu und über die Treue bis zum Tode, die sie ihm schuldig sind, belehren werde. Das soll in ihnen jener göttliche Gast bewirken, den Jesus, als er in den Himmel fuhr, ihnen als einen Geist der Stärke bezeichnete. Harte Prüfungen warten ihrer und sie müssen bis zum letzten Blutstropfen Widerstand leisten. Wer wird da diese schwachen Menschen unterstützen? Eben der göttliche Geist, der sich auf sie niedergelassen. Durch ihn werden sie siegen, wird das Evangelium seinen Zug durch die Welt halten. Und jetzt kommt er von Neuem, dieser Geist, der vom Vater und vom Sohne ausgeht; und was anders soll der Zweck seiner Ankunft sein, wenn nicht auch uns für den Kampf zu waffnen, auch uns in dem Ringen stark zu machen? Wenn wir die österliche Zeit verlassen, wo die erhabensten Geheimnisse uns leuchten und schützen, dann finden wir vor uns den ergrimmten Höllengeist, die unserer wartende Welt und die einen Augenblick beruhigten Leidenschaften, die auf’s Neue erwachen wollen. Wenn wir mit der Kraft des Heiligen Geistes bekleidet sind, dann haben wir nichts zu fürchten; verlangen wir darum nach der Ankunft des himmlischen Trösters; bereiten wir ihm in uns eine seiner Majestät würdige Aufnahme vor. Wenn wir ihn empfangen haben, dann hüten wir ihn, wie ein theures Kleinod; er wird uns den Sieg sichern, wie er ihn den Aposteln gesichert hat.

Das Offertorium erinnert mit den Worten des königlichen Propheten an die Größe des zum Himmel auffahrenden Jesus; die heilige Kirche will, daß der Gedanke an einen solchen Triumph uns unaufhörlich begleite und daß er unser Sehnen für immer nach dem Aufenthalte lenkt, wo der Triumphator uns erwartet.

Offertorium.

Gott ist aufgefahren mit Jubelklang, der Herr mit Posaunenschall. Alleluja.

Wenn die heilige Kirche Gott Brod und Wein opfert, welche alsbald in den Leib und das Blut Jesu umgewandelt werden, dann erfleht sie im Stillgebet für uns, daß diese göttlichen Geheimnisse uns nicht nur reinigen, sondern auch jene Thatkraft uns verleihen mögen, ohne welche es ein christliches Leben nicht gibt.

Stillgebet.

O Herr, diese unbefleckten Opfergaben mögen uns reinigen, und unseren Herzen die Kraft der himmlischen Gnade mittheilen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

In dem zweiten Stillgebet […] geschieht der Himmelfahrt Erwähnung.

Daran schließt sich die Himmelfahrts-Präfation […].

Das Gebet Jesu an seinen Vater bildet die Antiphon zur Communion. Er sprach dies Gebet, nachdem er seine Jünger mit seinem heiligen Fleische genährt. Zugleich legt er darin nieder, was er für uns Alle verlangt.

Communion.

„Als ich bei ihnen war, bewahrte ich die, welche Du mir gegeben hast, Alleluja: nun aber komme ich zu Dir. Ich bitte nicht, daß Du sie von der Welt wegnehmest, sondern daß Du sie vor dem Bösen bewahrest.“ Alleluja, Alleluja.

Danksagung ist die erste Pflicht des Christen nach der Theilnahme am Leibe und Blute Jesu Christi; die Kirche, welche besser als wir die Größe der empfangenen Wohlthat zu würdigen weiß, erfleht für uns in der Postcommunion, daß wir nie von der Pflicht der Danksagung abweichen.

Postcommunion.

O Herr, von den himmlischen Gaben gesättigt, bitten wir Dich, verleihe uns, daß wir stets in der Danksagung verharren. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Neunter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1880; S. 140-146]

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