Kevelaerer Kreuzweg: 2. Station

Zweite Station.

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulter.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus, und preisen Dich!

R. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöset.

Betrachtung. Draußen vor dem Richthause des Pilatus wartet seiner das harte Kreuzholz. Jesus küßt es, umfaßt es mit seinen blutenden Armen, und nimmt das Holz der Schmach und Schmerzen auf sich, um es zur Richtstätte zu tragen. Seine Feinde können ihre grimmige Wut nicht verbergen und kennen kein Erbarmen. Mit schweigender Ergebung folgt der geduldige Heiland ihren harten Befehlen, und trägt dem gehorsamen Isaak gleich das Opferholz auf seinen wunden Schultern. Welche Bürde für das unschuldige Gotteslamm. An das Kreuzholz heften sich alsbald alle Sünden der ganzen Menschheit, alle Verbrechen und Frevel der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, auch meine zahllosen Vergehungen. Diesen Schuldbrief will der göttliche Erlöser an das Kreuzholz heften, damit wir vor dem Kerker der Hölle bewahrt bleiben.

Anmutung. Die Sünden der Welt und meine persönlichen Sünden haben den göttlichen Dulder noch viel mehr gedrückt, als die schwere Kreuzeslast. Wenn eine einzige Sünde die Seele so schwer drücken kann: wie muß ihm zu Mute gewesen sein! Was ist es doch Entsetzliches um die Sünde, die eine solche Züchtigung erforderte! Und wie rührend ist seine Geduld und Sanftmut, womit er das schwere Kreuz aus den Händen seiner Feinde entgegengenommen und unter dessen Last einher wankte! In Zukunft keine Sünde, keine Todsünde mehr!

Gebet. O Jesus, Du reinste Liebe: ich habe durch meine Sünden das Marterholz auf Deine unschuldigen Schultern gelegt. Nein, ich will nicht wieder sündigen; ich will alles Kreuz, das Du mir auferlegst, gerne tragen zur Genugtuung für meine Sündenschuld, und Dir nachfolgen. Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen, mache mein Herz dem Deinigen ähnlich. Amen!

V. Gekreuzigter Herr Jesus!

R. Erbarme Dich unser.

Barmherzigkeit, mein Jesus!

O Trösterin der Betrübten, erflehe mir die Gnade, daß ich jedes Leiden als ein Kreuz ansehe, welches ir Dein göttlicher Sohn auf die Schultern legt, und daß ich ihm geduldig in der Kreuztragung folge.

„Heilige Mutter, drück die Wunden,
Die Dein Sohn für mich empfunden,
Tief in meine Seele ein.“

Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! (300 Tage Ablaß.)

Vater unser … Gegrüßet seist Du …

[Quelle: Via dolorosa! Schmerzensweg unseres Herrn oder Kreuzwegbüchlein nebst Andacht zu den sieben Schmerzen Mariä, besonders zum Gebrauche der Pilger in Kevelaer. Von Professor Dr. Bernh. Schäfer; Kevelaer 1911; S. 6-7]

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