Dom Guéranger zum Pfingstsonntag (3/3)

Zur Messe.

Der Augenblick, das heilige Meßopfer zu feiern, ist nun da. Von dem göttlichen Geiste erfüllt, steht die Kirche im Begriff, den erhabenen Tribut ihrer Dankbarkeit zu zahlen, indem sie das Opferlamm darbringt, das uns durch seine Hinopferung eine solche Gabe verdient hat. Schon der Introitus ertönt mit einem Glanz und einem Wohlklang sonder Gleichen. Selten erhebt sich der Gregorianische Gesang zu einer solchen Begeisterung. Die Worte enthalten einen Spruch aus dem Buche der Weisheit, der heute seine Erfüllung empfängt. Es ist der göttliche Geist, der sich über die Welt ausbreitet und der als Unterpfand seiner Gegenwart den Aposteln die Kenntniß der Sprachen verleiht, deren Quelle er ist.

Introitus.

Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis, Alleluja: und Dem, der Alles zusammen hält, ist jeder Laut bekannt, Alleluja. Alleluja, Alleluja.

Es erhebe sich Gott, daß zerstreut werden seine Feinde, und fliehen, die ihn hassen, vor seinem Angesichte.

Ehre sei dem Vater etc.

Der Geist des Herrn etc.

Die Collecte kleidet unsere Bitten an einem so großen Tage in die geeigneten Worte. Sie sagt uns gleichzeitig, daß der Heilige Geist uns zwei Hauptgaben bringt: den Geschmack an göttlichen Dingen und die Tröstung des Herzens; bitten wir, daß das Eine wie das Andere in uns bleibe, auf daß wir vollkommene Christen werden.

Collecte.

O Gott, welcher Du heute die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes unterwiesen hast: laß uns in demselben Geiste die wahre Weisheit haben und uns stets seiner Tröstung erfreuen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Epistel.

Lesung der Apostelgeschichte Cap. 2.

Als der Tag des Pfingstfestes angekommen war, waren alle Jünger beisammen an demselben Orte: da entstand plötzlich vom Himmel ein Brausen, gleich dem eines daherfahrenden gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zertheilte Zungen, wie Feuer, und es ließ sich auf einen Jeden von ihnen nieder; und Alle wurden mit dem Heiligen Geiste erfüllt und fingen an, in verschiedenen Sprachen zu reden, so wie der Heilige Geist es ihnen gab auszusprechen. Es waren aber zu Jerusalem Juden wohnhaft, gottesfürchtige Männer, aus allerlei Völkern, die unter dem Himmel sind. Als nun diese Stimme erscholl, kam die Menge zusammen und entsetzte sich; denn es hörte ein Jeder sie reden in seiner Sprache. Es erstaunten aber Alle, verwunderten sich und sprachen: „Siehe, sind nicht Alle diese, die da reden, Galiläer? wie hören wir denn, ein Jeder seine Sprache, in der wir geboren sind? Wir Parther, Meder, Aelamiter und Bewohner von Mesopotamien, Judäa, Kappadocien, Pontus und Asia, von Phrygien und Pamphylien, Aegypten und von den Gegenden Libyens bei Cyrene, wir Ankömmlinge von Rom, wir Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unseren Sprachen die großen Thaten Gottes aussprechen.“

Vier große Ereignisse bezeichnen das Dasein des Menschengeschlechtes auf Erden und alle vier legen zugleich Zeugniß von der unendlichen Güte Gottes gegen uns ab. Das erste ist die Erschaffung des Menschen und seine Berufung zu einem übernatürlichen Zustand, die ihm als letztes Ziel die ewige Anschauung und den Besitz Gottes vorsetzt. Das zweite ist die Menschwerdung des göttlichen Wortes, welches in Christus unsere menschliche Natur mit der göttlichen vereinigte und dadurch sowohl das geschaffene Wesen zur Theilnahme an der Gottheit erhob, als auch das nothwendige Opfer brachte, um Adam und sein Geschlecht wieder zu erkaufen. Das dritte Ereigniß ist die Herabkunft des Heiligen Geistes, deren Jahresgedächtniß wir heute feiern. Das vierte endlich ist die Wiederkunft des Sohnes Gottes, der die Kirche, seine Braut, befreien und sie zum Himmel führen wird, um dort mit ihr ewige Hochzeit zu feiern. Diese vier göttlichen Thaten, deren letzte noch bevorsteht, bilden den Schlüssel zur Geschichte der Menschheit. Außerhalb dieses Rahmens gibt es Nichts; aber der rein irdische Mensch sieht ihn nicht, ja, er denkt gar nicht, daß es so sein könnte. „Das Licht leuchtete in der Finsterniß, aber die Finsterniß hat es nicht begriffen [Joh. 1, 5].“

