Kevelaerer Kreuzweg: 10. Station

Zehnte Station.

Jesus wird seiner Kleider beraubt und mit Essig und Galle getränkt.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus, und preisen Dich!

R. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöset.

Betrachtung. Noch einmal hat sich der Heiland aufgerafft und ist endlich auf der Richtstätte von Kalvaria angelangt. Das Kreuz liegt am Boden; die Grube ist gegraben, worin es befestigt werden soll. Eins ist noch übrig. In der Schmach und Qual der Entblößung soll der allerkeuscheste Sohn Mariä sterben. Die Henker reißen die Kleider von seinem Leibe. Er, der alle Geschöpfe kleidet, erscheint hier in der äußersten Armut. Die mit seinem Gewand verklebten Wunden brechen wieder auf. Welch ein Schmerz! Der keuscheste Jesus sieht sich den Blicken roher Kriegsknechte ausgesetzt. Welch eine Schmach! Er leidet brennenden Durst, aber nur Myrrhenwein und Galle wird ihm gereicht. Welche Bitterkeit! So steht der Sohn Gottes vor dem Kreuze, arm und bloß, zitternd und bebend in unaussprechlicher Pein und Schmach.

Anmutung. Alle Arten von Peinen wollte mein Heiland und Erlöser leiden, weil die Menschen jegliche Art von Bosheit begangen haben. Er wird der Kleider beraubt, um Genugtuung zu leisten für Habsucht, Eitelkeit, Kleiderpracht und Hoffart. Er muß die unbeschreibliche Marter der Entblößung ertragen, um zu büßen, was die Welt in Schamlosigkeit und Fleischeslust verbrochen. Er muß den bitteren Trank verkosten, um abzuzahlen, was seine Geschöpfe in Genußsucht und Unmäßigkeit verschuldet haben. Gehöre nicht auch ich zu ihnen?

Gebet. O schuldloses Gotteslamm, Du wirst der Kleider beraubt und mit Bitterkeit an Leib und Seele erfüllt: und ich soll noch der Sinnenlust und irdischer Eitelkeit anhangen? O laß mich doch immer mehr erkennen, daß die Welt und ihre Lust vergeht, und alles Eitelkeit ist, außer Dich lieben und Dir allein dienen. Schenke mir die Gnade, daß ich starkmütig die bösen Gelüste überwinde, und daß die Welt und ihre Güter und die sündhaften Neigungen mein Herz nicht beherrschen. Ertöte in mir jede unordentliche Anhänglichkeit an die Geschöpfe, mache mich wachsam und standhaft in den Gefahren meiner Unschuld, und befreie mich vom Geiste der Unlauterkeit. Amen.

V. Gekreuzigter Herr Jesus!

R. Erbarme Dich unser.

Barmherzigkeit, mein Jesus!

Trösterin der Betrübten, erbitte mir die notwendige Kraft, die böse Begierlichkeit des Fleisches zu besiegen.

„Heilige Mutter, drück die Wunden,
Die Dein Sohn für mich empfunden,
Tief in meine Seele ein.“

Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! (300 Tage Ablaß.)

Vater unser … Gegrüßet seist Du …

[Quelle: Via dolorosa! Schmerzensweg unseres Herrn oder Kreuzwegbüchlein nebst Andacht zu den sieben Schmerzen Mariä, besonders zum Gebrauche der Pilger in Kevelaer. Von Professor Dr. Bernh. Schäfer; Kevelaer 1911; S. 19-20]

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