Dom Guéranger zum Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit (2/3)

Zur Messe.

Das Meßopfer wird allezeit zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit dargebracht. Heute aber verherrlicht die Kirche in ihren Gesängen, Gebeten und Lesungen, ganz besonders dies große Geheimniß, auf welchem der christliche Glaube beruht. Man thut indessen auch des ersten Sonntags nach Pfingsten Erwähnung, um die liturgische Reihenfolge nicht zu unterbrechen. Die Kirche wendet heute die weiße Farbe an, sowohl als ein Zeichen der Freude, wie auch um die Einheit und Reinheit der göttlichen Natur anzudeuten.

Der Introitus ist nicht aus der heiligen Schrift entnommen. Er besteht vielmehr aus einer diesem Tage eigenthümlichen Verherrlichungsformel. Die heilige Dreifaltigkeit ist darin als die göttliche Quelle aller Barmherzigkeit, die den Menschen erwiesen worden ist, dargestellt.

Introitus.

Gepriesen sei die heilige Dreifaltigkeit und unzertheilte Einheit; wir wollen sie preisen, weil sie an uns Barmherzigkeit gethan.

Herr, unser Herr, wie wunderbar ist dein Namen auf der ganzen Erde!

Ehre sei dem Vater etc.

Gepriesen sei etc.

In der Collecte erfleht die heilige Kirche für uns die Festigkeit im Glauben, durch welchen wir in Gott die Einheit und die Dreifaltigkeit bekennen. Es ist das die erste Bedingung des Heils, das erste Band mit Gott. Mit diesem Glauben werden wir unsere Feinde überwinden und über alle Hindernisse triumphiren.

Collecte.

Allmächtiger, ewiger Gott, welcher Du deinen Dienern im Bekenntniß des wahren Glaubens verliehen hast, die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen, und in der Macht und Majestät die Einheit anzubeten; wir bitten Dich, daß wir durch die Festigkeit eben dieses Glaubens stets vor allen Widerwärtigkeiten beschützt werden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Commemoration des ersten Sonntags nach Pfingsten.

O Gott, Du Stärke der auf Dich Hoffenden, erhöre huldreich unsere Gebete: und weil die menschliche Schwäche ohne Dich Nichts vermag, so gewähre uns den Beistand deiner Gnade, damit wir in der Vollziehung deiner Gebote Dir mit dem Willen und mit der That gefallen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Epistel.

Lesung des Briefes des heiligen Apostels Paulus an die Römer Cap. 11.

O Tiefe des Reichthumes der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Rathgeber gewesen? Oder wwer hat ihm zuerst Etwas gegeben, daß es wieder vergolten werde? Denn von ihm und durch ihn und in ihm ist Alles. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Wir können unsere Gedanken nicht auf die göttlichen Rathschlüsse richten, ohne eine Art Schwindel zu empfinden. Das Ewige und Unendliche blendet unsere schwache Vernunft, und diese Vernunft erkennt die göttlichen Rathschlüsse an und bekennt sie. Wenn nun schon die Rathschlüsse Gottes über seine Geschöpfe unsere Fassungskraft schwindeln machen, wie soll da erst die innerste Natur und Wesenheit Gottes erkannt werden? Und dennoch unterscheiden und verherrlichen wir in dieser unerschaffenen Wesenheit den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Das rührt daher, daß der Vater sich uns selbst offenbarte, indem er uns den Sohn, den Gegenstand seines ewigen Wohlgefallens, sendete; der Sohn offenbarte uns seine Persönlichkeit, indem er unser Fleisch annahm, was der Vater und der Heilige Geist mit ihm nicht angenommen haben. Es rührt ferner daher, daß der von dem Vater und dem Sohne gesendete Heilige Geist herabgekommen ist, um in uns die ihm von Beiden übertragene Sendung zu erfüllen. So taucht unser sterbliches Auge voll Ehrfurcht in die heiligen Tiefen, und unser Herz schlägt in zitternder Rührung bei dem Gedanken, daß wir die Erkenntniß Gottes seinen Wohlthaten verdanken, und die erste Wohlthat besteht darin, daß er uns den Begriff dessen, was er ist, beibrachte. Hüten wir diesen Glauben mit Liebe, erwarten wir vertrauensvoll den Augenblick, wo der Glaube schwindet, um der ewigen Anschauung dessen Platz zu machen, was wir hienieden geglaubt.