Gesegnet sei daher der barmherzige Gott, der uns „aus der Finsterniß zu dem wunderbaren Lichte des Glaubens berufen hat [1. Petr. 2, 9].“ Er hat uns zu Kindern jenes Geschlechtes gemacht, die „nicht aus dem Willen des Fleisches und nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott sind [Joh. 1, 13].“ Durch diese Gnade merken wir heute auf das dritte göttliche Werk auf dieser Welt, auf die Herabkunft des Heiligen Geistes, und wir haben eben den mächtig aufregenden Bericht über seine Ankunft gehört. Dieser geheimnißvolle Sturm, diese feurigen Zungen, diese heilige Begeisterung versetzen uns gewissermaßen mitten in den göttlichen Rath, und wir rufen unwillkürlich: „Hat denn Gott wirklich diese Welt so sehr geliebt?“ Als Jesus noch unter uns wandelte, sagte er uns: „Ja, Gott hat die Welt also geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn für sie dahin gab [Joh. 3, 16].“ Heute müssen wir nun dies erhabene Wort vervollständigen und sagen: „Der Vater und der Sohn haben die Welt so sehr geliebt, daß sie für sie ihren Heiligen Geist dahingegeben haben.“ Nehmen wir nun eine solche Gabe auf und begreifen wir endlich, was eigentlich der Mensch ist. Der Rationalismus, der Naturalismus meinen den Menschen größer zu machen, indem sie ihn unter das Joch des Hochmuthes und der Sinnlichkeit beugen; der christliche Glaube dagegen legt uns Demuth und Selbstverleugnung auf, zeigt uns aber dafür, wie Gott selbst sich für uns hingibt.

Der erste Alleluja-Vers enthält die Worte Davids, in welchen der Heilige Geist als der Urheber einer neuen Schöpfung und als der Erneuerer der Erde gezeigt wird. Der zweite Vers ist das rührende Gebet, mittels dessen die heilige Kirche den Geist der Liebe auf ihre Kinder herab ruft. Man singt dieselben immer knieend.

Alleluja, Alleluja.

Sende aus deinen Geist, und sei werden geschaffen, und Du erneuerst das Angesicht der Erde. Alleluja.

Komm’, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Es folgt nunmehr die Sequenz, eine Dichtung voll Begeisterung und unaussprechlicher Liebe zu Dem, der da ewig lebt und regiert in Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes und der im Begriffe steht, sein Reich in unseren Herzen zu gründen. Sie entstand am Ende des zwölften Jahrhunderts und wird mit Wahrscheinlichkeit dem großen Papste Innocenz III. zugeschrieben.

Sequenz.

Komm’, o Heil’ger Geist, herab!
Send’ von deines Lichtes Gab’
Einen Strahl in unsre Brust!
Komm’, der Armen Trost, o Geist!
Komm’, der Gnaden Du verleihst!
Komm’, der Herzen Licht und Lust!

Unser Trost bei herber Last!
Unsrer Seele süßer Gast!
Süßeste Erquickung Du!
Kühlung in der Sünden Gluth!
Der Bedrängten Trost und Muth
In der Arbeit süße Ruh’!

O Du Licht voll Seligkeit!
Deine ganze Christenheit
Sei von deinem Strahl erhellt!
Ohne deine Gottesgnad’
Thut der Mensch nicht gute That,
Ist der Sünde blosgestellt.

