Kevelaerer Kreuzweg: 6. Station

Sechste Station.

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus, und preisen Dich!

R. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöset.

Betrachtung. Von dem schweren Druck des Kreuzes hatte sich auf der Schulter des Heilandes eine tiefe Wunde gebildet. In Schweiß und Blut gebadet, aufs Aeußerste entstellt und erschöpft, schleppte er sich keuchend fort. Nur ein lebendes Wesen erzeigt ihm tätiges Mitleid. Die fromme Veronika hatte in ihrer Liebe den Mut, such durch die Rotte der Henker und Todfeinde Jesu zu drängen. Sie reicht dem Gotteslamm ihr Schweißtuch dar. Dankbar benützt es der Heiland, und stellt es ihr zurück mit dem blutigen Abdruck seines schmerzvollen Antlitzes.

Anmutung. Weit mehr Liebesdienste als Veronika bin ich meinem Heilande schuldig für tausendfache Gnaden und Wohltaten. Wie oft aber habe ich seine Güte mißbraucht, wie oft seine Gaben nur benützt, um ihn damit zu beleidigen! Das soll nicht wieder geschehen!

Gebet. Liebevollster Heiland, ich will das Bild Deines todblassen schmerzentstellten Antlitzes und Deines ganz bitteren Leidens meiner Seele treu und unauslöschlich einprägen und namentlich in jeder Versuchung mir vor Augen stellen, damit ich vor jeder sündhaften Einwilligung bewahrt bleibe. Dein heiliges Antlitz ist verunstaltet, weil meine Seele befleckt ist, die ein Ebenbild des dreieinigen Gottes sein sollte. Ich will dieses entstellte Ebenbild rein waschen durch Tränen der Reue und Buße. Mein ganzes Leben soll durch Erfüllung Deiner Gebote ein treuer Abdruck Deines Lebens und Deines Beispiels sein, damit ich mit dem Apostel sagen kann: „Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Amen.

V. Gekreuzigter Herr Jesus!

R. Erbarme Dich unser.

Barmherzigkeit, mein Jesus!

Trösterin der Betrübten, Dein Leben war das treueste Abbild vom Leben Deines göttlichen Sohnes. Drücke das Bild seines hl. Antlitzes tief in mein Herz und mich in sein Herz.

„Heilige Mutter, drück die Wunden,
Die Dein Sohn für mich empfunden,
Tief in meine Seele ein.“

Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! (300 Tage Ablaß.)

Vater unser … Gegrüßet seist Du …

[Quelle: Via dolorosa! Schmerzensweg unseres Herrn oder Kreuzwegbüchlein nebst Andacht zu den sieben Schmerzen Mariä, besonders zum Gebrauche der Pilger in Kevelaer. Von Professor Dr. Bernh. Schäfer; Kevelaer 1911; S. 12-14]

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