Dom Guéranger zum Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit (3/3)

Zur Vesper.

Antiphon.

Ehre sei Dir, in Allem sich gleiche Dreifaltigkeit, Eine Gottheit, die Du warst vor allen Zeiten, bist und bleibst in alle Ewigkeit!

109. Psalm.

Es sprach der Herr.

[…]

Antiphon.

Lob und ewige Ehre Gott, dem Vater und dem Sohne und auch dem Heiligen Geiste, dem Tröster, nun und in alle Ewigkeit!

110. Psalm.

Lobsingen will ich Dir.

[…]

Antiphon.

Verherrlichung und Lob ertöne aus Aller Munde dem Vater und dem von Ihm gezeugten Sohne; ewiger Preis werde auch gesungen dem Heiligen Geiste!

111. Psalm.

Glückselig der Mann.

[…]

Antiphon.

Ehre sei Gott dem Vater und seinem Ihm gleichen Sohne! und Dir, o Heiliger Geist! singe unaufhörlich Lob unser Mund und die ganze Ewigkeit!

112. Psalm.

Lobet den Herrn.

[…]

Antiphon.

Von Ihm und durch Ihn und in Ihm ist Alles, Ihm sei Ehre in Ewigkeit!

113. Psalm.

Als Israel auszog.

[…]

Capitulum.

(Röm. 11.)

O Tiefe des Reichthums der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und wie unerforschlich seine Wege!

Hymnus.

Schon weicht der Sonne Flammenstrahl;
O selige Dreieinigkeit,
Du Licht, das ewig uns erfreut,
Sei uns’re Sonn’ im dunklen Thal!

Dir singen wir des Morgens Preis
Und wann erscheint das Abendroth,
Laß gnädig uns nach unserm Tod
Dir singen in der Heil’gen Kreis.

Um diese Gnade flehen wir,
O Vater, Sohn und Heil’ger Geist,
Den Mensch und Engel ewig preist,
Mit Mund und Herz empor zu Dir!
Amen.

V. Gepriesen seist Du, o Herr, am Firmamente des Himmels.

R. Der Du lobwürdig und herrlich bist in Ewigkeit.

Antiphon zum Magnificat.

Dich Gott, den ungezeugten Vater, Dich, den eingebornen Sohn, Dich, den Heiligen Geist, den Tröster, die heilige und unzertheilte Dreifaltigkeit, preisen und bekennen wir aus ganezm Herzen und Munde; Dich loben und benedeien wir! Dir sei Ehre in Ewigkeit!

Gebet.

Allmächtiger und ewiger Gott! Der Du uns die Gnade ertheilt hast, daß wir im Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit erkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten vermochten! Laß uns nun die Festigkeit desselben Glaubens zum Schilde werden, der uns vor allen widrigen Anfällen schützt. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Commemoration des Sonntags.

Antiphon.

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welchem Urtheil ihr richtet, mit dem werdet ihr auch gerichtet werden.

Versikel.

V. Es steige auf, o Gott, mein Gebet,

R. Wie Weihrauch vor deinem Angesicht.

Gebet.

Gott! Der Du Aller, die auf Dich trauen, Macht und Stärke bist! Erhöre gnädig unser Flehen! und weil die Schwachheit der Sterblichen ohne Dich nichts vermag, so stütze uns durch deine helfende Gnade, damit wir in Erfüllung deiner Gebote durch unser Wollen und unser Thun Dir wohlgefällig werden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.

Das Mittelalter hat uns für das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit mehrere Sequenzen überliefert. Sie sind mit metaphysischen Ausdrücken überladen und im Ganzen von nur geringem poetischem Werth. Man hört daraus die Schulsprache hervor, die zudem eckig ist, so daß sie kaum dem Geschmack der heutigen Leser entspricht. Wir bringen nur eine von Adam von St. Victor herrührende; trotz ihrer scholastischen Form bewahrt sie immer noch jenen majestätischen Wohlklang, welcher allen Compositionen dieses großen geistlichen Dichters eigen ist.

Sequenz.

Lasset uns den Einen Gott preisen und zugleich die Dreifaltigkeit verehren; lasset uns drei göttliche Personen bekennen, welche nach den persönlichen Eigenthümlichkeiten sich unterscheiden.

Drei sind es den persönlichen Beziehungen nach, aber Eines sind sie der Natur nach, und es sind nicht drei Wesen. Obgleich es drei sind, so ist es doch nur Eine Natur, keine dreifache Wesenheit.

Einfach ist ihr Sein, einfach ihre Macht, einfach ihr Wollen, einfach ihre Weisheit, Alles in ihnen ist einfach. Die Macht Einer Person ist nicht kleiner als die Macht zweier oder dreier Personen.

Vater, Sohn und Heiliger Geist sind Ein Gott; aber diese drei Personen haben ihre Eigenthümlichkeiten; sie sind Eine Kraft, Eine Gottheit, Ein Glanz, Ein Licht, und was die eine Person ist, das ist auch die andere.

Der Sohn ist dem Vater gleich; aber dies hebt den persönlichen Unterschied Beider nicht auf. Dem Vater und dem Sohne ist der Heilige Geist gleich, der von Beiden ausgeht.

Die menschliche Vernunft kann nicht die göttlichen Personen, noch ihren Unterschied erfassen. Denn da ist keine Ordnung der Zeit nach, kein Rang, noch ein Raum, der sie umgebe.

Nichts ist in Gott außer Gott, kein Urheber außer Ihm, welcher die Ursache der erschaffenen Dinge ist. Gott ist die Ursache, die erschafft und bildet, er ist das Endziel, aber niemals ist er der Stoff des Erschaffenen.

Von den göttlichen Personen nach Gebühr zu reden, übersteigt die Kraft der Vernunft und überragt des Geschöpfes Geistesschärfe. Bekennen muß ich, daß ich es nicht erfasse, was es heiße, erzeugt werden und ausgehen; doch mein Glaube zweifelt nicht.

Wer da glaubt, sei nicht voreilig und weiche nicht hoffährtig ab von dem königlichen Pfade. Er bewahre den Glauben, regle die Sitten und neige nicht hin zu den Irrlehren, welche die Kirche verdammt.

Wir wollen uns allzeit im Glauben rühmen, und in der Beharrlichkeit des Glaubens einmüthig singen: Preis sei der Dreieinigkeit, Ehre der Dreifaltigkeit in Ewigkeit.

Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Zehnter Band: Die Zeit nach Pfingsten; Mainz 1881; S. 133-138]

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