Wasch’ den Sündenunrath fort,
Netze, was in uns verdorrt,
Heile, was verwundet steht!
Beuge starren Eigensinn,
Kälte schmilz in Liebe hin,
Leite den, der irre geht.

Gib der Gnaden Siebenzahl
Deinen Gläubigen zumal,
Welche fest auf Dich vertrau’n.
Gib uns Tugend in der Zeit,
Gute Reif’ zur Ewigkeit,
Gib, daß wir den Himmel schau’n!
Amen. Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Johannes Cap. 14.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Wenn mich Jemand liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben: wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht; und das Wort, welches ihr gehört habet, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Dieses habe ich zu euch geredet, da ich noch bei euch bin. Der Tröster aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, derselbe wird euch Alles lehren und euch an Alles erinnern, was immer ich euch gesagt habe. Den Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz betrübe sich nicht und fürchte nicht! Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, so würdet ihr euch ja freuen, daß ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehedenn es geschieht, damit ihr glaubet, wann es geschehen sein wird. Ich werde nun nicht mehr viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt; aber er hat Nichts an mir; sondern damit die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe und thue, wie mir es der Vater befohlen hat.“

Die Herabkunft des Heiligen Geistes ist nicht nur ein Ereigniß, welches für die Menschheit im Allgemeinen von höchster Wichtigkeit ist; auch jeder einzelne Mensch ist berufen, dieselbe Heimsuchung zu empfangen, welche heute „das Angesicht der Erde erneuert [Psalm 103, 30].“ Die barmherzige Absicht des höchsten Herrn aller Dinge ging so weit, einen persönlichen Bund mit Jedem von uns abschließen zu wollen. Jesus stellt an uns nur eine Forderung: wir sollen ihn lieben und sein Wort halten; unter dieser Bedingung verspricht er uns, daß sein Vater uns lieben und mit ihm in unserer Seele wohnen werde. Aber damit noch nicht genug. Er verkündigt uns auch die Ankunft des Heiligen Geistes, der durch seine Gegenwart die Behausung Gottes in uns vervollständigen wird. Die erhabene Dreifaltigkeit bildet sich gleichsam in dieser niederen Wohnung einen neuen Himmel, bis wir selbst, nach diesem Leben, in jene seligen Stätten eingehen, wo wir den göttlichen Gast, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der sein menschliches Geschöpf so sehr geliebt hat, schauen werden.

Jesus lehrt uns in dieser Stelle aus der Rede, die er an seine Jünger nach dem Abendmahle richtete, daß der Heilige Geist, der heute auf uns herab kommt, von dem Vater gesendet wird, aber von dem Vater im Namen des Sohnes, wie auch an einer anderen Stelle Jesus sagt, daß er selbst den Heiligen Geist senden werde [Joh. 15, 26]. Diese verschiedene Art und Weise des Ausdrucks soll uns die Beziehungen offenbaren, die in der göttlichen Dreifaltigkeit zwischen den beiden ersten Personen und dem Heiligen Geiste bestehen. Dieser Heilige Geist ist vom Vater, aber er ist ebenso vom Sohne; es ist der Vater, der ihn sendet, aber der Sohn sendet ihn ebenso; denn er geht aus dem Einen und dem Anderen als aus der nämlichen Quelle hervor. An diesem hohen Pfingstfeste muß also unsere Dankbarkeit sich gleichfalls gegen den Vater, der die Macht ist, und gegen den Sohn, der die Weisheit ist, richten. Denn die Gabe, die uns vom Himmel kommt, kommt von Beiden. Ewig hat der Vater den Sohn gezeugt, und als die Fülle der Zeiten gekommen, hat er ihn für die Menschen hingegeben , um in menschlicher Natur ihr Mittler und Erlöser zu sein. Von Ewigkeit her ist der Heilige Geist vom Vater und vom Sohne ausgegangen und zur bestimmten Stunde haben sie ihn hernieder gesandt, um das Princip der Liebe unter den Menschen zu sein, wie er es zwischen dem Vater und dem Sohne ist. Jesus lehrt uns, daß die Sendung des Heiligen Geistes später als die seinige erfolgen mußte, weil die Menschen zuerst von ihm, der die Weisheit ist, in die Wahrheit eingeführt werden mußten. In der That hätten sie ja nicht lieben können, was sie nicht kannten. Aber als Jesus sein Werk gänzlich vollbracht, als er seiner menschlichen Natur nach auf dem Throne Gottes, seines Vaters, zusammen mit diesem saß, da sendet er den Heiligen Geist, um in uns das Wort zu bewahren, das „Geist und Leben [Joh. 6, 64]“ ist und das in uns die Vorbereitung der Liebe bedeutet.