Das Graduale sammt dem Versikel „Alleluja“ athmen Freude und Bewunderung in Gegenwart jener erhabenen Majestät, welche sich gewürdigt hat, ihre Strahlen bis in den Schoß unserer Finsterniß herabzusenden.

Graduale.

Gepriesen bist Du, o Herr, der Du Abgründe durchschauest und auf Cherubinen sitzest.

Gepriesen bist Du, o Herr, am Himmelszelt und lobenswerth in Ewigkeit.

Alleluja, Alleluja.

Gepriesen bist Du, o Herr, Gott unserer Väter, und lobenswerth in Ewigkeit. Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Matthäus Cap. 28.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie Alles halten, was ich euch befohlen habe; und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an’s Ende der Welt.“

Das Geheimniß der allerheiligsten Dreifaltigkeit offenbart sich in der Sendung des Sohnes Gottes, der auf diese Welt kam, und in der Verheißung der demnächstigen Sendung des Heiligen Geistes. Den Menschen wurde das förmlich und unzweideutig in den feierlichen Worten mitgetheilt, welche Jesus sprach, bevor er in den Himmel auffuhr. Er sagte: „Wer da glaubt und sich taufen läßt, der wird selig werden [Mark. 16, 16].“ Dann aber fügte er bei, daß die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes gespendet werden solle. Der Mensch darf darum von jetzt an nicht mehr blos die Einheit Gottes bekennen, indem er der Vielgötterei abschwört, sondern er muß auch die Dreifaltigkeit der Personen in der Einheit der Wesenheit anbeten. Das große Geheimniß des Himmels ist jetzt eine Wahrheit geworden, welche über der ganzen Erde verbreitet wird.

Wenn wir aber in aller Demuth Gott so erkennen, wie er in sich ist, dann müssen wir auch die Huldigung ewiger Dankbarkeit der glorreichen Dreifaltigkeit darbringen. Nicht nur hat sie sich gewürdigt, ihre göttlichen Züge unserer Seele aufzudrücken, die ja nach ihrem Vorbilde geschaffen ist, sondern in der übernatürlichen Ordnung hat sie sich unseres Wesens bemächtigt, und dasselbe zu einer unermeßlichen Größe erhoben. Der Vater hat uns in seinem menschgewordenen Sohne an Kindesstatt angenommen, das Wort erleuchtet unseren Verstand mit seinem Lichte, der Heilige Geist hat uns zu seiner Wohnung auserwählt. Das Alles liegt in der Form der heiligen Taufe. Durch jene Worte, welche bei der Ausgießung des Wassers über uns gesprochen werden, hat die ganze Dreifaltigkeit von ihrem Geschöpfe Besitz ergriffen. An dieses erhabene Wunder gedenken wir jedesmal, wenn wir beim heiligen Kreuzzeichen die drei göttlichen Personen anrufen. Wenn unsere sterblichen Ueberreste in das Haus Gottes gebracht werden, um da die letzten Segnungen und das Lebewohl der irdischen Kirche zu empfangen; dann wird der Priester den Herrn anflehen, nicht mit seinem Diener in’s Gericht zu gehen; und um auf diesen bereits in die Ewigkeit eingegangenen Christen das Auge der göttlichen Barmherzigkeit zu lenken, wird er dem höchsten Richter vorstellen, daß dieses Glied des Menschengeschlechts mit dem Siegel der heiligen Dreifaltigkeit bezeichnet war. Halten wir dieses erhabene Merkmal in Ehren; es wird ewig sein. Selbst die Verwerfung könnte es nicht austilgen. Es sei darum unsere Hoffnung, unser schönster Titel, und so mögen wir leben für die Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Im Offertorium leitet die Kirche das sich vorbereitende Opfer damit ein, daß sie bei Darbringung der Opfergaben die Namen der drei göttlichen Personen anruft und die göttliche Barmherzigkeit verkündet.

