Dom Guéranger zum Fronleichnamsfest (2/3)

Zur Messe.

Die Prozession, welche bei allen andern Festen unmittelbar auf die Terz folgt, findet diesmal erst nach dem Schlusse des Meßopfers statt. Christus selbst soll diese Prozession führen, und wir müssen daher warten, bis die heilige Handlung die Himmel geneigt hat [Psalm 17, 10], woselbst er seinen Thron aufgeschlagen. Bald wird er unter der geheimnißvollen Wolke bei uns sein. Er hat seine Auserwählten mit dem Waizenkorne genährt, das in die Erde gefallen und durch das mystische Opfer auf allen Altären vervielfältigt wurde. Heute kommt er, um unter den Seinigen seinen Triumph zu feiern; er will die dem Gotte Jakobs gewidmeten Freudenrufe hören. Alles dies drückt die Kirche in dem feierlichen Introitus aus, mit welchem sie ihre Gesänge eröffnet. Derselbe ist dem schönen 80. Psalm entnommen […].

Introitus.

Er speiste sie mit dem Marke des Waizens, Alleluja, und sättigte sie mit dem Honig aus dem Felsen. Alleluja, Alleluja, Alleluja.

Frohlocket Gott, unserm Helfer; frohlocket dem Gott Jakobs!

Ehre sei dem Vater etc.

Er speiste sie etc.

In der Collecte erinnert die Kirche an die Absicht des Herrn bei Einsetzung des Sakramentes der Liebe, am Tage vor seinem Tode. Dasselbe sollte ein Gedächtniß des bittern Leidens sein, dem er sich bald unterziehen mußte. Diese wahre Absicht sollen wir bei den Ehren, die wir dem göttlichen Leibe und Blute zollen, nicht aus dem Auge lassen, und so bittet die Kirche, daß uns die Wirkung seines Opfers zu Theil werden möge.

Collecte.

O Gott, welcher Du uns unter dem wunderbaren Sakramente ein Andenken an dein Leiden hinterlassen hast: wir bitten Dich, gewähre uns, daß wir die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so feiern, daß wir die Frucht deiner Erlösung stets in uns empfinden. Der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Epistel.

Lesung des ersten Briefes des seligen Apostels Paulus an die Corinther. Cap. 11.

Brüder! Ich habe ja vom Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe, daß der Herr Jesus Christus in der Nacht, in welcher er verrathen wurde, das Brod nahm, und dankte, es brach und sprach: „Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; dieses thut zu meinem Andenken.“ Desgleichen nahm er nach dem Nachtmahle auch den Kelch und sprach: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute; thut dies, so oft ihr ihn trinket, zu meinem Andenken.“ Denn so oft ihr dieses Brod esset und diesen Kelch trinket, sollet ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis er kommt. Wer nun unwürdig dieses Brod ißt, oder den Kelch des Herrn trinket, der ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so esse er von diesem Brode und trinke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet.

Die allerheiligste Eucharistie bildet als Opfer und Sakrament den wesentlichen Mittelpunkt der christlichen Religion; auch wollte der Herr, daß die Thatsache der Einsetzung auf einem vierfachen Zeugnisse beruhe. Der heilige Matthäus, der heilige Markus, der heilige Lukas erzählen alle in übereinstimmender Weise diese Einsetzung, und so eben haben wir den heiligen Paulus gehört, der sich in seinem den Evangelisten entsprechenden Berichte auf das eigene Zeugniß des Herrn beruft. Denn der Heiland war ihm erschienen und hatte ihn nach seiner Bekehrung über Alles unterrichtet.

