Kevelaerer Kreuzweg: 12. Station

Zwölfte Station.

Jesus stirbt am Kreuze.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus, und preisen Dich!

R. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöset.

Betrachtung. Gottes Sohn am Kreuz! Erhöht zwischen Himmel und Erde, in der Mitte von zwei Mördern, als wäre er der größte Verbrecher, leidet und blutet dein Jesus. Welch ein schmerz- und schmachvolles Sterbebett, umtobt von den Gotteslästerungen grausamer Feinde! Nur auf Wunden ruht der Gekreuzigte drei entsetzlich lange Stunden! Betrachte den brennenden Durst, die gänzliche Armut und Verlassenheit des Schöpfers der Welt! Und dazu kommt noch die schreckliche Gottverlassenheit, in welcher der Heiland Höllenqual erduldet hat. O was ist das ein furchtbarer Todeskampf! Nun vollendet sich das große Werk der Erlösung. Der Atem stockt, der Puls steht still, und das Herz, welches nur Schläge der Liebe getan, hört auf zu schlagen. Jesus gibt seinen Geist in die Hände seines Vaters und stirbt aus Liebe für mich armen Sünder. Was die Gerechtigkeit eines Gottes fordern und die Liebe eines Gottes bieten konnte: es ist vollbracht. Himmel, Erde und Unterwelt verkünden in schrecklicher Weise den Tod des Gottmenschen.

Anmutung. O unendliche Liebe, welche leidet und betet für die Feinde, dem reuigen Schächer das Paradies verspricht, die Mutter dem engelreinen Jünger Johannes und diesen der Mutter übergibt! Mit Magdalena möchte ich mich vor dem Kreuze niederwerfen und alle Tropfen Blutes auffangen, die aus seinem geöffneten Herzen fließen. Jesus starb für mich Sünder. Wo ist meine Gegenliebe? Hätte ich nicht wegen meiner Sünden schon tausendmal ein ebenso schmerzvolles, schimpfliches Ende verdient?

Gebet. O mein Jesus, bei Deinem bitteren Tode wird die Sonne finster, der Vorhang im Tempel zerreißt, die Felsen bersten, die Toten stehen auf, Heiden schlagen reumütig an ihre Brust, und ich allein sollte in meinen Sünden, welche die Ursache Deines bitteren Todes sind, verstockt bleiben? Mein Herz soll härter sein als die sich spaltenden Felsen? O nein, mein Erlöser, ich will die Sünde hassen, und Dich lieben über alles. Ich bin Dein Eigentum. Du hast mich um hohen Preis erkauft. Dir allein gehöre ich an, Dir allein will ich dienen. Wie Du am Kreuze gebeten: „Vater, verzeihe ihnen,“ so will auch ich allen Feinden verzeihen und ihre Beleidigungen vergessen. Eingedenk Deines bitteren Todes, verleihe mir und allen meinen Angehörigen eine glückselige Sterbestunde. Jesus Dir leb ich, Jesus Dir sterb ich, Jesus Dein bin ich im Leben und im Tode. Amen.

V. Gekreuzigter Herr Jesus!

R. Erbarme Dich unser.

Barmherzigkeit, mein Jesus!

Trösterin der Betrübten, schmerzhafte Mutter Maria! Ich erinnere Dich an den letzten Wunsch Deines sterbenden Jesus: „Siehe Deinen Sohn.“ Zeige, daß Du Mutter bist jetzt und in der Stunde unseres Todes.

„Heilige Mutter, drück die Wunden,
Die Dein Sohn für mich empfunden,
Tief in meine Seele ein.“

Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! (300 Tage Ablaß.)

Vater unser … Gegrüßet seist Du …

[Quelle: Via dolorosa! Schmerzensweg unseres Herrn oder Kreuzwegbüchlein nebst Andacht zu den sieben Schmerzen Mariä, besonders zum Gebrauche der Pilger in Kevelaer. Von Professor Dr. Bernh. Schäfer; Kevelaer 1911; S. 22-24]

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