Kevelaerer Kreuzweg: 1. Station

Erste Station.

Jesus wird von Pilatus zum Kreuzestode verurteilt.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus, und preisen Dich!

R. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöset.

Betrachtung. Wer sollte es glauben! Der ewige Gottessohn, der Allheilige, wird hingestellt vor den Richterstuhl eines Pilatus, der sein Geschöpf, ein Heide, ein Sünder ist. Wer begreift solche Ungerechtigkeit! Ein undankbares Volk fordert die Verurteilung seines größten Wohltäters, des göttlichen Menschenfreunds! Welche Schmach! Den Feinden Jesu genügt es nicht, daß er, durch die grausame Geißelung und Krönung von der Fußsohle bis zum Scheitel zerfleischt, aus zahllosen Wunden blutet: sie wollen seinen Tod am Kreuze. Und Pilatus gibt nach. Der Stab wird zerbrochen, das Urteil gesprochen, die Henkersknechte strecken ihre Hände nach dem Opfer aus, und Jesus nimmt ohne Widerrede das ungerechte Urteil hin.

Anmutung. Warum schweigt hier der himmlische Vater? Warum schweigt dazu das unschuldige Gotteslamm? Aus reinster Liebe zu uns, damit wir dereinst vor seinem Richterstuhl vor dem Verdammungsurteil bewahrt werden mögen. Der letzte Tropfen seines kostbaren Blutes soll vergossen werden zur Sühne für unsere unendlichen Vergehungen. Welch entsetzliches Uebel muß doch die Todsünde sein! O süßester Jesus, sei mir nicht Richter, sondern Erlöser!

Gebet. O geduldigster Jesus, meinetwegen bist Du zum schmachvollsten Kreuzestode verurteilt. Du bist unschuldig, ich bin der Schuldige, ich habe den Tod verdient. Aber Du willst aus Liebe zu mir sterben, um meine Schuld zu tilgen und mir das ewige Leben zu erkaufen. O Jesus, ich will Dich wieder lieben und verfluche von nun an die Sünde. Liebster Jesus, wenn Du kommen wirst, mich zu richten, so sei mir alsdann gnädig und barmherzig. Ich will nie über meine Mitmenschne freventlich urteilen, nicht verleumden, nicht aus Menschenfurcht Böses verüben, lieber Unrecht leiden als Unrecht tun, damit ich Dir nachahme, Dir gefalle und dereinst nicht verdammt werde. Amen.

V. Gekreuzigter Herr Jesus!

R. Erbarme Dich unser.

Barmherzigkeit, mein Jesus!

O Trösterin der Betrübten, wenn ich vor den Richterstuhl Deines Sohnes gestellt werde, so stelle Dich zwischen den Richter und mich, und erwirke mir ein gnädiges Urteil.

„Heilige Mutter, drück die Wunden,
Die Dein Sohn für mich empfunden,
Tief in meine Seele ein.“

Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! (300 Tage Ablaß.)

Vater unser … Gegrüßet seist Du …

[Quelle: Via dolorosa! Schmerzensweg unseres Herrn oder Kreuzwegbüchlein nebst Andacht zu den sieben Schmerzen Mariä, besonders zum Gebrauche der Pilger in Kevelaer. Von Professor Dr. Bernh. Schäfer; Kevelaer 1911; S. 4-5]

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