Der Apostel hebt namentlich die Vollmacht hervor, welche der Heiland seinen Jüngern gegeben hatte, nämlich dasselbe, was er eben gethan, zu erneuern. Er sagt uns insbesondere, daß der Priester, so oft er den Leib und das Blut Jesu Christi consecrirt, den Tod des Herrn verkündigt. In diesen Worten ist deutlich ausgedrückt, daß das Opfer am Kreuze und das Opfer auf dem Altar dasselbe ist. Durch dieses Opfer des Erlösers am Kreuze ist auch, wie wir alsbald im Evangelium lesen werden, das Fleisch des Gotteslammes für uns wahrhaftig eine Speise und sein Blut wahrhaftig ein Trank geworden. Der Christ möge das selbst nicht in diesem Tage des Triumphes vergessen. Die Collecte der Kirche ist die vorzüglichste Form, die ihr zum treuen Ausdrucke ihrer Gebete und Gedanken dient, und was sie darin heute sagt, und im Laufe der ganzen Octave unaufhörlich wiederholt, will ncihts anderes, als die letzte rührende Empfehlung des Herrn: „So oft ihr diesen Kelch des neuen Bundes trinkt, thuet dies zu meinem Angedenken,“ – tief in die Seele ihrer Söhne einprägen. Die Wahl der Epistel, jener Briefstelle des großen Heidenapostels, soll den Christen lehren, daß dies göttliche Fleisch, das seine Seele nährt, auf dem Calvarienberge bereitet worden ist. Es soll ihn lehren, daß das Lamm, obzwar heute lebendig und unsterblich, durch einen schmerzhaften Tod unsere Speise geworden ist. Der versöhnte Sünder wird voll Zerknirschung jenen heiligen Leib empfangen, dessen Blut er durch seine vielfachen Missethaten vergossen. Der Gerechte wird voll Demuth an demselben Mahle Theil nehmen; denn er wird sich erinnern, daß auch er einen allzugroßen Antheil an den Leiden des Lammes hat: wenn er auch heute das Leben der Gnade in sich fühlt, wird er doch nie vergessen, daß er dasselbe dem Blute des Opferlammes verdankt, dessen Fleisch ihm als Speise gereicht worden ist.

Aber fürchten wir vor Allem den verwegenen Gottesraub, vor welchem der Apostel so eindringlich warnt. Ja, wer solches thäte, würde sich nicht scheuen, dem Urheber des Lebens bei dem um den Preis seines Blutes erkauften Mahle auf’s Neue den Tod zu geben. „Der Mensch prüfe sich selbst,“ sagt der heilige Paulus, „und so esse er von diesem Brode und trinke aus diesem Kelche.“ Diese Prüfung findet für Jeden, der sich einer schweren, noch nicht bekannten Sünde bewußt ist, im Sakramente der Buße statt. Wenn man auch noch so sehr seine Sünde bereut hat, wenn auch in Folge der vollkommenen Reue die Versöhnung mit Gott zur Thatsache geworden ist: so darf man sich doch nach der Vorschrift des Apostels, wie dieselbe durch die beständige Uebung der Kirche und auch conciliare Entscheidungen erkärt worden ist [Conc. Trid. Sess. XIII, cap. VII, can. XI], dem heiligen Tische nicht nahen, bevor die Sünde der Schlüsselgewalt unterworfen worden ist.

Das Graduale und der Vers Alleluja bieten auf’s Neue ein Beispiel, wie die beiden Testamente parallel laufen. […] Der Psalmist (Ps. 144, 15 und 16) preist darin die unendliche Güte des Herrn, von welchem jedes lebendige Wesen Speise erwartet; und der Heiland stellt sich darin (Joh. 6, 56. 57)uns als die wahre Speise dar.

Graduale.

Aller Augen warten auf Dich, Herr, und du gibst ihnen Speise zu rechter Zeit.

V. Du thust auf deine Hand uns sättigest alles Lebendige mit Segen.

Alleluja. Alleluja.

V. „Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank: wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“

Es folgt nun die Sequenz, eine berühmte und ganz eigenthümliche Dichtung des Doctor angelicus. Die Kirche, das wahre Sion, offenbart ihre Begeisterung. Sie läßt ihre Liebe zu dem lebendigen und belebenden Brode in Ausdrücke scholastischer Kürze und Genauigkeit ausströmen; man sollte annehmen, daß sie gar nicht in eine poetische Form gebracht werden könnten. Das eucharistische Geheimniß wird darin in seiner ganzen Vollständigkeit und einfachen Majestät entwickelt, dabei mit einer bestimmten Kürze, deren Geheimniß nur dem Engel der Schule zu eigen war. Diese wesentliche Auseinandersetzung über den Gegenstand des Festes, wozu dann noch eine mit dem Texte in vollständigem Einklang stehende Gesangsweise kommt, macht die Begeisterung sehr begreiflich, welche die Absingung stets in den Seelen des Volkes hervorrief und noch heute hervorruft.

Sequenz.

Deinem Heiland, deinem Lehrer,
Deinem Hirten und Ernährer,
Sion! stimm’ ein Loblied an!