Das Offertorium bilden die Worte des 67. Psalm, in welchem David die Ankunft des göttlichen Geistes vorhersagt. Derselbe soll beseitigen, was Jesus gewirkt hat. Der Abendmahlsaal verdunkelt den ganzen Glanz des Tempels von Jerusalem; von nun an gibt es nur noch die katholische Kirche, welche bald Könige und Völker in ihren Schoß aufnehmen wird.

Offertorium.

Befestige das, Gott, was Du gewirket unter uns, von deinem Tempel aus zu Jerusalem. Die Könige sollen Dir Geschenke bringen. Alleluja.

Angesichts der heiligen Gaben, welche eben dargebracht wurden und auf dem Altare ruhen, bitten die Kirche im Stillgebet, daß die Ankunft des Heiligen Geistes für die Gläubigen ein Feuer sei, welches ihre Befleckungen verzehrt, und ein Licht, welches ihren Geist durch ein vollkommeneres Verständniß der Lehre Christi erleuchtet.

Stillgebet.

O Herr, wir bitten Dich, heilige die dargebrachten Opfer und reinige unsere Herzen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Präfation.

Wahrlich ist es würdig und recht, billig und heilsam, daß wir Dir immer und überall Dank sagen, o heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, durch Christum, unseren Herrn: Welcher hinauffuhr über alle Himmel, zu deiner Rechten sitzt und den versprochenen Heiligen Geist am heutigen Tage über die Söhne seiner Kindschaft ausgoß. Deßhalb frohlockt die Welt und der ganze Erdkreis im Jubelstrome. Aber auch die himmlischen Kräfte und die Mächte der Engel singen das Loblied deiner Herrlichkeit, indem sie ohne Ende sprechen: Heilig, Heilig, Heilig etc.

Die Antiphon zur Communion feiert mit den Worten der heiligen Schrift den Augenblick der Ankunft des Heiligen Geistes. Jesus Christus hat sich seinen Jüngern in der eucharistischen Speise hingegeben: aber der Heilige Geist hat sie auf eine solche Gnade vorbereitet: er, der auf dem Altare das Brod und den Wein in das Fleisch und das Blut des heiligen Opferlammes verwandelt; er, der ihnen auch helfen wird, die heilige Speise in sich zu bewahren, welche die Seelen für das ewige Leben behütet.

Communion.

Es entstand plötzlich vom Himmel ein Brausen, gleich dem eines daherfahrenden gewaltigen Windes, da, wo sie saßen, Alleluja: und Alle wurden mit dem Heiligen Geiste erfüllt und sprachen die Großthaten Gottes. Alleluja, Alleluja.

Die Kirche ist durch das heilige Geheimniß in den Besitz ihres Bräutigams getreten und erfleht nun für ihre Gläubigen, daß der Heilige Geist beständig in ihren Seelen verweile; zugleich offenbart sie uns eines der Prärogative dieses Heiligen Geistes. Wenn derselbe nämlich unsere Seelen öde und unfähig findet, aus sich selbst Früchte zu bringen, dann wandelt er sich in Thau, um sie fruchtbar zu machen.

Postcommunion.

O Herr, dein Heiliger Geist ergieße sich in unsere Herzen, reinige sie und befruchte unser Innerstes mit seinem Thau. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Neunter Band: Die österliche Zeit; Mainz 1880; S. 241-251]

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