Offertorium.

Gepriesen sei Gott der Vater, und der eingeborene Sohn Gottes, und auch der Heilige Geist; denn er hat an uns seine Barmherzigkeit gethan.

Die heilige Kirche erfleht im Stillgebet, daß die Huldigung, welche wir in diesem Opfer der göttlichen Dreifaltigkeit darbringen, nicht auf heute beschränkt bleibe, sondern daß sie durch unsere Aufnahme in den Himmel, wo wir den einen Gott in drei Personen unverhüllt schauen werden, sich verewige.

Stillgebet.

Herr, unser Gott, wir bitten Dich, heilige durch die Anrufung deines heiligen Namens diese Opfergabe: und mache durch dieselbe aus uns selbst ein ewiges Opfer für Dich. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Commemoration des Sonntags.

O Herr, wir bitten Dich, nimm gnädig an das Dir geweihte Opfer: und laß es uns zum ewigen Schutzmittel gedeihen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

In der Antiphon zu Communion fährt die Kirche fort, die Barmherzigkeit Gottes zu erheben, der seine eigenen Wohlthaten dazu benutzte, um uns aufzuklären und über sein unerforschliches Wesen uns zu unterrichten.

Communion.

Wir preisen den Herrn des Himmels, und vor allen Lebendigen wollen wir ihn loben; denn er hat an uns seine Barmherzigkeit gethan.

Zwei Dinge sind uns nothwendig, um zu Gott zu gelangen: das Licht des Glaubens, wodurch unser Verstand ihn erkennt, und die göttliche Speise, die uns mit ihm vereint. Die heilige Kirche erfleht nun in der Postcommunion, daß das eine wie das andere uns zum glücklichen Ziele unserer Erschaffung hinleiten möge.

Postcommunion.

O Herr, unser Gott, der Empfang dieses Sakramentes gereiche uns zum Heil an Leib und Seele: und ebenso das Bekenntniß der ewigen und heiligen Dreifaltigkeit, die zugleich unzertheilte Einheit ist. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Commemoration des Sonntags.

O Herr, nachdem Du uns mit so hohen Gütern gesättigt hast, bitten wir Dich: daß wir die heilbringenden Gaben nicht blos empfangen, sondern auch in deinem Lobe nie lässig werden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Als letztes Evangelium wird heute nicht der Anfang des Evangeliums Johannis, sondern statt desselben das Evangelium des ersten Sonntags nach Pfingsten gelesen.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Lukas Cap. 6.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet werden; verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammet werden; vergebet, so wird euch vergeben werden. Gebet, so wird euch gegeben werden, ein gutes, ein eingedrücktes, gerütteltes und aufgehäuftes Maß wird man in euern Schoß geben; denn mit demselben Maße, womit ihr messet, wird euch wieder gemessen werden.“ Er sagte ihnen aber auch ein Gleichniß: „Kann wohl ein Blinder einen Blinden führen? Fallen sie nicht Beide in die Grube? Der Jünger ist nicht über den Meister; Jeder aber wird vollkommen sein, wenn er wie sein Meister ist. Warum siehst du den Splitter in deines Bruders Auge; des Balkens aber in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, laß mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, da du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Heuchler, zieh’ zuvor den Balken aus deinem eigenen Auge; dann magst du sehen, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.“

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Zehnter Band: Die Zeit nach Pfingsten; Mainz 1881; S. 123-131]

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