Preis’ nach Kräften seine Würde,
Da kein Lobspruch, keine Zierde
Seiner Größe gleichen kann!

Dieses Brod sollst du erheben,
Welches lebt und gibt das Leben,
Das man heut’ den Christen weist;
Dieses Brod, mit dem im Saale
Christus bei dem Abendmahle
Seine Zwölfe hat gespeist.

Unser Lob soll laut erschallen,
Und das Herz in Freude wallen;
Denn der Tag hat sich genaht,
Da der Herr zum Tisch der Gnaden
Uns zuerst hat eingeladen,
Und das Mahl gestiftet hat.

Von des neuen Königs Speise
Wird des alten Passah’s Weise
Durch ein Neues abgethan;
Und der Wahrheit muß das Zeichen,
Und die Nacht dem Lichte weichen,
Und das Neue fanget an.

Was vom Herrn beim Mahl geschehen,
Hieß er uns auch so begehen,
Und zu feiern seinen Tod;
Zu dem Opfer, ihn zu ehren
Nach der Vorschrift seiner Lehren,
Wird verwandelt Wein und Brod.

Doch wie uns der Glaube lehret,
Wird das Brod in Fleisch verkehret,
Und in Christi Blut der Wein.
Was dabei das Aug’ nicht siehet,
Dem Verstande selbst entfliehet,
Sieht der feste Glaube ein.

Wundergroßes ist enthalten
Unter zweierlei Gestalten,
Die jedoch nur Zeichen sind:
Blut und Fleisch zu Trank und Speise,
Da sich doch in beider Weise
Christus ungetheilt befind’t.

Wer zu diesem Gastmahl eilet,
Nimmt ihn ganz und unzertheilet,
Unzerbrochen, unversehrt.
Einer kommt, und Tausend kommen,
Keiner hat doch mehr genommen,
Und er bleibt doch unverzehrt.

Fromme kommen, Böse kommen,
Uns sie haben ihn genommen,
Die zum Leben, die zum Tod.
Bösen wird er Straf’ und Hölle,
Guten ihres Heiles Quelle:
Wie verschieden wirkt das Brod!

Wird die Hostie auch gespalten,
Zweifle nicht an Gottes Walten,
Daß die Theile das enthalten,
Was das ganze Brod enthält.
Niemals kann das Wesen weichen,
Nur gebrochen wird das Zeichen,
Sach’ und Wesen sind die gleichen,
Beide bleiben unentstellt.

Seht! die hehre Engelspeise,
Brod der Pilger auf der Reise,
Wahres Brod dem Kinderkreise:
Nicht den Hunden wirf es hin!
Schon in Isaak’s Opfertode,
In des Osterlamms Gebote,
In der Väter Mannabrode
Wies auf es ein tiefer Sinn.

Guter Hirte, Brod der Seelen!
Dein Erbarmen laß nicht fehlen,
Dich als Hirt und Schützer wählen,
Woll’ im Land des Lebens zählen
Uns zu deinen Seligen!
Du, der Alles weiß und leitet,
Der die Menschenkinder weidet
Und an seinem Mahle leidet,
Setz’ uns, wenn die Seele scheidet,
In den Kreis der Heiligen!
Amen. Alleluja.

Evangelium.

Fortsetzung des heiligen Evangeliums nach Johannes. Cap. 6.

In jener Zeit sprach Jesus zu dem Volke der Juden: „Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Gleichwie mich der lebendige Vater gesandt hat, und ich durch den Vater lebe: so wird auch der, welcher mich ißt, durch mich leben. Dies ist das Brod, welches vom Himmel herabgekommen ist, nicht wie das Manna, das eure Väter gegessen haben und gestorben sind. Wer dieses Brod ißt, wird ewig leben.“

Der Liebesjünger konnte unmöglich sich dem Geheimniß der Liebe gegenüber schweigend verhalten. Als er indessen sein Evangelium schrieb, war die Einsetzung des göttliches Sakramentes von den drei ihm vorausgegangenen Evangelisten und dem Apostel Paulus hinreichend klar erzählt. Er kann daher nicht mehr auf dieses Ereigniß selbst zurückkommen, vervollständigte aber den Bericht der drei andern insofern, als er die feierliche Verheißung dieses Sakramentes meldet, welche der Heiland ein Jahr vor dem letzten Abendmahle am Ufer des See’s Tiberias gegeben.

Der zahlreichen Menge, welche das erst kürzlich stattgehabte Wunder der Vervielfältigung der Brode und der Fische um ihn versammelt hatte, stellte Jesus sich als das wahre vom Himmel herabgekommene Lebensbrod vor, welches vor dem Tode bewahrt, im Gegensatze zum Manna, das von Moses ihren Vätern gegeben wurde. Das Leben ist das erste Gut, wie der Tod das letzte Uebel. Das Leben hat in Gott seinen Sitz und seine Quelle [Ps. 35, 10]; er allein kann es mittheilen, wenn er will, und wer es verloren hat, dem kann er es wiedergeben. Durch seine Gnade hat er den Menschen zum Leben geschaffen; durch die Sünde unterlag er dem Tode. Aber Gott liebt die Welt also, daß er für die verlorene Welt seinen eingeborenen Sohn dahin gab [Joh. 3, 16], mit dem Auftrage, den Menschen in seinem ganzen Wesen auf’s Neue zu beleben. Seiner Natur nach wahrer Gott vom wahren Gott, Licht vom Licht, ist er ebenso wahres Leben vom wahren Leben, und wie der Vater Diejenigen, welche in der Finsterniß sind, durch den Sohn, sein Licht, erleuchtet, ebenso gibt er den Todten durch den Sohn, sein lebendiges Abbild, das Leben [Cyrill. Al. in Johan. Lib. IV, cap. 3]. Das Wort Gottes ist demnach unter die Menschen gekommen, damit sie das Leben hätten und überflüssig hätten [Joh. 10, 10]. Und da es das Eigenthümliche der Speise ist, daß sie das Leben vermehrt und unterhält, so hat er sich zur Speise gemacht, zur lebendigen und belebenden Speise, die vom Himmel herabgekommen ist. Des ewigen Lebens theilhaft, das er aus dem Schooße des Vaters schöpft, theilt das Fleisch des Sohnes dies Leben dem mit, der es ißt. Was seiner Natur nach dem Verderben unterworfen ist, sagt der heilige Cyrillus von Alexandria, kann nur durch körperliche Vereinigung mit dem Leibe dessen, der seiner Natur nach das Leben ist, belebt werden. Wie zwei Stücke Wachs, in der Flamme geschmolzen, nur noch Eines sind, so werden wir mit Christus, durch die Theilnahme an seinem kostbaren Leibe und Blute, Eins. Dies in dem Fleische des Wortes, das in uns selbst das unserige geworden, wird nicht mehr in uns von dem Tode überwunden werden; es wird vielmehr, an dem bezeichneten Tage, die Banden des alten Feindes abschütteln, und über die Verwesung in unseren unsterblichen Leibern triumphiren [Cyrill. Al. in Johan. Lib. X, cap. 2]. In ihrer bräutlichen Feinfühligkeit und ihrer mütterlichen Zärtlichkeit hat die Kirche die betreffende Stelle aus Johannes zum Evangelium der Messe üfr die Verstorbenen erwählt, indem sie die Thränen der Lebenden über Jene sammelt, welche nicht mehr die heilige Hostie, die Quelle des wahren Lebens, den sicheren Mittelpunkt ihrer gemeinsamen Hoffnungen, umgeben.

So mußte es eintreten, daß nicht allein die Seele durch die Berührung mit dem Worte erneuert wurde, sondern selbst der irdische Leib einen verhältnißmäßigen Antheil an der Kraft des lebendigmachenden Geistes – wie sich der Herr ausdrückt [Joh. 6, 64] – bekam. „Diejenigen, denen durch die Hinterlist eines Feindes Gift beigebracht worden ist“ – so sagt in trefflicher Weise der heilige Gregor von Nyssa – „ersticken den Giftstoff in sich durch ein Gegenmittel. Aber wie dies bei dem tödtlichen Tranke geschehen, so muß auch der Heiltrank in die Eingeweide eingeführt werden, damit er von da aus die Heilkraft über den ganzen Organismus verbreitet. Wir nun, die wir die Todesfurcht gekostet, wir brauchen auch ein Heilmittel, welches in uns das gestörte Gleichgewicht unserer Elemente wiederherstellt, und bis in unser innerstes Wesen dringend, die Gewalt des Giftes durch eine Gegengewalt neutralisirt. Was soll dies nun sein? Nichts Anderes, als jener Leib, der sich mächtiger bewiesen, als der Tod, und der daher für uns eine Quelle des Lebens ist. ‚Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig,‘ sagt der Apostel [1. Cor. 5, 6]; ebenso wandelt Christi Leib den unserigen in den seinigen um. Aber nichts kommt so körperlich in uns, wie Speise und Trank, und das ergibt denn auch die unserer Natur angemessene Weise, wie die belebende Kraft selbst unsern Körper durchdringt [Greg. Nyss. Orat. catech. Cap. XXXVII].“

Das Offertorium ist dem Leviticus entnommen (21, 6); der Herr empfiehlt an jener Stelle den Priestern des alten Bundes, daß sie heilig sein sollten, im Hinblick auf das Opfer, das sie Jehova mit dem symbolischen Weihrauch und den Schaubroden zu bringen hatten. So hoch nun das Priesterthum des neuen Bundes über das Amt des vorbildlichen Gesetzes emporragt, so hoch sollen auch an Heiligkeit über die Hände Aarons Diejenigen emporragen, welche das wahre Himmelsbrod dem göttlichen Vater darbringen.

Offertorium.

Die Priester des Herrn opfern Gott Weihrauch und Brod, und darum sollen sie ihrem Gotte heilig sein, und sie werden seinen Namen nicht beflecken. Alleluja.

In dem Stillgebet erfleht der Priester die Einheit und den Frieden, welche eine besondere Gnade des göttlichen Sakramentes sind. Dies folgerten schon die Väter aus der Zusammensetzung der heiligen Gaben; denn ein Brod ist gebildet aus zahlreichen in der Mühle zermahlenen Körnern, und der eine Wein besteht aus vielen in der Kelter gepreßten Traubenbeeren.

Daran schließt sich die Präfation, als welche für heute und die ganze Octave die Weihnachtspräfation dient. Sie soll uns den innigen Zusammenhang der beiden Geheimnisse ins Gedächtniß rufen, der auch in anderer Weise zu Tage tritt. Schon der Name der Geburtsstätte ist in dieser Beziehung bezeichnend. In Bethlehem, dem Hause des Brodes, ist Jesus, das wahre Brod des Lebens, vom Himmel herabgekommen.

Stillgebet.

O Herr, wir bitten Dich, gib gnädig deiner Kirche die Gaben der Einheit und des Friedens: welche geheimnißvoll unter den dargebrachten Opfern angedeutet sind. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Präfation.

Wahrlich ist es würdig und recht, billig und heilsam, daß wir Dir immer und überall Dank sagen, o heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott: – Denn durch das Geheimniß des fleischgewordenen Wortes ist ein neues Licht deiner Klarheit den Augen unseres Geistes erschienen: so daß wir unseren Gott sichtbar erkennen und zugleich durch diesen zur Liebe der unsichtbaren Dinge fortgerissen werden. Und deßhalb singen wir mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften, und mit dem ganzen Kriegsheer der himmlischen Schaaren den Lobgesang auf deine Herrlichkeit, indem wir ohne Ende rufen: Heilig, heilig, heilig etc.

Treu der Vorschrift Christi, welche der Apostel in der Festepistel auf’s Neue einschärft, erinnert die Kirche in der Antiphon zur Communion ihre Söhne daran, daß sie, so oft sie den Leib des Herrn empfangen, seinen Tod verkünden, und daß sie in heiliger Furcht sich davor bewahren, unwürdig den Geheimnissen des Heils zu nahen.

Communion.

So oft ihr dieses Brod esset und diesen Kelch trinket, sollet ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis er kommt. Wer nun unwürdig dieses Brod ißt, oder den Kelch des Herrn trinket, ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn. Alleluja.

Zum Schlusse der heiligen Handlung erfleht die Kirche für die Ewigkeit die unverhüllte Vereinigung mit dem göttlichen Worte, deren Unterpfand und Vorbild die Theilnahme an der wirklichen Wesenheit des kostbaren Leibes und Blutes ist.

Postcommunion.

O Herr, wir bitten Dich, laß uns von dem eiwgen Genusse deiner Gottheit gesättigt werden: welcher durch den zeitlichen Empfang deines kostbaren Leibes und Blutes vorgebildet ist. Der Du lebst und regierst. Amen.

[Quelle: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Zehnter Band: Die Zeit nach Pfingsten; Mainz 1881; S. 282-295]

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